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Camerata Salzburg auf Serenadenwegen

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Großen Applaus gab es für Mathias Goerne und die Camerata Salzburg. (Foto: Aumiller)

Für die Liederserenade des vierten Saisonkonzerts der Camerata im Mozarteum-Saal in Salzburg hatte der renommierte Bariton Matthias Goerne sechs Lieder von Franz Schubert zu einem Minizyklus empfindsamer Gefühlslagen eines Wanderers durch die Natur zusammengestellt.


Die Gesänge schilderten die romantische Gefühlswelt sehnsüchtiger, enttäuschter oder visionärer Liebesempfindungen. Das Besondere daran: Der Sänger wurde von einer orchestrierten Fassung für Bläserquintett und Streicher begleitet. Schubert hat seine zahlreichen Lieder ausschließlich für Singstimme mit Klavierbegleitung komponiert. Die Form des Orchesterlieds fand bei späteren Komponisten wie etwa Gustav Mahler, Richard Strauss oder Alban Berg vielfache Anwendung.

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Goerne, weltweit als Opern- und Liedersänger geschätzt, beauftragte den Pianisten und versierten Liedbegleiter Alexander Schmalcz, den Klavierpart einiger Schubert-Lieder zu orchestrieren. Die gesungene Poesie erfuhr damit eine erweiterte instrumentale Klangdimension, die aber die vokale Prägnanz und Vorherrschaft etwas minderte und auch dem intimen Charakter der Lieder eine flächigere Prägung gab.

In »Des Fischers Liebesglück« besang die Stimme in sanfter Tongebung des Wanderers schaukelnde nächtliche Bootsfahrt mit dem Feinsliebchen durch blassen Nachtnebel. Das Betrachten des Sternengefunkels führt schließlich zur Vision des irdischen Abgehobenseins. Im »Heimweh« formuliert der »Gebirgssohn« die »unwiderstehliche Sehnsucht« nach heimatlichen Gefilden. In der Goethe-Vertonung »Ganymed« hingegen strebt der Held hinauf zum »allliebenden Vater« und der einsam am Himmel blinkende »Abendstern« sendet »süßes eigensinnig Licht«, während in der »Pilgerweise« der »Waller auf der Erde« still von Haus zu Haus geht.

Die abschließende Serenade »Alinde« wird zur Suche nach dem schmerzlich vermissten Liebchen. Der Bariton passte seine stimmliche Emission dem jeweiligen Stimmungsgehalt an, mal in weicher Zartheit, dann wieder klangintensiv auftrumpfend. Die orchestrale Version der sensibel und stimmig begleitenden Camerata-Musiker ebenso wie die stimmliche Präsenz überzeugten am meisten mit »Ganymed« und »Alinde«. Für besondere Klangpoesie sorgten ausdrucksstarke lyrische Linien der markanten Soli von Klarinette, Flöte oder Oboe. Fagott und Horn mischten zusätzliche Farben unter die Streicher.

Nach der Pause gehörte die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer der Streicherserenade C-Dur op. 48 von Pjotr I. Tschaikowski. Mit dem Charakter einer lichten klassischen Serenade gab Tschaikowski seiner großen Mozart-Verehrung Ausdruck. »Sie glauben gar nicht, liebe Freundin, welche unvergleichliche Freude ich empfinde, wenn ich mich in Mozarts Musik vertiefe. Wissen Sie, dass ich mich jünger und munterer, beinah als Jüngling fühle, wenn ich seine Musik spiele«, schrieb Tschaikowski an seine Gönnerin Nadeshda von Meck. Die Serenade zeigte sich als ein Paradestück der Camerata-Streicher unter der Leitung ihres Konzertmeisters Gregory Ahss. Klangfüllig begann das Streichorchester die langsame Einleitung, die sich dann als Hauptthema zu munterer tänzerischer Rhythmik entwickelte. Schwebend-schwungvolle Walzerbewegung war in Folge voll frohgemuter Frische und Eleganz. Die Elegie des langsamen Satzes berührte in der zarten Melancholie feiner kantabler Linien, vom flirrenden Zupfen der Violinen begleitet und von den tieferen Streichern weitergeführt. Ein »Tema Russo«, das russische Volksmelodik typisierte, charakterisierte den Finalsatz, der im zügig dahineilenden Allegro effekt- und temperamentvoll ausklang. Elisabeth Aumiller