Bund Naturschutz fordert Bürgerbegehren

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Der Klingerbach hat im Juli die Kunsteisbahn zerstört. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Schönau am Königssee – Der vorgesehene Neubau der Kunsteisbahn, deren Planung nun forciert werden soll, stößt auf Widerstand. »Wir wollen ein landkreisweites Bürgerbegehren«, fordert Rita Poser, Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz Berchtesgadener Land. »Die Landkreisbürger sollen darüber entscheiden, ob sie die Wiederaufbau- und Sicherungsinvestitionen befürworten oder nicht«, sagte Poser auf Nachfrage.


Der Kreisverband des Bund Naturschutz lehnt den Wiederaufbau der Kunsteisbahn am Königssee ab und fordert ein Bürgerbegehren, über das im besten Fall vom Kreistag abgestimmt werden soll. »Die Stimme der Bürger muss eingefangen werden«, ist sich Poser sicher. »Die finanziellen Mittel sind alles Steuergelder.« Über deren Verwendung müsse sinnvoll entschieden werden. »Letztlich weiß keiner, ob und wann die nächste Rutschung am Berghang stattfinden wird.«

Bereits vor über zehn Jahren hatte sich der Bund Naturschutz in einem Beitrag der »NOlympia«-Bewegung mit der Kunsteisbahn befasst. Diese war damals für einen einen zweistelligen Millionenbetrag saniert worden. In dem Beitrag von März 2011, der auch heute noch aufgerufen werden kann, hieß es: »Mögliche Gefahren werden im geotechnischen Gutachten der Betreiberseite nicht ausreichend berücksichtigt.« Durch Baueingriffe sei das »Steinschlagrisiko forciert und die Murengefährdung erhöht« worden. Das Gelände der Bob- und Rodelbahn liegt in einer sogenannten »geologischen Bruchstaffel mit mehreren großen, parallel verlaufenden Störungen«. Damals hieß es zu einer geplanten Erweiterung des Rodelstarts an der Bahn, dass »zwangsläufig gleitungsgefährdetes Gelände angeschnitten« werden könnte.

»Es könnte damit in naher Zukunft zu Felsausbrüchen und eventuell zu Hangabgleitungen kommen, die die Rodelbahn gefährden würden.« Erste Schätzungen für Steinschlagschutzmaßnahmen aus dem Jahr 2009 lagen bei über einer Million Euro. Für den Bund Naturschutz war klar: »Das wird bei Weitem nicht reichen.« In dem Schreiben warnten die Naturschützer vor einer »katastrophalen Murenbildung für den Klingerbach«. Der Bach verläuft hinter der Kunsteisbahn und bahnt sich seinen Weg über das Sportstätten-Gelände.

Die Murenbildung werde in keinem Gutachten angesprochen, hieß es. Aus dem Einzugsgebiet könne es »bei Sturzregenfällen trotz der Verbauungen zur Bildung von Muren kommen, die die Installation der Bob- und Rodelbahn erheblich beschädigen würden«. Zehn Jahre später, im vergangenen Juli, beförderte der Klingerbach gewaltige Geröllmengen vom Grünstein ins Tal, die die Bahn schließlich zerstörten.

Rita Poser vom Bund Naturschutz ist sich sicher: »Keine Versicherung wird für die Bahn in Zukunft einstehen.«

Kilian Pfeiffer