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BVB-Coach Favre hakt Meisterschaft ab - Bosse widersprechen

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Frust
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Dortmunds Trainer Lucien Favre war nach der Niederlage gegen Schalke restlos bedient. Foto: Bernd Thissen Foto: dpa
Hans-Joachim Watzke
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Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gibt die Meisterschaft erst auf, wenn es rechnerisch nicht mehr möglich ist. Foto: Bernd Thissen Foto: dpa
Revierderby in Dortmund
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Borussia Dortmunds Jadon Sancho liegt nach dem Schlusspfiff auf dem Rasen. Foto: Bernd Thissen Foto: dpa

Sechs Tore, zwei Platzverweise und reichlich Emotionen - das Revierderby zwischen dem BVB und Schalke war erneut ein Aufreger. Für die Dortmunder wird es für lange Zeit in schmerzlicher Erinnerung bleiben. Trainer Lucien Favre machte aus seinem Ärger keinen Hehl.


Dortmund (dpa) - Dem Derby-Desaster folgte die Kapitulation. In erster Enttäuschung über das demütigende 2:4 (1:2) gegen den Erzrivalen FC Schalke redete der ansonsten als zurückhaltend bekannte Lucien Favre Klartext.

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»Der Titel ist verspielt«, bekannte der Dortmunder Trainer und erklärte den FC Bayern im Fernduell um die Meisterschaft vorzeitig zum Sieger.

Die denkwürdige Partie mit vier königsblauen Wirkungstreffern, einer diskussionswürdigen Elfmeterentscheidung und zwei Roten Karten wertete der Schweizer als einen Tiefpunkt seiner bisherigen Trainerkarriere: »Das habe ich noch nie erlebt. Vor allem die Art und Weise, wie es passiert ist. Das ist sehr schwer zu verdauen.«

Doch dieses Signal des Schweizers, bereits vor dem drittletzten Spieltag die weiße Fahne zu hissen, kam bei den BVB-Bossen gar nicht gut an. Bereits am nächsten Tag legten sie vehement Einspruch ein. »Wir geben erst dann auf, wenn es rechnerisch nicht mehr möglich ist. Das ist unsere Verpflichtung den Fans gegenüber«, sagte Watzke dem »Kicker«. Auch Michael Zorc fand Favres Aussage eher unglücklich. »Natürlich sind die Bayern jetzt in der Pole Position, aber wir schenken keinesfalls etwas ab. Das wäre das falsche Signal«, befand der Sportdirektor in den »Ruhr Nachrichten«.

Doch unerwartete Rückschlag gegen den zuletzt verunsicherten Viertletzten aus Gelsenkirchen traf nicht nur den Fußball-Lehrer bis ins Mark. Dass ausgerechnet im prestigeträchtigen Kräftemessen mit den ungeliebten Schalkern die Titelträume einen gewaltigen Dämpfer erhielten, wird die Borussen noch lange verfolgen. »Derby-Niederlagen sind immer sehr bitter - heute noch ein bisschen mehr. Das tut sehr, sehr weh«, bekannte Lizenzspielerchef Sebastian Kehl.

Nicht nur die Gegentore von Daniel Caligiuri (18./Handelfmeter/62.), Salif Sané (28.) und Breel Embolo (86.), sondern auch die beiden Platzverweise für Marco Reus (60.) und Marius Wolf (65.) schlugen den Dortmundern mächtig aufs Gemüt. Als beim Stand von 1:2 eigentlich ein kühler Kopf gefragt war, verloren der Nationalspieler und der Außenverteidiger die Nerven. Ihre Fouls jeweils an Suat Serdar binnen fünf Minuten besiegelten die erste Heimniederlage der Saison.

Erstmals in der Ligageschichte sahen zwei Dortmunder in einer Partie glatt Rot. »Mit elf Mann hätten wir dieses Spiel gewonnen. Oder zumindest unentschieden gespielt«, kommentierte Torhüter Roman Bürki.

Zudem werden Reus und Wolf ihrer Mannschaft mindestens beim schweren Spiel am Samstag in Bremen und wohl auch noch weitere Partien fehlen. Kapitän Reus gab sich reumütig: »In erster Linie brauchen wir nicht darüber reden, dass es eine Rote Karte war. Ich komme einen Schritt zu spät.«

Über die Platzverweise für seine Spieler verlor Favre nur wenige Worte. Dagegen reagierte er regelrecht erbost auf die Frage nach der Regelauslegung bei Handspiel. Weil Schiedsrichter Felix Zwayer nach einem unabsichtlichen Handspiel von Abwehrspieler Julian Weigl mit Hilfe des Videobeweises auf Elfmeter entschieden und damit den bis dahin nach einem Tor von Mario Götze (14.) führenden BVB aus dem Konzept gebracht hatte, holte der Trainer zum Rundumschlag aus: »Das ist der größte Skandal im Fußball seit Jahren, eine Schande. Der Fußball macht sich lächerlich.«

Mit diesen deutlichen Worten dürfte sich die Dauer-Diskussion über die Handspielregel weiter verschärfen. »Die Leute, die diese Regel erfunden haben, können nicht mehr in den Spiegel sehen. Sie haben keine Ahnung von Fußball. Du musst nur auf den Arm schießen und es ist ein Elfmeter. Du brauchst deine Arme für das Gleichgewicht«, klagte der Coach.

Zwayer setzte sich gegen die Vorwürfe umgehend zur Wehr: »Die Aufnahmen haben eindeutig gezeigt, dass es nach aktueller internationaler und nationaler Auslegung ein strafbares Handspiel war.« Einen wertenden Beitrag zum Sinn dieser Regel vermied der Berliner Unparteiische jedoch: »Das ist keine Frage, die mir zu stellen ist. Wenn Fußball-Experten mit dieser Regel nicht einverstanden sind, ist es deren Recht. Wir Schiedsrichter sind dann aber die ärmsten Schweine. Wir setzen das Regelwerk um.«

Dagegen feierten die Schalker das unerwartete Erfolgserlebnis wie eine Meisterschaft. Die Spieler posierten vor den jubelnden Fans für ein Mannschaftsfoto, der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies küsste Trainer Huub Stevens auf die Stirn. Auch wenn die Freude durch den 1:0-Erfolg des Tabellen-16. aus Stuttgart wenige Stunden später gegen Mönchengladbach etwas getrübt wurde, stimmten die Profis nach der Rückkehr in Gelsenkirchen in einer Kneipe in die Gesänge der Fans ein. »Bis Montag werden wir diesen Sieg genießen«, sagte Embolo.

Für Interimscoach Stevens war der Sieg eine besondere Genugtuung. Denn damit ist die ohnehin große Wertschätzung für den »Jahrhundert-Trainer« auf Schalke noch weiter gestiegen. Auch wenn der Sechs-Punkte-Abstand zum Relegationsplatz unverändert blieb, geht der Niederländer mit neuem Mut in die letzten drei Saisonspiele: »Wenn man in Dortmund mit 4:2 gewinnt, kann man als Schalke zufrieden sein.« Ähnlich sah es Mittelfeldspieler Benjamin Stambouli: »Mit diesem Spiel sind viele Dinge vergessen.«

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