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Chelseas Verpatzter Start in die Woche der Wahrheit

London (dpa) - Sogar den sonstigen Reservisten Marko Marin zauberte Chelsea-Trainer Rafael Benitez gegen den FC Southampton aus dem Hut - wohl weniger ein Kompliment für den Ex-Bremer als viel mehr ein Indiz dafür, dass Benitez mit einer besseren B-Elf in die Woche der Wahrheit startete.

Ratlos
Rafael Benitez (M) hat beim FC Chelsea einen schweren Stand. Foto: Andy Rain Foto: dpa

Nach dem peinlichen 1:2 in Southampton in der Premier League gab der Interimscoach trotzig-freimütig zu, das Wiederholungsspiel im FA-Cup-Viertelfinale am Ostermontag gegen Manchester United habe Priorität.

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Nicht nur nach Ansicht der «Sun on Sunday» verzockte der Spanier damit wichtige Punkte im Rennen um die Champions-League-Plätze.
«Beni der Stümper», schimpfte das Boulevardblatt. Die Blues liegen als Tabellenvierter nach dem 31. Spieltag nur noch zwei Punkte vor dem FC Arsenal, der mit Kurzzeitarbeiter Lukas Podolski seine Aufholjagd mit einem 4:1-Heimsieg gegen den FC Reading fortsetze.

Marin stand nach Mut machenden Minuten-Einsätzen zuletzt gar nicht mehr im Chelsea-Kader. Nun kam der 24-Jährige recht unverhofft zum zweiten Startelf-Auftritt in der Premier League. Den ersten hatte es bei der 0:1-Heimschmach gegen den Tabellen-Vorletzten Queens Park Rangers gegeben.

Die «Sunday Times» unkte, dass ein Verpassen der Champions League einen Strich durch die mögliche Mourinho-Rückkehr im Sommer machen könnte. Ein angeblicher Vorvertrag José Mourinhos mit Club-Besitzer Roman Abramowitsch war in der Vorwoche durch Englands Gazetten gegeistert. Portugals bei Real Madrid tätiger Star-Trainer hatte die Spekulationen mit einer Charme-Offensive Richtung Premier League befeuert: «Eines Tages muss ich zurück im englischen Fußball sein.» Chelsea sei «natürlich in meinem Herzen». Und: «Ich liebe London.»

Unter Benitez ist der Champions-League-Sieger des Vorjahres eine Wundertüte: Die Vorstellung bei den Saints war sinnbildlich für die Unberechenbarkeit dieses Chelsea-Teams: von einem Spiel zum nächsten, von einer Halbzeit zur nächsten. Der «Observer» sprach von einer «konfusen Chaos-Saison» und fand Benitez «aberwitzig optimistisch»: Der 52-Jährige zeigte sich stammelnd «immer noch zuversichtlich, dass wir die Top-Vier erreichen und ein oder zwei Trophäen gewinnen».

Am Montag könnte die nächste Titel-Chance schon futsch sein: falls der Titelverteidiger im FA-Cup gegen den angehenden Meister Manchester United an der Stamford Bridge ausscheidet. Uniteds Trainerfuchs Alex Ferguson schien die Chelsea-Partie nach dem 1:0 beim AFC Sunderland und dem damit behaupteten 15-Punkte-Polster auf Manchester City gar nicht auf der Rechnung zu haben: «Das Wichtigste ist, dass wir uns nun auf das nächste Spiel konzentrieren - und das ist zu Hause gegen Manchester City», meinte Sir Alex. Eines seiner Psychospielchen? Ignoranz für das taumelnde Chelsea?

Die zweite verbliebene Titel-Hoffnung hegen die Chelsea-Profis in der Europa League: Im kleinen Europapokal soll am Donnerstag daheim im Viertelfinal-Hinspiel gegen Rubin Kasan der Grundstein fürs Weiterkommen gelegt werden. Dass Ex-Nationalspieler Marin in diesen wichtigen Partien mehr als die Zuschauerrolle bleibt, ist fraglich.