BVB bekämpft vor Real-Duell den Götze-Frust

Dortmund (dpa) - Vor dem Festtag herrschte Trauerstimmung. Der Frust über den Verlust von Mario Götze und der Ärger über den Münchner Transfer-Coup zur Unzeit überlagerten die Vorfreude auf das laut Verein «spektakulärste Heimspiel in der Geschichte von Borussia Dortmund».

BVB-Kämpfer
Die Dortmunder Marco Reus (l) und Mario Götze werden gegen Real Madrid alles geben. Foto: Marius Becker Foto: dpa

Die Nachricht vom Wechsel des Fußball-Juwels zum FC Bayern störte die bis dahin unbeschwerte Vorbereitung und machte das Halbfinale der Champions League am Mittwoch gegen Real Madrid fast zur Nebensache. «Der BVB lässt sich jetzt erst recht nicht vom großen Traum ablenken, ins Endspiel im Londoner Wembley-Stadion einzuziehen», kommentierte der Club trotzig.

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Ungeachtet der Störgeräusche bemühten sich alle Beteiligten verzweifelt um Normalität. Gemeinsam mit Trainer Jürgen Klopp bat Sportdirektor Michael Zorc alle Fans, «Mario Götze in den letzten Spielen der Saison, vor allem aber im wichtigen Champions- League-Halbfinale gegen Real Madrid, genauso bedingungslos zu unterstützen wie jeden anderen Dortmunder Profi».

Doch der Blick auf die rein sportlichen Aspekte der Partie fiel schwer. «Wir haben viel zu gewinnen, aber nichts zu verlieren», befand Hans-Joachim Watzke vor dem Duell mit dem spanischen Rekordmeister. Ähnlich wie der Geschäftsführer hofft auch Klopp, dass seine Profis die unliebsamen Diskussionen über den Wechsel von Götze ausblenden können: «Das wird ein Kampf auf ganz hohem Niveau - mit viel taktischer Disziplin, aber auch ganz viel Spaß. Und diesen Spaß werden wir versuchen zu leben.»

Anders als beim Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Malaga (3:2), das wegen der beiden Tore in der Nachspielzeit als «Wunder von Dortmund» in die Vereinshistorie einging, gilt die Borussia diesmal nicht als Favorit und verspürt deshalb weniger Druck. Ermutigt durch die positiven Bilanz in den beiden Gruppenspielen (2:1; 2:2) gegen die vermeintliche Übermacht Real strebt das größte Überraschungsteam des diesjährigen Wettbewerbs eine gute Ausgangsposition für das zweite Duell am kommenden Dienstag in Madrid an. «Nach so einem Spiel wie gegen Malaga ist uns alles zuzutrauen. Wir wollen unbedingt den Titel holen», tönte der einstige Real-Profi Nuri Sahin.

Das Selbstvertrauen kommt nicht von ungefähr. Schließlich ist die Borussia als einzige Mannschaft im laufenden Wettbewerb noch ungeschlagen. Zudem gelang in den bisherigen Heimspielen gegen Ajax Amsterdam (1:0), Real Madrid (2:1), Manchester City (1:0), Schachtjor Donezk (3:0) und Malaga (3:2) stets ein Sieg. Das bestärkt Mats Hummels in seinem Glauben an eine Fortsetzung der bisher märchenhaften Reise durch Europa. «Ich hätte ein deutsches Finale lieber», sagte er in der «Sport Bild» in Anspielung auf das zweite Halbfinale zwischen dem FC Bayern und dem FC Barcelona, «vor allem auch, um der ganzen Welt zu zeigen, wie stark die Bundesliga ist.»

Neben Götze wird Nuri Sahin bei dem mit 65 829 Fans ausverkauften Spektakel im Rampenlicht stehen. Der einstige Real-Profi, der in der Winterpause über die Zwischenstation Liverpool als Leihspieler zum BVB zurückgekehrt war, gehörte vor dem Anpfiff zu den begehrtesten Interviewpartnern. Viel wird nach seiner Einschätzung davon abhängen, ob der bisher besten Torschütze des Wettbewerbs, Cristiano Ronaldo, ausgeschaltet werden kann. «Es gibt nur wenige auf der Welt, die es mit ihm aufnehmen können. Gott sei Dank ist Lukasz Piszczek einer von ihnen», sagte Sahin, gab aber zu bedenken: «Allein kann er ihn nicht stoppen, wir müssen als Team arbeiten.»

Schon nach dem berauschenden Last-Minute-Erfolg über Malaga hatten die Borussen das Finale im Wembley ins Visier genommen. Mit Blick auf ein Bild im BVB-Kabinentrakt, das den einstigen Dortmunder Mannschaftskapitän Michael Zorc als Champions-League-Sieger von 1997 zeigt, hatte Matchwinner Felipe Santana in erster Euphorie kommentiert: «Vielleicht müssen wir das Foto von Michael Zorc bald durch eines von Mario Götze ersetzen.» Auf diese Idee dürfte in Dortmund selbst im Falle einer neuerlichen europäischen Krönungsfeier niemand mehr kommen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Gündogan - Blaszczykowski, Götze, Reus - Lewandowski

Real Madrid: López - Ramos, Varane, Pepe, Coentrão - Khedira, Xabi Alonso - Di María, Özil, Ronaldo - Higuaín

Schiedsrichter: Björn Kuipers (Niederlande)