Bildtext einblenden
Warum die bestehende Kreisklinik in Bad Reichenhall nicht saniert werden kann, versteht man in der Ortsgruppe des Bund Naturschutz nicht. (Foto: privat)

Bund Naturschutz gegen Neubau einer Zentralklinik in Bad Reichenhall

Bad Reichenhall – Jetzt mischt sich auch der Bund Naturschutz, Ortsgruppe Bad Reichenhall, in die Diskussion um den Standort für eine neue »Zentralklinik« in Bad Reichenhall ein. Die Naturschützer sprechen sich in einer Pressemitteilung gegen den vom Kreistag mit großer Mehrheit beschlossenen Neubau an der Saalach gegenüber der Rupertus Therme aus. Der BN wundert sich, warum eine Sanierung der bestehenden Kreisklinik in Bad Reichenhall nun plötzlich kein Thema mehr ist.


Dem BN erschließt es sich nach eigenen Angaben nicht, warum statt einer Sanierung komplett neu gebaut werden soll. Als die Kliniken Südostbayern AG (KSOB) im Kreistag 2018 den Neubau-Beschluss erreicht hätte, sei der moderne, größere Bettenbau gerade einmal 16 Jahre alt gewesen, die Stadt Bad Reichenhall habe zudem von 1992 bis 2002 insgesamt 65 Millionen DM in die Klinik investiert.

Der Bad Reichenhaller BN-Ortsvorsitzende Michael Wittmann erinnerte an ein Gutachten, auf dessen Ergebnissen der damalige Kreistagsbeschluss beruhte. Ein Umbau im Bestand würde demnach 136 Millionen Euro kosten, mindestens 14 Jahre dauern und wäre »die ultimative Katastrophe«. Ein Neubau dagegen wäre, ohne Grunderwerb, für 125 Millionen Euro nach drei Jahren bezugsfertig, frühestens im Jahr 2024. »Welche Expertise diese Behauptungen rechtfertigte, erfuhren nachprüfbar weder die Kreistagsmitglieder noch die übrige Öffentlichkeit«, so der BN. Dr. Michael Wittmann fordert, dass dieses Gutachten den Kreisräten und Bürgern bekannt gemacht wird, »damit eine fachlich fundierte Debatte dazu stattfinden kann«.

Das Areal zwischen Saalach und B 20/21 gegenüber der Therme ist teilweise Wiese, umfasst aber auch das laut BN »bei Reichenhallern äußerst beliebte Freizeitareal mit Skaterplatz, Spielplatz, zwei Fußballplätzen mit Flutlicht, einem Beachvolleyballplatz, sowie den angrenzenden Wohnmobilstellplatz«. Dieses Areal sei erst in den letzten Jahren errichtet worden und werde vor allem von der Jugend stark frequentiert, wie Ute Billmeier anmerkt. Am Saalachufer habe das Wasserwirtschaftsamt erst eine Erholungsfläche eingerichtet. »Das Areal zu überbauen, wäre ein herber Verlust für die Lebensqualität in der Stadt, da ein adäquater Standort nicht in Sicht ist.« In Anbetracht der Erfahrungen des Juli-Starkregens und -Hochwassers sollte außerdem nach Auffassung von Erich Prechtl eine Grünfläche direkt am Flussufer für großflächige Versiegelungen tabu sein.

Der Neubau wird jetzt auf 175 Millionen Euro geschätzt, das sind, wie der BN vorrechnet, 50 Millionen Euro mehr als die Schätzung von 2018. Aus Sicht des Bund Naturschutz »entbehrt es jeglichen ökologischen und gesamtgesellschaftlichen Verständnisses, in Zeiten der Klimakrise und der extremen Verschuldung der öffentlichen Haushalte infolge der Pandemie jetzt einen unnötigen Neubau durchzuboxen, obwohl es eine deutlich umwelt- und klimaschonendere und finanziell weniger aufwendige Lösung gäbe«. Der Kreistagsbeschluss von 2018 müsse »insbesondere aufgrund der aktuellen Entwicklungen als überholt und revisionsbedürftig gelten«.

fb