Chiemgauer Medienwochen: Schwierige Identitätsfindung für Jugendliche in Corona-Zeiten

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Über die gerade in Corona-Zeiten schwierige Identitätsfindung bei Jugendlichen und Medienkonsum sprach der Influencer, Youtuber und Radiomoderator Alexander Prinz.

Nach der Corona-bedingten Vertagung im letzten Jahr feierte der online veranstaltete Eröffnungsabend der Chiemgauer Medienwochen mit über 500 Teilnehmern einen neuen Rekord. Zusammen mit 16 lokalen und überregionalen Kooperationspartnern präsentieren der Landkreis Traunstein und das Medien-Quartier Q3 in Traunstein drei Wochen lang ein hochwertiges Programm zur Bildung und Information rein im Online-Format. Bis zum 26. März bieten Workshops, Vorträge, Web-Gespräche, Online-Spiele und -Jugendtreffs die Möglichkeit zum Austausch über Werkzeuge und Programme, Spiele und Unterhaltung sowie Chancen und Problemfelder der neuen, digitalen Welt und ihrer Medien.


Zur Einführung verwies Landrat Siegfried Walch auf den hohen Stellenwert der Bildung im Landkreis Traunstein. Gerade in Corona-Zeiten zeige sich die Bedeutung des aufgeklärten Umgangs mit den neuen, digitalen Medien. Moderatorin Sabina Schneider und Geschäftsführer Danilo Dietsch vom Q3 führten unterhaltsam in das Programm ein. Zusammen mit Kreisjugendpfleger Stefan Dufter verwiesen sie auf die »große Herausforderung, alle Veranstaltungen komplett digital umzusetzen«.

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Als Experte für Jugendkultur war Alexander Prinz aus Halle live zugeschaltet. In einem Impulsvortrag sprach der 26-jährige Radiomoderator, Youtuber und Unternehmer über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Identitätsbildung bei Jugendlichen. Der Heavy-Metal-Fan und Influencer hat selbst Lehramt studiert, bevor er sich als Musikjournalist mit eigenem Newsportal »Der Dunkle Parabelritter« selbstständig gemacht hat.

So deutlich wie die coronabedingten Schäden aktuell in Wirtschaft und Gesellschaft zutage träten, »so drastisch sind die Schäden für eine ganze Generation, die gerade ihre Identität formt«, schilderte Prinz die Situation. Angesichts der »größten Störung des Bildungssystems in der Geschichte« hole Deutschland gerade 15 Jahre verpasste Digitalisierung auf dem Rücken der Kinder und Jugendlichen nach.

Mit eindringlichen Worten an Lehrerkollegen berichtete der Influencer aus Chat-Gesprächen über die Selbsteinschätzung heutiger Jugendlicher. Corona und Homeschooling würden als Eindringen in die Privatsphäre und »wie ein nicht enden wollender Albtraum erlebt«. Gefühle der Einsamkeit, erhöhter Stress, Kopfschmerzen sowie Angst- und Panikattacken seien bei nicht wenigen festzustellen. Dies untermauere etwa eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg.

Prinz verwies auf die einerseits stark ausgeprägte Suche nach Individualität und zugleich nach Identität und Austausch. Dies gebe Online-Communitys mit eigenen Sprachcodes wie den Gamer-Plattformen Twitch oder Discord als gemeinschaftlich erlebte, kreative Freiräume große Bedeutung. Identitätsstiftend seien als Meinungsmacher für viele junge Leute auch Influencer mit großem Fananhang, deren »moralischer Kompass allerdings nicht immer durchschaubar ist«. Prinz sah hier einen großen »Weiterbildungsbedarf« bei Pädagogen, um Schülern Orientierung geben zu können.

In der Diskussion wurden das durch Corona verstärkte Bildungsgefälle, Notengerechtigkeit und Anforderungen an ein zukunftssicheres Bildungssystem sowie die Wechselwirkungen zwischen analoger und virtueller Wirklichkeit diskutiert.

Das Programm der Chiemgauer Medienwochen spricht eine breite Zielgruppe an, von Eltern und Kindern über Lehrkräfte und Beschäftigte im Kita-Bereich, bis hin zu haupt- und ehrenamtlichen Akteuren der Jugendarbeit. Die Themenpalette reicht von neuen Gesundheitstechnologien und 3-D-Druck, nützlichen Apps für den Unterricht, Orientierungshilfen für die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen sowie Suchtgefahren, Online-Präsentation, Medien und Jugendarbeit, Hass-Sprache und Sexismus im Deutschrap. Jeweils am Freitag um 19 Uhr ist ein Online-Jugendtreff mit Spieleabend. Weitere Auskünfte gibt es auf der Homepage der Chiemgauer Medienwochen. eff

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