Bundesamt für Strahlenschutz warnt nicht vor 5G

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Das Thema 5G beschäftigt derzeit viele Menschen. Das Traunsteiner Tagblatt hat das Bundesamt für Strahlenschutz um eine Einschätzung gebeten. Foto: dpa-tmn

Ist es richtig, dass das Bundesamt für Strahlenschutz mittlerweile vor dem neuen Mobilfunkstandard 5G warnt? Und wenn ja, was sind die Gründe dafür? Diese Fragen hat dasTraunsteiner Tagblatt dem BfS gestellt, nachdem wiederholt Pressemeldungen mit diesem Tenor bei der Lokalredaktion eingegangen sind. Fazit: Dem ist nicht so. Doch das BfS betont auch, dass weiter geforscht werde – wie bereits seit Jahrzehnten.


In den Pressemeldungen war unter anderem zu lesen: »Das BfS warnt: In Tierversuchen zeigt sich schon bei geringfügiger Strahlenbelastung eine signifikant tumorfördernde Wirkung. Aus Gründen des Gesundheitsschutzes fordert es deshalb zur Gefahrenabwehr eine vorsorgliche Reduzierung der individuellen Strahlenexposition und eine umfassende Aufklärung der Bevölkerung. 5G solle erst nach einer Gesundheitsverträglichkeitsprüfung eingeführt werden.« Ist dem so? Das wollten wir vom Bundesamt für Strahlenschutz wissen.

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»Dieses Zitat gibt nicht den Standpunkt des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) wieder. Das BfS sieht im Ergebnis seiner wissenschaftlichen Arbeit keine Notwendigkeit für eine Gesundheitsverträglichkeitsprüfung«, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme dazu. In Bezug auf den erwähnten Tierversuch handelt es sich – wie auf der Internetseite des BfS zu lesen ist – um eine Pilotstudie des Fraunhofer Instituts aus dem Jahr 2010 mit Mäusen, die bereits an Krebs erkrankt waren. Sie wurden hochfrequenten elektromagnetischen Feldern (HF-EMF) ausgesetzt. Dabei hat sich gezeigt, dass HF-EMF eine wachstumsfördernde Wirkung auf die bereits bestehenden Tumore im Körper der Mäuse hatte. Das Fraunhofer Institut kam aber auch zu dem Schluss: HF-EMF allein lösen keinen Krebs aus. Das BfS förderte an der Jacobs Universität Bremen eine Folgestudie, die die Ergebnisse der Pilotstudie des Fraunhofer Instituts bestätigten.

Das Bundesamt für Strahlenschutz betont, dass die Erforschung gesundheitlicher Wirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern, wie sie bei der Übertragung von Bild, Ton oder Daten genutzt werden (also verschiedenster Technologien inklusive 5G), Auftrag des BfS sei und auch kontinuierlich weiter laufe.

Schon im Deutschen Mobilfunkforschungsprogramm (DMF) aus den Jahren 2002 bis 2008 – also lange vor 3G, 4G/LTE oder 5G – seien mögliche gesundheitliche Risiken und grundsätzliche biologische Wirkungen und Mechanismen der beim Mobilfunk verwendeten, hochfrequenten elektromagnetischen Felder untersucht worden. Weitere Studien folgten, wie das BfS schriftlich mitteilte. »Die Ergebnisse des DMF und weiterer aktueller, nationaler und internationaler Studien haben keine gesundheitsschädigenden Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder unterhalb der Grenzwerte bestätigt.«

Die bisherigen Forschungsergebnisse sind laut Bundesamt für Strahlenschutz dabei weitestgehend auf 5G anwendbar, da hier die gleichen oder benachbarte Frequenzbänder wie bei 3G und 4G oder handelsüblichen WLAN-Routern verwendet würden. Es gebe demnach keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen elektromagnetischen Feldern bisheriger Mobilfunknetze und denjenigen von aktuellen 5G-Sendeanlagen, wie das BfS mitteilte. Und weiter: »In der Gesamtschau aller vorhandenen Studien, und unter Berücksichtigung von deren Qualität, kommt das Bundesamt für Strahlenschutz zu dem Fazit, dass es nach derzeitigem Kenntnisstand bei Einhaltung der bestehenden Grenzwerte keine wissenschaftlich gesicherten Belege für gesundheitsschädigende Effekte durch Mobilfunk, inklusive der derzeit in Ausbau befindlichen 5G-Frequenzen gibt.«

KR

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