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Chiemgauer Musikrebellen

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Grenzenloses Vergnügen mit grandioser Musik bereiteten Heinrich Albrecht (Diatonische Harmonika), Thomas Hartmann (Klavier) und Johann Schmuck (Bassposaune und Alphorn) im Chieminger Heimathaus. (Foto: Benekam)

Zu gegebenem Anlass stolzierte ein ganz besonderes »Hochzeitspaar« ins Chieminger Heimathaus. Johann Schmuck mit seiner Bassposaune und Heinrich Albrecht mit seiner Diatonischen Harmonika betraten im taktvollen Schritt die Bühne, während Thomas Hartmann auf dem Klavier den dazugehörigen Hochzeitsmarsch spielte. Großes Gelächter!


Mit diesem Auftritt ließen die drei »Wilden« keinen Zweifel an den sie auszeichnenden Attributen: Mit ihren bayrischen Wurzeln geografisch wie musikalisch grenzüberschreitend, integrieren sie die Musikgenres, mit erfreulicher Inklusion der dazugehörigen »Dialekte« unterschiedlicher Tonsprachen. All das geschieht mit einem unerschöpflichen Maß an Fantasie und kindlich-ungestümer Wildheit. Ungezügelt, frei und unverschämt musikalisch. Das Trio hat für sein Programm den absolut passenden Namen gefunden: »Wuid und dahoam«.

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Das ganze begann vor zwei Jahren als spannendes Experiment mit musikalischer Initialzündung im Traunreuter k1. Die überwältigende Resonanz war für die drei Chiemgauer Musiker beflügelnde Inspiration, in dieser doch recht ungewöhnlichen Instrumentierung (Diatonische Harmonika, Klavier, Bassposaune und Alphorn) »weiterzutun«. Das Repertoire wurde seither um etliche Schmankerl erweitert und man sei, wie Thomas Hartmann im Gespräch mit der Heimatzeitung verriet, immer noch »auf dem Weg«.

Mit »A frischer Wind und Ziaglgruam Landler« ging es, mit etwas mehr volksmusikalischer Bodenständigkeit und unbandiger Musizierfreude, rein ins Konzertvergnügen. Nach dem Motto »Geht nicht, gibt’s nicht« bewies das Trio in der Jazz-Nummer »Watermelon Man«, dass eine gelungene Verquickung von groovigem Jazz und alpenländischer Volksmusik nicht nur machbar ist, sondern man damit auch noch geniale Klangfarben malen kann. Für den »wuidn« volksmusikalischen Schliff sorgte Johann Schmuck, indem er nicht nur ein, sondern, im Wechsel gleich zwei Alphörner blies.

Im Anschluss begeisterte ein klangschönes Zwiegespräch zwischen Alphorn und Diatonischer Harmonika: Schmuck »rief« mit seinem Alphorn vom Außenbereich des Heimathauses und bekam die echohafte Antwort von Albrecht. Ein fast kitschiges Alpenidyll, ein alpenländisches Liebesgeflüster, in das sich später auch das Klavier mit zarten Akkorden einbrachte und für das sich die begeisterten Zuhörer mit kräftigem Applaus bedankten. Grenzenlos krachert war der gelungene Versuch, vier Stücke von Orffs Carmina Burana in abgespeckter Form aufs Wesentliche zu komprimieren, ohne dabei Orffs musikalischen Grundgedanken zu deformieren.

Die Größe der drei »wilden« Musiker zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass es ihnen gelingt, eigene Ideen geschmackvoll an ihren Instrumenten in bekannte Werke großer Komponisten hineinwachsen zu lassen. So treiben sie Mozarts »A la Turka« in wildem Tastengalopp an Harmonika und Klavier auf die Spitze oder drücken mit ihrer Interpretation von Astor Piazzollas »Libertango« mit der Bassposaune ihren unverkennbar »wuidn« Stempel auf.

Zum Aufhorchen und dahinschmelzen schön wurde das Programm mit einem Lied von Schubert bereichert: »Du bist die Ruhe«. Heinrich Albrecht ist also, wie sich bei seinem berührenden Gesang herausstellte, wie auch seine Kollegen, mit mehreren Talenten gesegnet. Gut, dass die Drei nicht nur dahoam wuid sind, sondern auch in aller Öffentlichkeit mit fantasievollem Wildwuchs und mit allen zur Verfügung stehenden musikalischen Möglichkeiten experimentieren.

Mit ihren ideenreichen Eigenkompositionen oder ihren umarrangierten Werken großer Komponisten wirken sie wie moderne Musikrebellen von höchster Virtuosität. Im Chieminger Heimathaus erklangen bei bester Laune etliche Zugaben. Von »Highway to Hell« (AC/DC) bis zur »Badinerie« von Bach rasten die »Wuidn« alle Tonleitern hoch und wieder runter, bis nach frenetischem Applaus ein erfüllender Musikabend zu Ende ging. Kirsten Benekam