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Bundesliga-Trainer wollen mehr Respekt

Frankfurt/Main (dpa) - Felix Magath lächelte immer noch nonchalant in alle Kameras. Bruno Labbadia brachte so viel Beherrschung nicht mehr auf. Der Trainer des VfB Stuttgart rastete angesichts der Kritik, die auf ihn einprasselt, bei der Pressekonferenz nach dem 2:2 gegen Bayer Leverkusen aus.

Angefressen
Bruno Labbadia und Felix Magath (l) fühlen sich zu hart angegangen. Foto: Kay Nietfeld Foto: dpa

«Die Trainer sind nicht die Mülleimer für andere Menschen», wütete Labbadia. Der einstige Stuttgarter Coach und heutige Wolfsburg-Trainer Magath zeigte sich aus der Ferne solidarisch mit seinem Kollegen. «Es hat sich in diesem Geschäft eingebürgert, wenn was schief läuft, dann geben wir dem Trainer die Schuld», sagte der 59-Jährige. Die Verantwortlichen auf der Trainerbank wollen aber nicht länger die Prügelknaben sein und wehren sich - wie schon Joachim Löw.

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Noch wurde kein Bundesliga-Trainer in dieser Saison entlassen. Hat diese Quote bis Samstag bestand, stellt die Liga einen Rekord fürs neue Jahrtausend auf. Seit 2000 wurde bis zum 13. Oktober immer mindestens ein Coach geschasst. 2010 erwischte es an diesem Datum Christian Gross - in Stuttgart übrigens. Magath und Labbadia gelten nach den Fehlstarts ihrer Clubs als erste Entlassungskandidaten. Wortlos werden beide die Lage nicht hinnehmen. «Es wird wirklich respektlos mit den Trainern umgegangen», klagte Magath im NDR. Den offensiven Ton der Übungsleiter hatte Bundestrainer Joachim Löw mit seiner Generalreplik auf die EM-Schelte im August gegeben. Geschluckt wird von den Coaches nicht mehr alles.

«Bruno raus!», brüllten einige VfB-Fans, nachdem die Schwaben in dieser Saison einfach nicht auf die Beine kommen. «Es kann nicht sein, dass hier der Trainer immer wie ein Depp hingestellt wird», schimpfte Labbadia später mit hochrotem Kopf. Es wundere ihn nicht, «dass es hier alle paar Monate einen neuen Trainer gibt». Sportdirektor Fredi Bobic hatte schon zuvor angesichts kritischer Medienberichte über «Rufmord» geklagt. Klar, dass er jetzt Verständnis für die heftige Reaktion seines leitenden Angestellten hat: «Das ist das gute Recht des Trainers, das zu äußern. Ein Mensch habe auch mal das Recht, aufbrausend zu sein.»

Gar eine Morddrohung hatte es vor einem Jahr beim Regionalligisten Hessen Kassel gegeben - gegen Christian Hock. «Jetzt ist es so weit gekommen, dass Spieler Schläge angedroht kriegen und zum Höhepunkt der Trainer Morddrohungen bekommt», reagierte damals der Coach tief betroffen.

Magath und Labbadia wollen keine Sündenböcke sein und nicht die Schuld tragen - wer aber sonst? Die Spieler, die nicht besser können oder wollen, natürlich auch. Die Clubbosse, die zu wenig Geld rausrücken, vielleicht. Aber die längst hoch bezahlten Trainer stellen die Mannschaft zusammen und auf, vor allem wenn sie eine Machtfülle wie Magath in Wolfsburg haben. Dennoch empfinden sie es schnell als Majestätsbeleidigung, wenn in ihrem Sport, der von der Öffentlichkeit lebt, öffentliche Kritik aufkommt.

Magaths VW-Club befindet sich wieder einmal im Sturzflug. Der Trainer reagierte schon vor einer Woche auf die Frage eines TV-Reporters, ob er sich Sorgen um seinen Job mache, angefressen: Er fand sie «nicht angebracht», da sie eine Diskussion einleiten könnte.

Kaum einer musste sich soviel Debatten anhören wie Löw nach dem EM-Aus. Auch der Bundestrainer wollte sich nichts gefallen lassen und hielt vor dem Länderspiel gegen Argentinien eine lautstarke 25-minütige Brandrede. «Teile dieser Kritik halte ich für nicht zielführend und ermüden mich», sagte Löw damals mit scharfem Unterton.

Dem Auswahlcoach zur Seite sprang jetzt ausgerechnet einer, der sonst immer wieder scharf gegen den Deutschen Fußball-Bund schießt: Uli Hoeneß. «Die überzogene Kritik an Löw und seiner Aufstellung macht mich wahnsinnig», sagte der Präsident des FC Bayern München in einem Interview des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». «Nach dem gewonnenen Viertelfinalspiel gegen Griechenland war er für alle Gott - vor allem weil er in der Mannschaft so viel verändert hatte. Und nach dem verlorenen Spiel gegen Italien galt er als Versager, und zwar auch, weil er so viel gewechselt hat.»

Dass ein Trainer auch Kritik aus den eigenen Reihen nicht grußlos wegstecken muss, hat Jupp Heynckes beim Bayern-Club gezeigt. Der Chefcoach fand die verbalen Watschen («nicht hellwach, nicht gallig, lätschern») von Sportdirektor Matthias Sammer an die Mannschaft «überzogen» und machte das auch ziemlich deutlich publik. Auch so lässt ein gestandener Bundesliga-Trainer nicht mit sich umgehen.