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Salzburger Pfingstfestspiele beginnen am Freitag mit Cecilia Bartoli als »Ariodante«

Cecilia Wurst oder Conchita Bartoli?

Cecilia Bartoli schlüpft bei den Salzburger Pfingstfestspielen in die Rolle des »Ariodante«. (Foto: Pfingstfestspiele/Rittershaus)

Gewiss haben die Salzburger Pfingstfestspiele frühzeitig alle Rechte mit Tom Neuwirth abgeklärt – aber vielleicht ist es ja gar nicht so, dass Cecilia Bartoli demnächst in Salzburg als Conchita Wurst auf der Bühne steht, auch wenn einen das Probenbild genau auf diese Idee bringen könnte.


Aber spätestens, wenn diese Conchita-Doppelgängerin zu singen beginnt, sollte keine Verwechslungsgefahr mehr gegeben sein. In Wirklichkeit singt Bartoli nämlich bei den am Freitag beginnenden Pfingstfestspielen Salzburg den Ariodante. Es ist angeblich das erste Mal, dass sie eine Hosenrolle übernimmt. Cecilia Bartoli ist eine, die in ihren Rollen voll aufgeht – der Bart wird trotzdem ein aufgeklebter sein.

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»Ariodante ist ein Krieger. Er ist ein mutiger Vasall, gesellschaftlich anerkannt, ein vernunftbegabter Mann«, erklärt Cecilia Bartoli zu Händels Oper. »Als er denkt, dass ihn seine Geliebte Ginevera, die Tochter des schottischen Königs, betrogen hat, wird er verletzlich. Es ist eine Geschichte tiefer und ehrlicher Liebe – ein universelles, gültiges Thema. Es geht um die Verletzbarkeit und Empfindsamkeit von Menschen.« Es sei also eine Geschichte voller Gegensätze: »Intrige und Glück wechseln ein-ander ab. Übergroße Freude wandelt sich in grenzenlosen Kummer. Ein Spiel von Liebe und Macht. Am Schluss triumphieren die Wahrheit und die Liebe«, so die Künstlerische Leiterin der Pfingstfestspiele. Inszeniert wird Händels Oper von Christof Loy, über den Bartoli sagt, er sei »ein Magier, der die Seelenräume der Charaktere auf die Bühne zu übersetzen und mit seiner sanften und niemals plakativen Art zu fesseln« wisse.

Gianluca Capuano dirigiert das von Cecilia Bartoli neu gegründete Orchester »Les Musiciens du Prince – Monaco«. »Während meines St.-Petersburg-Projekts inspirierte mich die Musiktradition der europäischen Höfe im 17. und 18. Jahrhundert, als jeder europäische Hof, jeder Fürst und Zar (oder Zarin) ihre eigenen Kapellen und Orchester engagierten und unterhielten«, erklärt sie. »Ich dachte, es könnte eine wunderbare Idee sein, ein solches Orchester neu zu erschaffen. Eines Tages diskutierten wir neue Projekte mit der Oper von Monte-Carlo, und da klickte es: Warum nicht ein neues Orchester mit Originalklang-Instrumenten unter der Schirmherrschaft des Fürsten von Monaco kreieren?«

Man machte die Idee dem Fürsten Albert II. schmackhaft. »Er und Prinzessin Caroline von Hannover waren sofort bereit, das Projekt zu unterstützen«, erzählt Cecilia Bartoli. »Wir brachten die besten Musiker aus aller Welt zusammen, die ich im Lauf meiner Karriere kennengelernt habe, und erschufen so 'Les Musiciens du Prince – Monaco' – ein Ensemble hervorragender und begeisterter Musiker, jeder Einzelne von ihnen professionell hoch anerkannt und spezialisiert. Und nun feiern wir das Debüt des Orchesters bei den Salzburger Pfingstfestspielen.« Reinhard Kriechbaum