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Chiemgauer Bergwacht übte den Ernstfall

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Übungsszenario war der Absturz eines Wanderers in das Bachbett des Wappach. (Foto: Bauregger)

Zu einer ganz besonderen Rettungsübung hatte die Bergwacht Region Chiemgau Pressevertreter nach Bayerisch Gmain eingeladen. Kurz oberhalb des Bergkurgartens, im Bachbett des Wappach, demonstrierte die Spezialeinheit zur Canyonrettung dort, wie eine verletzte Person im Ernstfall aus dem Bachbett gerettet und danach einem Notarztteam zur weiteren Versorgung übergeben wird. Die Canyon-Rettungsgruppe ist eine von mehreren Spezialeinheiten in der Bergwacht Region Chiemgau und setzt sich aus 22 Rettern aus Bergwachtbereitschaften zwischen Marquartstein und Marktschellenberg zusammen.


Übungsszenario war der Absturz eines Wanderers in das Bachbett des Wappach. Zur Vorbereitung der Übung hatte die Rettungsgruppe, allesamt mit Neoprenanzügen, Helm und Kletterausrüstung bestückt, oberhalb eines Felsabbruchs im Bachbett bereits einen Stütz-Dreifuß verankert, an dem mehrere Sicherungs- und Arbeitsseile verankert waren. Über die »Unfallstelle« und eine kleine Fußgängerbrücke war zudem eine Art Seilbahn aus Kunststoffseilen installiert. Nachdem der Leiter der Canyon-Rettungsgruppe, Christian Schieder, Mitglied der Bergwacht Bad Reichenhall, das Startzeichen gegeben hatte, seilten sich drei Retter zu dem verunglückten Mann im Gumpen unterhalb des Wasserfalls ab, packten ihn in eine Rettungsdecke und fixierten das »Opfer« auf einer speziellen Trage. Zusammen mit einem Retter wurde der Gerettete dann von Einsatzkräften am Dreifuß über den Abbruch nach oben gezogen. Um den Verletzten möglichst schonend zum Notarztteam befördern zu können, wurde der Weitertransport über die »Seilbahn« bis zu einem Wandersteig vorgenommen, wo der Verletzte von der Trage in einen Rettungssack umgelagert wurde. Danach übernahmen der Notarzt und ein Rettungssanitäter den Verletzten. Nach einer genauen Untersuchung und Analyse setzte der Notarzt eine Infusion. So notfallversorgt und im Rettungssack transportfähig gelagert und fixiert, wurde der Patient dann an die Kollegen der Bergwacht Rettungsmannschaft übergeben, die sich dann um den Weitertransport kümmerten. Wie der Notarzt sagte, wird im Ernstfall, je nach Geländegegebenheiten und der Schwere der Verletzungen situativ entschieden, ob dies mit dem Hubschrauber oder einem anderen Transportgerät der Bergwacht geschieht.

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Wie der Geschäftsführer der Region Chiemgau, David Pichler, sagte, erstreckt sich das Einsatzgebiet der Region von Schleching im Westen bis zur Landesgrenze nach Österreich im Osten und vom Voralpenland nördlich der A8 bis nach Berchtesgaden. Die Canyon-Rettungsgruppe ist eine Spezialeinheit, die sich aus Mitgliedern der 15 Bergwachtbereitschaften des Gebiets zusammensetzt. Im Bereich der Bergwacht Bayern gibt es noch weitere drei dieser Einheit.

Wie Leiter Christian Schieder informierte, besteht die Gruppe der Region Chiemgau derzeit aus 22 Mann. Sie ist die Einzige, die sehr eng mit der Wasserwacht zusammenarbeitet. Von April bis Oktober übt die Gruppe einmal im Monat. Im Winter legten Mitglieder zum Beispiel die Prüfung zum Rettungsschwimmer ab. Einmal im Jahr trainiert die Gruppe zudem in anspruchsvollen Bächen und Canyons etwa im Tessin, in Friaul oder am Gardasee. Da der Chiemgau und das Berchtesgadener Land keine Canyoning-Hochburgen sind, werden die Retter in erster Linie bei Abstürzen von Wanderern in Fließgewässer, wie etwa in die Weißbachschlucht, oder zu Vermisstensuchen gerufen. Im Durchschnitt müssen drei bis vier Einsätze im Jahr bewältigt werden. 2018 war es ein Einsatz, in diesem Jahr wurde die Canyonrettung bereits dreimal alarmiert, unter anderem zum tragischen Unfall zweier Touristen am Königsbachwasserfall am Königssee (wir berichteten).

Zur Gruppe gehören auch der auch bei der Rettungsübung eingesetzte Notarzt Christian Freund aus Marquartstein und der Rettungssanitäter Sebastian Schmitz aus Inzell, der gleichzeitig »Nichtärztlicher Ausbildungsleiter für Notfallmedizin« für die Region Chiemgau ist. Beide haben neben der normalen Bergwacht-Grundausbildung eine zusätzliche, spezielle Ausbildung für Canyonrettung absolviert.

Notarzt wie Rettungssanitäter gehören zudem zum »Lehrteam Notfallmedizin« der Bergwacht Chiemgau. Dieses Team aus erfahrenen Notärzten, Einsatzkräften, Rettungssanitätern und Fachkrankenpflegern führt die Grundausbildung mit den Anwärtern durch. Zudem sind die Spezialisten als Ausbilder in den Bereitschaften tätig, kümmern sich um die medizinische Ausrüstung in den Bergrettungswachen und übernehmen im Einsatzfall, wie simuliert bei der Rettungsübung auch, meist die führende Rolle in der Patientenversorgung. wb