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Chormusik aus Hunderten von Kehlen

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Kreischorleiter Wilhelm Weitzel dirigierte nicht nur »seine« Liedertafel Prien, sondern auch alle Chöre gemeinsam zu Beginn und am Schluss. (Foto: Bohm)

Jedes zweite Jahr treffen sich Chöre aus dem Chiemgau und Berchtesgadener Land, um gemeinsam zu singen. Diesmal kamen sie in der Chiemgauhalle in Traunstein zusammen. Hunderte Sänger boten dort ein buntes und vielfältiges Programm. Am Anfang und am Ende des Chorfestivals stimmten alle gemeinsam ein Lied an.


Heuer waren zehn Chöre mit dabei: ein russischer Frauenchor mit Namen »Hoffnung« aus Traunreut, der Gesangverein Kirchanschöring, der Männerchor Palling, der Liederkranz Bad Reichenhall, der Chiemgauchor aus Traunstein, der Musik- und Gesangverein Siegsdorf, die Singgemeinschaft Obing, der Adam-Gumpelzhaimer-Chor aus Trostberg, der Sängerchor aus Traunreut und die Liedertafel Prien. Und alle zusammen gestalteten unter dem Namen Chiemgau-Sängerkreis gemeinsam sowohl das Eingangs- als auch das Abschiedslied unter der Leitung von Kreischorleiter Wilhelm Weitzel. Albert Müller, der Vorsitzende des Sängerkreises, meinte abschließend zu den Zuhörern: »Wenn wir Ihre Sangeslust geweckt haben und Sie beim nächsten Mal mit dabei sein möchten, dann schließen Sie sich einfach einem dieser Chöre an!«

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Die Frühlingsstimmung draußen und der Blumenschmuck drinnen in der Halle passten ausgezeichnet zum fröhlichen »Wettstreit« oder besser zum gemeinsamen Singen der über 250 Damen und Herren, die sich wieder eingefunden hatten und ein buntes Programm boten – von Werken des Barock über Volksweisen bis zu Schlagern oder Musical-Hits. Das Ganze fand in einer fröhlichen Stimmung statt, zu der natürlich Kreischorleiter Wilhelm Weitzel das Seine beitrug mit sehr interessanten und prägnanten Aussagen berühmter Leute in Sachen Musik. Dass sie Spaß macht, war ja noch bekannt, aber dass sie erwiesenermaßen zur Gesundheit beiträgt, das erfuhren die Sänger sowie die Zuhörer zu ihrer Freude.

Russischer Gastchor eröffnete das Programm

Von allen Mitwirkenden gemeinsam gesungen, erscholl zunächst das altbekannte Lied »Hab´ oft im Kreise der Lieben, im duftigen Grase geruht und mir ein Liedlein gesungen und alles war wieder gut«. Der russische Gastchor »Hoffnung«, zehn Frauen in wunderschöner Tracht unter der Leitung von Pauline Harder (Akkordeon), eröffnete den Reigen der Darbietungen. Und natürlich durfte dabei »Kalinka« nicht fehlen – das Publikum klatschte begeistert mit.

Der Gesang- und Musikverein Kirchanschöring unter der Leitung von Peter Emmert legte los mit »So viel Schwung«. Der Chor mit einer beeindruckenden »Mannschaft« und fast 50 Prozent Herren erfreute die Besucher mit dem Geständnis »Aber Dich gibt´s nur einmal für mich«.

Karl Weindler, Präsident des Bayerischen Sängerbundes, meinte in seinem Grußwort, der Chiemgau-Sängerkreis stelle für seinen Verband schon immer einen verlässlichen Partner dar bei der Ausrichtung von Veranstaltungen. »Die singbegeisterten Menschen, die sich Woche für Woche zu gemeinsamen Proben zusammen finden, erhalten und fördern damit einen wichtigen Teil unserer Kulturtradition«, erklärte er.

Der Männerchor Palling unter der Leitung von Andreas Heilmann hatte Lieder verschiedenen Ursprungs im Repertoire: »La Montan Ara« aus dem Trient, eine Ballade von Carl Löwe und ein Lied, das sie in Mundart vortrugen. Die 19 Männer gestalteten ihre Weisen zart und innig oder, wenn es angebracht war, im kräftigen Forte. Gert Falin hatte die Leitung des Liederkranzes Bad Reichenhall. Die Frauen im Dirndl schauten natürlich fesch aus, und ihre erste Darbietung, »Sing ein Lied«, sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch vorgetragen, zeigte, dass der Chor über den lokalen Tellerrand hinausschaut. Und wer könnte widersprechen, wenn sie sangen »Die Welt ist voller Wunder?«

Der Chiemgau-Chor Traunstein – die Damen mit orangefarbenen Schals unter der Leitung von Michael Felsenstein – hatten zunächst ein flott gesungenes Lied von Orlando di Lasso, »Matona mia cara«, vorgetragen und dann ein Werk von Christoph Willibald Gluck.

Aus Siegsdorf kam der nächste Chor, der Musik- und Gesangverein mit Chorleiter Rudolf Pelka. Sehr deutlich prononciert, sangen die 15 Herren das Lied vom »Lindenbaum« von Franz Schubert/Friedrich Silcher, weithin als Volkslied eingestuft, ebenso wie »Beim Holderstrauch«, einem Liebeslied, das bekanntermaßen nicht gut ausging, was die Herren innig mit viel Gefühl gestalteten.

Die Obinger traten mit einer Kaffeemühle auf

Die Singgemeinschaft Obing hatte lustiger Weise eine Kaffeemühle dabei für ihr Lied »Der Kaffee ist fertig«. Wer da noch nicht davon wach wurde, der amüsierte sich sicher beim Oldie »Zwei kleine Italiener«. Schwungvoll ging es zu bei »I will follow him« aus dem Musical »Sister Act«. Renate Reininger als Solistin sang dabei bravourös solo.

Wolfram Heinzmann dirigierte den Adam-Gumplzhaimer-Chor aus Trostberg, der zunächst mit einem Lied von Frank Sinatra antrat, »Strangers in the Night«, und dann mit dem fröhlichen »Tanzen und Springen« von Hans Leo Hassler. Gemeinsam traten der Sängerchor Traunreut und der Gesangverein Trostberg auf unter der Leitung von Richard Kalahur. Sie entführten melancholisch in eine Abendstimmung nach einer russischen Volksweise. Um gleich darauf wieder heiter fortzufahren mit einem fröhlichen Lied italienischen Ursprungs.

Die Liedertafel Prien mahnte zunächst »Trachtet nicht nach eitlen Dingen«, brachten dann das Lied »Der Weg zu Dir« von Lorenz Maierhofer zu Gehör und hatte schließlich als Zuckerl noch die »Chiemsee Hymne« auf Lager. Die hatte nämlich ihr Chorleiter geschrieben, der Text stammt vom Gustl Lex. Voller Begeisterung wird darin der See geschildert, die Ruhe ringsum, die Berge im Hintergrund, die Inseln: »A See wia a Spiagl, in den der Föhnhimmel lacht!«

Zum Abschluss stimmten alle gemeinsam »Weil´s nacha Zeit is, so sag´n ma jetzt Pfüa Gott« an. Hannelore Bohm