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Begeisterten beim »Chiemgau Alm Festival« in der Streichenkirche (von links): Heinrich Albrecht und das Ensemble »Clarinetti Noricum« mit Stefanie Menter, Marlene Noichl, Anita Unterthiner und Albert Osterhammer. (Foto.: Wunderlich)

»Chiemgau Alm Festival« in der Streichenkirche auf 800 Metern Höhe – Von Tango bis zum »Boarischen«

Schleching – Für die zweite Veranstaltung in der Reihe »Chiemgau Alm Festival« bot die auf über 800 Metern Höhe gelegene Streichenkirche die Bühne für das Klarinettenquartett »Clarinetti Noricum«.


Das Ensemble gründete sich 2017 aus der gemeinsamen Leidenschaft für Kammermusik. Bei dem Konzert in der Streichenkirche brachten die Musiker ihre musikalische Vielfalt eindrucksvoll zu Gehör. Das Thema des Abends lautete »variable Klangfarben«. Gemeint war damit eine Brücke zwischen Klassik und Volksmusik. Für die Volksmusik war Heinrich Albrecht mit der steirischen Harmonika zuständig. (Musiklehrer, Komponist und Sänger).

Das Konzert hing buchstäblich am seidenen Faden, erzählte Klarinettistin Marlene Noichl; denn am Tag zuvor musste sich Gabriele Oder (Bassklarinette) krank melden. Aber die drei Klarinettistinnen fanden zum Glück schnell eine Lösung mit Albert Osterhammer, ihrem ehemaligen Musiklehrer, der so kurzfristig einspringen konnte.

Schon bei den ersten Tönen der Ouvertüre »Le Nozze di Figaro« konnten sich die Zuhörer der vollbesetzten kleinen Kirche die Turbulenzen in dem Werk Mozarts vorstellen. Mit vollem Körpereinsatz spielten Anita Unterthiner, Marlene Noichl und Stefanie Menter ihre Klarinetten und Osterhammer vervollständigte mit seiner Bassklarinette. Das folgende »Quartett in F-Dur« von Carl Böhm war perfekt geeignet für die vier Instrumente. Ein Liebeslied, das gern bei Trauungen gespielt wurde, »Still wie die Nacht« (Carl Bohm) folgte. Davon inspiriert legte Albrecht mit einer Hochzeitsfanfare auf seiner Steirischen Harmonika nach. Diese hatte er für einen ehemaligen Schüler zu dessen Hochzeit komponiert.

Stefanie Menter erklärte zu dem folgenden Stück von Claude Debussy »Petit Suite«, das der Komponist beim Aufzugsmarsch als »schwungvoll« bezeichnet hatte – genauso kam es auch rüber.

Leicht melancholisch wurde es bei einem Stück des argentinischen Komponisten Astor Piazolla, der einen großen Teil seines musikalischen Lebens dem Tango widmete. Sein Anliegen war, diese Musikform in die Konzertsäle der ganzen Welt zu bringen, erklärte Marlene Noichl. In die Streichenkirche haben es die »Histoire du Tango« und das Stück »Café 1930« mit dem »Clarinetti Noricum« geschafft.

Nach dem Tango setzte Albrecht mit einem Jodler und einer Steierischen einen echten Kontrapunkt. Mit dem »Slawischen Tanz Nr. 2« des böhmischen Komponisten Antonin Dvorak wurde ein Volkstanz aus der Ukraine, der Dumka, gespielt.

Anita Unterthiner freute sich über das Stück des letzten gespielten Komponisten, Herbert Pixner, der wie sie aus Südtirol stammt. Begeistert wurde der »Blondinenwalzer« gebracht, der von Pixner eigentlich auf der Steirischen Harmonika bekannt wurde. Darauf meinte Heinrich Albrecht, dass er nun im Herzen Oberbayerns einen »Boarischn« draufsetzen müsse. Mit dem »Augenstern« spielten dann alle gemeinsam und die Brücke zwischen den Klangwelten war perfekt.

Besonders zu Herzen ging das letzte Stück »Der Russische« (Herbert Pixner), bei dem nochmal die ganze Virtuosität der Musiker zum Ausdruck kam. Der Applaus war lang anhaltend und die Künstler durften nicht ohne Zugabe gehen.

wun