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Christine Kaufmann verkörpert den »Weibsteufel« in der Salzachhalle Laufen

»Ich bitte Sie, das ist doch Blut und Boden pur!«, soll Regisseur Georg Tressler (»Die Halbstarken«) gesagt haben, als ihm Mitte der sechziger Jahre der Filmproduzent Otto Dürer vorschlug, eine Neuverfilmung von »Der Weibsteufel« anzugehen. Dabei hatte Tresslers Vater Otto 1914 die Uraufführung von Karl Schönherrs Stück am Wiener Burgtheater inszeniert – und auch eine der Hauptrollen in dem alpinen Dreiecksdrama gespielt. Tressler griff dennoch zu, und interessanterweise gelang ihm die definitive »Weibsteufel«-Version, packend inszeniert, perfekt besetzt und fern jeder völkischen Ideologie.

Alexander Radszun (von links), Daniel Buder und Christine Kaufmann steigerten sich, Kaufmann und Buder überzeugten erst am Ende von »Weibsteufel«. (Foto: Heel)

Das Stück spricht auch heute noch die Zuschauer an – wie in der Salzachhalle Laufen. In einer Aufführung der Theatergastspiele Fürth stand Christine Kaufmann in der Rolle des (namenlosen) Weibs auf der Bühne, ihr Mann wurde von Alexander Radszun verkörpert, der Dritte im Bunde war Daniel Buder als junger Grenzjäger. Regie führte Thomas Rohmer, der das Stück auch bearbeitet hatte.

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Der Kern der Geschichte ist schnell erzählt: In einer einsam gelegenen Hütte in den Tiroler Bergen hausen eine schöne, junge Frau und ihr älterer, kränkelnder Ehemann, der sein Brot als Schmuggler verdient. Da ihm bislang nichts nachzuweisen war, wird ein junger, gut aussehender Grenzjäger damit beauftragt, sich an die Frau heranzumachen, um sie auszuhorchen. Als der Ehemann Wind von dem Plan bekommt, ermuntert er seine Frau, auf die Avancen des Jägers einzugehen, damit er ungestört eine letzte große Tour über die Runden bringen kann. Dann hätten sie nämlich genug Geld, um sich unten im Dorf ein schönes Haus zu kaufen. Doch der Jäger verliebt sich in die Frau, die bald nicht mehr weiß, zu wem sie halten soll. Also beginnt sie ihr eigenes Spiel, wird zum kalt berechnenden Weibsteufel, der die beiden Männer geschickt gegeneinander ausspielt, bis einer von ihnen auf der Strecke bleibt.

Dass die Aufführung trotz der prominenten Besetzung nicht gänzlich überzeugte, lag vor allem an Christine Kaufmann, der »Attraktion« des Abends. An sich eine glänzende und noch immer attraktive Schauspielerin, verfügte die mittlerweile 71-Jährige zwar durchaus über die erotische Ausstrahlung, die die Rolle der Femme fatale von ihr abverlangte, gab sich zunächst aber viel zu kultiviert.

Erst im letzten Drittel drehte sie auf, spielte sich in den Vordergrund und ließ die Macht spüren, die sie über die beiden Männer ausübte. Dem als Filmbösewicht bekannten Alexander Radszun hingegen war seine Rolle als alterskranker, aber immer noch verschlagener Ehemann wie auf den Leib geschneidert. Obwohl von seinem Weib als »Maulheld« und »Bubi« beschimpft, bot er seinem Rivalen überzeugend Paroli. Daniel Buder als schneidiger Grenzjäger agierte anfangs etwas steif, steigerte sich aber kontinuierlich bis zum mörderischen Finale.

Kurzum, ein auch heute noch spannendes Stück, halb Psychothriller, halb Emanzipationsgeschichte, das seine Wirkung auch beim Publikum in der Salzachhalle Laufen nicht verfehlte. Wolfgang Schweiger