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Chronologie: Jahr Eins nach Breiviks Anschlägen

Oslo (dpa) - Kein Ereignis seit dem Zweiten Weltkrieg hat Norwegen so erschüttert wie das Massaker von Anders Behring Breivik. Der rechtsradikale Massenmörder tötete im vergangenen Sommer in einem beispiellosen Amoklauf 77 Menschen.

Gedenken
Der norwegische Kronprinz Haakon (l) und seine Frau Mette-Marit gedenken der Opfer Foto: Jörg Carstensen/Archiv Foto: dpa

Am Freitag verhängte ein Gericht in Oslo die Höchststrafe - 21 Jahre Haft und Sicherungsverwahrung. Eine Chronologie der Ereignisse bis zum Urteilsspruch:

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22. Juli 2011 - 15.22 Uhr: Vor dem Osloer Regierungshochhaus explodiert eine Bombe in einem abgestellten Lieferwagen. Acht Menschen sterben. Breivik flüchtet und fährt in einem Mietwagen zur knapp 40 Kilometer entfernten Fjordinsel Utøya. Kurz vorher hat er per Mail ein 1500 Seiten umfassendes «Manifest» an knapp tausend Adressaten verschickt. - ca. 17.00 Uhr: Als Polizist verkleidet setzt Breivik zum Ferienlager der sozialdemokratischen Jugend auf Utøya über. Ihm bleiben knapp anderthalb Stunden Zeit, um mit zwei Handfeuerwaffen Jagd auf die über 500 Teilnehmer zu machen. 69 Menschen sterben, die meisten Opfer sind Jugendliche. - ca. 18.30 Uhr: Die Antiterroreinheit der Polizei nimmt Breivik fest. Vorher hat er zweimal telefonisch angeboten aufzugeben. Das späte Eintreffen der Polizei gilt als schwerwiegender Fehler.

29. November 2011 Zwei Rechtspsychiater erklären Breivik für nicht zurechnungsfähig. Er sei zum Tatzeitpunkt und danach psychotisch und paranoid-schizophren gewesen. Das Gutachten ist umstritten.

10. April 2012 In einem zweiten rechtspsychiatrischen Gutachten wird Breivik für voll zurechnungsfähig erklärt. Die beiden gegensätzlichen Experten-Aussagen bilden die Grundlage für den Prozess gegen Breivik.

16. April bis 22. Juni 2012 Im zehnwöchigen Gerichtsverfahren verteidigt Breivik seine Anschläge und erklärt: «Ja, ich würde es wieder tun.» Zahlreiche Überlebende und Hinterbliebene der Opfer sagen aus.

22. Juli 2012 In ganz Norwegen gedenken die Menschen der Opfer der Anschläge. Zur Gedenkfeier auf der Insel Utøya haben nur direkt Betroffene Zutritt.

13. August 2012 Eine unabhängige Untersuchungskommission veröffentlicht ihren Bericht zum Ablauf der Anschläge. Das Ergebnis: Breivik hätte viel früher gestoppt werden können, wenn die Polizei besser reagiert hätte.

24. August Das Osloer Gericht erklärt Breivik für zurechnungsfähig und verhängt gegen ihn die Höchststrafe - 21 Jahre Haft und Sicherungsverwahrung. Die Staatsanwaltschaft hatte dafür plädiert, Breivik als geisteskrank einzustufen. Der Massenmörder nimmt das Urteil mit einem Lächeln auf.

Wie geht es weiter?

Sowohl der Verurteilte als auch die Staatsanwälte haben angekündigt, auf eine Berufung zu verzichten. Anderenfalls müsste der Fall vor dem höchsten norwegischen Gericht neu aufgerollt werden. Das Urteil wird aber erst nach einer Frist von zwei Wochen rechtskräftig.