weather-image
28°

Bundesamt rechnet mit mehr Flüchtlingen

Erstaufnahme für Flüchtlinge
Karg: Ein Zimmer für Familien in einem Wohncontainer der Erstaufnahmeunterkunft für Asylbewerber in Deggendorf. Foto: Armin Weigel Foto: dpa
Flüchtlinge
Die Flüchtlingszahlen werden voraussichtlich im kommenden Jahr noch einmal steigen. Foto: Nicolas Armer/Archiv/Symbolbild Foto: dpa
Flüchtlingsunterkünfte
In Berlin-Köpenick entstehen Flüchtlingsunterkünfte. Foto: Tim Brakemeier/Archiv Foto: dpa
Deutschkurs
Sie entspricht nicht dem «Pegida»-Klischee: Deutschkurs-Teilnehmerin im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. Foto: Marcus Brandt/Archiv Foto: dpa
Bootsflüchtlinge vor Teneriffa
Europa ist das Hauptziel der Flüchtlinge, die per Boot ankommen. Foto: Archiv Foto: dpa
Flüchtlingskind
In Sicherheit: Ein FlüchtlingsKind schaut aus der Tür eines Wohncontainers. Foto: Axel Heimken/Archiv Foto: dpa
Flüchtlinge in der Türkei
Im türkischen Sanliurfa warten syrische Flüchtlinge auf die Möglichkeit der Weiterreise. Foto: Yasin Dikme/Archiv Foto: dpa
Integrationskurs
"Deutsch als Fremdsprache": Zuwanderer nehmen an einem "Integrationskurs Deutsch" teil. Foto: Jens Kalaene/Archiv Foto: dpa
Melilla
Afrikanische Flüchtlinge versuchen über den Grenzzaun in die spanische Exklave Melilla zu gelangen. Foto: Francisco G. Guerrero/Archiv Foto: dpa
Flüchtlinge
Flüchtlinge beziehen eine Unterkunft in Brandenburg. Foto: Oliver Mehlis/Archiv Foto: dpa
Asylbewerberheim Stralsund
Eine Flüchtlingsunterkunft in Stralsund. Foto: Stefan Sauer/Archiv Foto: dpa
Doppelte Staatsangehörigkeit
Migrantenkinder müssen sich nicht länger für eine Staatsangehörigkeit entscheiden. Foto: Britta Pedersen Foto: dpa

Nürnberg/Frankfurt (dpa) - Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland wird im kommenden Jahr nach einer Prognose des Bundesamtes für Migration weiter steigen.


«Wir rechnen bisher im nächsten Jahr mit 200 000 Erstanträgen und 30 000 Folgeanträgen», sagte der Präsident des Bundesamtes, Manfred Schmidt, der Deutschen Presse-Agentur in Nürnberg. Für 2014 hatte das Amt etwa 200 000 Flüchtlinge vorausgesagt.

Anzeige

Die Behörde erwartet aber, dass die Aufnahme künftig reibungsloser verläuft. Nachdem es in diesem Jahr vielerorts zu chaotischen Zuständen in den Erstaufnahmestellen gekommen war und viele Behörden völlig überlastet waren, setzt Schmidt darauf, dass 2015 eine Reihe von Maßnahmen greifen. So sollen bundesweit in den nächsten Monaten zwölf neue Erstaufnahmeeinrichtungen geschaffen werden.

Außerdem sollen sich zusätzliche Mitarbeiter beim Bundesamt um die Asylanträge kümmern. Bis zum Jahresende sollten 300 neue Angestellte die Arbeit aufnehmen. Im Laufe des nächsten Jahres kommen weitere 350 hinzu. «Sie werden im Sommer so weit sein, dass sie alleine Anhörungen durchführen können», sagte Schmidt.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hat erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit dieser Schritte. Damit werde die Lage zwar kurzfristig verbessert und die Dauer der Asylverfahren verkürzt. «Wir brauchen aber ein Integrationskonzept und nicht ein Konzept, wie wir Obdachlosigkeit vermeiden», sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt der Deutschen Presse-Agentur. Außerdem gelte: «Ein schnelles Verfahren ist nicht immer auch ein gründliches Verfahren.»

Auch die Kommunen blicken mit Sorge auf die Entwicklung. «Es wird großer Anstrengungen bedürfen, die Menschen, die wahrscheinlich länger als wir denken bei uns bleiben werden, unterzubringen, zu versorgen und zu integrieren», sagte die Vizepräsidentin des Deutschen Städtetages, die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU), der Deutschen Presse-Agentur. Sie bekräftigte die Forderung nach mehr Geld von Bund und Ländern.

Die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, forderte, Asylsuchenden schneller eine Arbeitserlaubnis zu gewähren, sobald sie ausreichend Deutsch sprechen. Bislang sei es mit dem Arbeitsverbot leicht, den Flüchtlingen den Vorwurf zu machen, sie lägen den Deutschen auf der Tasche. «Das sind Probleme, die wir selbst produzieren», sagte sie auch mit Blick auf die «Pegida»-Proteste gegen eine vermeintliche Islamisierung Deutschlands.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hofft, dass sich mit den zusätzlichen Mitarbeitern die Dauer der Asylverfahren deutlich reduzieren lässt. Die Bundesregierung hatte das Ziel ausgegeben, die durchschnittliche Verfahrensdauer von jetzt etwa sieben Monaten auf drei zu verkürzen. «Wenn die Entwicklungen so eintreffen, wie wir hoffen, werden wir Mitte des Jahres bei unter sieben Monaten sein», sagte Schmidt. Derzeit liegen bei der Behörde jedoch noch 163 000 offene Verfahren. 15 000 davon sind älter als zwei Jahre.