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Chinas Außenhandel überraschend schwach

Peking (dpa) - Hat China mit seinem Außenhandel Probleme? Experten geben Entwarnung: Vergangene Zahlen seien durch Finanztricks aufgebläht. Nach den EU-Sanktionen gegen China fürchtet die deutsche Industrie weiter um ihre Exporte. Eine Million Arbeitsplätze hängen daran, warnt der BDI.

Markt in Peking
Eine Chinesin zahlt auf einem Markt in Peking ihren Einkauf. Foto: Adrian Bradshaw/Archiv Foto: dpa

Chinas Außenhandel trat im Mai fast auf der Stelle - doch die unerwartete Entwicklung lässt Experten kalt. Sie machen vor allem strengere Finanzkontrollen dafür verantwortlich, dass zweistellige Zuwachsraten erst einmal der Vergangenheit angehören. Im Jahresvergleich legte das Außenhandelsvolumen im Mai nur noch um 0,4 Prozent zu, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Verweis auf die Zollverwaltung am Samstag berichtete.

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Im April war der Handel im Jahresvergleich noch um 15,7 Prozent gewachsen. Aber diese Zahlen sollen Experten durch Finanztricks aufgebläht worden sein. Die Exporte stiegen im Mai im Vergleich zum Vorjahr den Angaben zufolge um 1 Prozent, die Importe gingen um 0,3 Prozent zurück.

Unterdessen hält die Besorgnis der deutschen Industrie über mögliche Retourkutschen Chinas an, nachdem die EU-Kommission, vorläufige Strafzölle gegen chinesische Solarmodule verhängt hate. «An unseren Exporten nach China hängen allein in Deutschland eine Million Arbeitsplätze», warnte BDI-Präsident Ulrich Grillo im Nachrichtenmagazin «Focus». «Wenn sich der Streit weiter aufschaukelt, sind diese Jobs in Gefahr», fügte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) hinzu. «Wir schneiden uns ins eigene Fleisch.» Der Unternehmer plädierte für eine «verbale Abrüstung». «Zum Glück sind die Zölle nur vorläufig», sagte er. «Ich habe die Hoffnung, dass sich in Gesprächen zwischen Brüssel und China Lösungen finden lassen.»

Die Strafzölle auf Billigimporte aus China sollen der kränkelnden Solarbranche in Europa helfen. 25 000 Arbeitsplätze in der europäischen Solarbranche seien in akuter Gefahr, begründete die EU-Kommission ihren Schritt. China hatte prompt reagiert und Strafzölle auf europäische Weine angedroht. Auch aus der Autobranche, die vom aufstrebenden chinesischen Markt stark profitiert, war von Befürchtungen zu hören, es könne zu Sanktionen Chinas kommen.

Die Außenhandelszahlen Chinas sollten kein Anlaß zur Besorgnis geben, erklärten Analysten. Seit Wochen gab es Spekulationen, dass bisherige Zahlen künstlich aufgebläht wurden, um «heißes Kapital» ins Land zu holen. Ein Finanzexperte beschreibt das System: «Internationale Investoren sind auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten, aber die strengen Regeln lassen ein direktes Engagement in China nicht einfach zu.»

Um die Schranken zu umgehen, würde daher für Produkte oder Dienstleistungen von Mittelsfirmen in China mehr Geld als üblich bezahlt, erklärt der Fachmann. Die Differenz könnte dann innerhalb Chinas investiert werden. Die gezinkten Zahlen blähten jedoch Chinas Außenhandel künstlich auf. Chinas Aufsichtsbehörden hatten strengere Kontrollen des Handels angekündigt. Damit könnten sie die dubiosen Geschäfte im Mai eingedämmt haben.

In den ersten fünf Monaten ging der bilaterale Handel zwischen China und der Europäischen Union laut Zollstatistik um 2,8 Prozent zurück. Es war jedoch unklar, ob der Rückgang durch den Handelsstreit zwischen der EU-Kommission und China zu erklären ist. Im gleichen Zeitraum wuchs der Handel mit den USA um 6,9 Prozent.

Artikel WSJ