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»Comedian Harmonists des Chiemgaus«

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Bereits zum 11. Mal begeisterten die Quadrophoniker ++ ihr Publikum in Siegsdorf. (Foto: Plützer)

Sie sind einfach hinreißend. Denn sie sind selber ganz hingerissen von ihrer Kunst. Die fünf Männer von Quadrophoniker ++ mit ihrem Pianisten luden in den großen Festsaal nach Siegsdorf ein, und der füllte sich bis auf den letzten Treppenabsatz. Obwohl zwei Drittel der Songs nicht neu waren bei ihrem elften Heimspiel in Siegsdorf. Obwohl auch sicherlich zwei Drittel des Publikums nicht neu war unter den mehr als 400 Zuschauern.


Denn wer hat ihre Auftritte nicht schon genossen, seit die »Comedian Harmonists des Chiemgaus« vor ein paar Jahren in der kleinen evangelischen Kreuzkirche ihren Ruhmeszug begannen: Thomas Kamm, inzwischen Bürgermeister von Siegsdorf, Franz Wögerbauer, heute als Lehrer ebenfalls in Siegsdorf tätig, Toni Morawietz, Physiotherapeut am Ort und Dirk Wnendt, der ehemalige evangelische Pfarrer.

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Routine haben sie gewonnen in den Jahren, mit Stefan Weißleder einen festen Pianisten und mit Dr. Andreas Novak, dem Kinderarzt in Siegsdorf, einen Sänger mehr, doch an Witz und Originalität in Gestik und Mimik haben sie wahrlich nichts verloren! Ihre Fans begrüßten an diesem Abend die bekannten Klassiker aus ihrem Munde mit begeistertem Jubel, sei es »Veronika, der Lenz ist da« oder »Wochenend' und Sonnenschein«. Korrekt in schwarzem Frack mit der roten Nelke im Knopfloch kamen sie auf die Bühne und hatten den Schalk faustdick im Nacken.

Die Spezies des Mannes an sich lieferte inhaltlich den roten Faden durch ihre Lieder, die sie unter diesem Aspekt mit locker gereimten humorigen Zwischentexten verbanden. Da durfte zum Auftakt Herbert Grönemeyers Männersong natürlich nicht fehlen – begleitet von Stefan Weißleder mit einer grandiosen one man body percussion. Gesanglich sind die fünf einfach beeindruckend perfekt. Das wurde wunderbar deutlich an der russischen Männerchor-Einlage in ihrem Lied von Sonja oder ihrer faszinierenden Sprachakrobatik in ihrem neuen Song, der auf jeden Fall programmatisch für die Quadrophoniker ++ zu nehmen ist: »Wenn ich vergnügt bin, muss ich singen!«

Aber auch ihr sächsischer Pianist kann durchaus gesanglich mithalten. Herrlich seine Interpretation im lupenreinen sächsischen Dialekt von Frank Sinatras »My Way« – beim Mann in seiner Rolle als Jammerlappen mit seinen Wehwehchen durch das Jahr tut der kleine Zeh neben allem anderen erst im »Mai weh«. Das Jauchzen des weiblichen Publikums machte deutlich, dass hier ein Nerv tiefer Wahrheit getroffen wurde. Ob als Macho oder Softi, beim ersten Rendez-vous oder als geschundener Ehemann – die Quadrophoniker schienen bestens zu wissen, wovon sie witzelten und sangen. Nach zwei Stunden ließ das begeisterte Publikum sie nicht ohne drei Zugaben von dannen ziehen. Hier kam dann endlich der sicher von vielen schon vermisste »Kleine grüne Kaktus« zum Blühen. Und weil sie in den kommenden eineinhalb Jahren nicht mehr in Siegsdorf – hoffentlich aber in der Umgebung – auftreten werden, wünschte Pfarrer Dirk Wnendt gleich schon mal allen vorsorglich »fröhliche Weihnachten«. Petra Plützer