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Christian Redl: Keine Angst vor abgründigen Rollen

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Christian Redl
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Christian Redl bei den Dreharbeiten zu einem «Spreewaldkrimi». Foto: Patrick Pleul Foto: dpa

Im Fernsehen kennt man ihn als wortkargen Ermittler der ZDF-Reihe «Spreewaldkrimi». In seiner langen Karriere hat Christian Redl aber oft auch die Unsympathen und Übeltäter verkörpert. «Das Böse leuchtet mehr», erklärt der Schauspieler, der nun 70 Jahre alt wird.


Hamburg (dpa) - Er war «Der Totmacher» in den Hamburger Kammerspielen, startete seine Fernsehkarriere 1990 als «Der Hammermörder» und bekam gleich einen Grimme-Preis dafür. Im internationalen Kinohit «Der Untergang» (2004) spielte er den verurteilten Weltkriegsverbrecher Generaloberst Alfred Jodl.

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Christian Redl hat viele Menschen von abgründiger Bosheit gespielt. Und als wortkarger, einsamer Kommissar Thorsten Krüger der ZDF-Reihe «Spreewaldkrimi» hat er seit 2006 immerhin mit solchen zu tun. Es liegt wohl am vom österreichischen Großvater ererbten Äußeren, dass man ihn immer wieder gern einschlägig besetzt: Von wuchtiger Statur, mit blankem Schädel und Augen, die durchdringend blicken können, scheint Redl viel mehr für die Harten als für die Zarten prädestiniert zu sein.

«Dabei habe ich mich zeitlebens danach gesehnt, von anderen erkannt zu werden», sagt der Künstler, der am Freitag (20. April) 70 Jahre alt wird. Am großen Esstisch in seiner Altbauwohnung in Hamburg, an dem er gern seine Frau und Freunde mit Selbstgekochtem bewirtet - blickt er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur auf sein Leben zurück. Das phasenweise auch quälend und anstrengend war - trotz früher Erfolge an führenden Bühnen in Wuppertal, Frankfurt am Main, Bremen sowie am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg.

«Warum sonst geht man ans Theater, ringt mit seiner Angst und stellt sich schutzlos auf eine Bühne?», fragt Redl, «doch nur, um auf sich aufmerksam zu machen. Weil man irgendwie das Gefühl hat, dass das, was in einem steckt, im richtigen Leben offenbar nur sehr schwer vermittelbar ist.»

Der Vater, ein traumatierter Kriegsheimkehrer, der nie über das Geschehene sprechen konnte und mit 55 Jahren starb, war zu sehr mit sich selber beschäftigt, als dass er seinem Sohn helfen konnte, ein stabiles Selbstwertgefühl zu entwickeln. Während einer Schüleraufführung machte der 18-Jährige jedoch Bekanntschaft mit seinem Talent - das ihm sofort als Chance erschien, doch seinen eigenen Platz zu finden.

Es begannen Jahre zwischen Euphorie und Versagensangst. In dunklen Phasen gab er sich unnahbar und kalt, damit nur keiner mitbekam, wie es um ihn stand. «Es war ein ewiges Auf und Ab mit langen Nächten in Kneipen und allem, was so dazu gehörte», erinnert sich Redl. «Ich hatte das Gefühl, ich müsse mich beeilen, denn mit 60 würde das Leben vorbei sein.»

Es sollte anders kommen. Mit 61 Jahren traf Redl bei einem Gastspiel im Ruhrgebiet die Frau seines Lebens, mit der er seit zwei Jahren verheiratet ist. «Schlagartig begann eine neue Zeit», sagt Redl. Auch wegen des Berufs seiner Ehefrau Martina, die als Grundschuldirektorin mit sozialen Problemen konfrontiert ist, die seine eigenen Unsicherheiten relativierten. Und sein Interesse für Politik und gesellschaftliche Realitäten weckten. Er liebt außerdem die französische Literatur, hat sich auch als Musiker mit ihr beschäftigt. Auf seiner CD «Sehnsucht» (2014) mit eigenen Texten und Kompositionen fasziniert Redl mit rauchigem Timbre und von Leonard Cohen inspirierten Stimmungen.

Beruflich ginge ihm nun vieles leichter von der Hand, erklärt er. Redl drehte Kinoerfolge «Krabat» (2008) und die «Die Päpstin» (2009), arbeitet mit TV-Regisseuren wie Matti Geschonneck und Kai Wessel, ist immer wieder in Krimis präsent. Im Herbst wird man ihn in der ZDF-Doku «Kaisersturz» als Reichspräsident Ebert erleben.

Und was sagt er angesichts seines 70.? «Die Sieben hat etwas Schreckliches, die Sieben ist eine Ansage», sinniert der Künstler über sein fortschreitendes Alter. «In den Jahreszeiten ist das der Winter. Da ist der Herbst vorbei.» Aber es gebe ja sehr schöne Winter. Deshalb habe er keine Angst und zitiere gerne einen Satz des Dramatikers Strindberg: «Ich habe alles vom Leben gekriegt, weil ich nie etwas gewollt habe.» Es wäre schön, sagt Redl, wenn er das eines Tages auch von sich behaupten könne.

Website Christian Redl