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Chef Schweinsteiger zurück am Regiepult - »schmerzfrei«

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Bastian Schweinsteiger freut sich über sein Tor zum 6:1. Foto: Marc Müller Foto: dpa

München (dpa) - Beim Bundesliga-Einstand von 40-Millionen-Euro-Import Martínez gab es zugleich ein großes Bayern-Comeback: Schweinsteiger meldete sich beim 6:1 (3:1) gegen Stuttgarts Fehlstarter beeindruckend zurück. Ein Kopfballtor und endlich schmerzfrei - »so macht Fußball Spaß«.


Beim Schlussjubel der torhungrigen Bayern in der Fankurve war auch Javier Martínez mittendrin statt nur dabei. Der 40-Millionen-Euro-Import feierte an seinem 24. Geburtstag bei der Fußballgala des Tabellenführers gegen die Fehlstarter des VfB Stuttgart ein »sehr emotionales« 14-Minuten-Debüt: »Ich bin wunschlos glücklich. Das ist alles sehr beeindruckend.«

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Beeindruckender als die ersten Gehversuche des teuersten Kickers in der 50-jährigen Bundesliga-Geschichte war aus Bayern-Sicht aber neben dem 19-Minuten-Torrausch, in dem Thomas Müller (32./49.), Toni Kroos (33.), Luiz Gustavo (43.), Mario Mandzukic (47.) und Bastian Schweinsteiger (51.) ein 0:1 in ein 6:1 verwandelten, das Comeback des Chefs: Vizekapitän Schweinsteiger kehrte ans Regiepult zurück.

Vorbei scheint die Leidenszeit des Nationalspielers, das Lächeln kehrte am Sonntagabend ins Gesicht des 28-Jährigen zurück. »Ich bin einen Tick glücklicher, weil ich beschwerdefrei bin. Es ist das erste Mal seit Februar, dass ich keine Schmerzen habe. Das beflügelt.«

Die Krönung seines 76-Minuten-Einsatzes war sein Tor, das ihm »Flankengott« Müller perfekt auf den Schädel serviert hatte. »Für mich war das ein sehr schönes Gefühl«, gestand Schweinsteiger. Seit seiner Fußverletzung Anfang des Jahres hatte er schmerzhafte Monate verlebt - auch mental: Dreimal Zweiter mit Bayern, eine verkorkste EM und als besonderes Drama der Elfmeter-Fehlschuss im Champions-League-Finale. »Es ist sehr gut gelaufen für mich heute. So macht Fußball Spaß«, bemerkte der Mittelfeldchef erleichtert.

Auch die Verantwortlichen sind froh. »Bastian hat sechs nicht einfache Monate hinter sich. Man spürt, dass er auch körperlich langsam wieder in die beste Verfassung kommt«, erklärte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Die Länderspiel-Auszeit soll Schweinsteiger intensiv nutzen, um bis zum Champions-League-Start in zwei Wochen noch vorhandene Defizite aufzuarbeiten. »Es ist sehr wichtig, dass er Tritt findet«, bemerkte Trainer Jupp Heynckes: »Der FC Bayern kann nur mit einem guten Bastian Schweinsteiger erfolgreich sein.«

Mit den Neueinkäufen für insgesamt fast 70 Millionen Euro haben die Bayern-Bosse ihrem Trainer zudem einen Baukasten an die Hand gegeben, der wieder Titel verspricht. »Wir haben in dieser Saison alle Möglichkeiten, das zu erreichen, was wir wollen«, erklärte Rummenigge. Die erste Duftmarke hat der Luxus-Kader sogar ohne Asse wie Mario Gomez oder Arjen Robben gesetzt - mehr aber auch nicht. »Wenn du beim Marathon die ersten zwei Kilometer vorne liegst, bist du noch lange nicht am Ziel«, mahnte Sportvorstand Matthias Sammer.

Der Königstransfer Martínez scheint jedoch stimulierend zu wirken, gerade für die defensiven Mittelfeldspieler. Neben Schweinsteiger trumpfte der direkte Martínez-Konkurrenz Luiz Gustavo auf. »Ich bin ruhig. Ich mache meine Arbeit«, sagte der Brasilianer und bemerkte zum nochmals gestiegenen Konkurrenzdruck äußerlich gelassen: »Ich bin anderthalb Jahre hier und hatte jeden Tag Druck.«

Auch für Martínez »fängt die richtige Arbeit jetzt an«, wie Heynckes betonte. »Dass er ein guter Fußballer ist, dass er defensiv arbeitet, hat man auch in den 14 Minuten gesehen«, meinte Kapitän Philipp Lahm. »Ich werde versuchen, das Maximale zu geben«, sagte Martínez. Gegen Stuttgart war ein »Martínez Maximale« nicht nötig. Gut begonnen hatten die Schwaben, führten dank Martin Harnik (23.) und sind dann »total eingebrochen«, wie der Torschütze haderte.

Trainer Bruno Labbadia vermisste bei der »bitteren Lehrstunde« Führungsspieler, »die Verantwortung übernehmen«. Stattdessen ließ sich der uneinsichtige Torjäger Vedad Ibisevic (»Es war keine Absicht«) noch zu einer Tätlichkeit hinreißen (74.). »Jetzt fehlt dir ein Spieler, den du brauchst«, stöhnte Sportdirektor Fredi Bobic, der nach dem »naiven« Auftritt feststellte: »Wenn man null Punkte hat, hat man wenig Argumente. Aber wir werden wieder aufstehen.«