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Commerzbank mutet Aktionären bei Kapitalerhöhung viel zu

Frankfurt/Main (dpa) - Die Commerzbank drückt ihre erneute milliardenschwere Kapitalerhöhung auf Kosten ihrer Alt-Aktionäre durch. Um Investoren anzulocken, bietet das Institut die neuen Papiere mit einem Abschlag von gut 50 Prozent auf den aktuellen Aktienkurs an.

Commerzbank in Frankfurt
Mit kräftigem Rabatt wirft die Commerzbank neue Aktien auf den Markt. Foto: Nicolas Armer Foto: dpa

Um dennoch auf den angestrebten Erlös von 2,5 Milliarden Euro zu kommen, kündigte die Bank am Dienstag an, die Aktienzahl fast zu verdoppeln. Damit werden die Anteile der Altaktionäre noch stärker als erwartet verwässert. Die neuen Anteilsscheine kosten gerade einmal 4,50 Euro pro Stück, am Montag war noch über einen Emissionspreis von rund 5 Euro spekuliert worden.

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Mit dem frischen Geld will die Commerzbank die verbliebenen 1,6 Milliarden Euro an direkten Staatshilfen aus der Zeit der Finanzkrise sowie die stillen Einlagen des Versicherers Allianz von 750 Millionen Euro ablösen. Zudem soll die eigene harte Kernkapitalquote - der Puffer gegen neue Krisen - von 7,5 Prozent auf 8,4 Prozent steigen. Vor zwei Monaten hatte sich die Bank noch 8,6 Prozent zum Ziel gesetzt. Am Aktienmarkt sorgten die Details für weiteren Schrecken. Das Papier befindet sich seit Wochen auf Talfahrt - diese setzte sich am Dienstag fort.

Die Bank hatte die Investoren zuletzt immer wieder zur Kasse gebeten und die selbst gesetzten Ziele immer wieder verpasst. Zudem sorgte die Höhe der Kapitalerhöhung für Ernüchterung. «Die Verwässerung ist enorm», klagte ein Händler. Bis zum Handelsende sackte das Commerzbank-Papier um 6,28 Prozent auf das Rekordtief von 9,312 Euro ab - seit der Ankündigung der Kapitalerhöhung im März fiel der Börsenwert damit um rund ein Drittel. Seit dem Amtsantritt von Martin Blessing als Chef der Bank büßte der Aktienkurs rund 95 Prozent ein.

Für zusätzlichen Druck könnte der Verkauf eines großen Aktienpaketes durch den Bund sorgen. Dieser Schritt wurde angekündigt und war erwartet worden. Angesichts der großen Anzahl an Aktien, die der Staat platzieren will und des in Finanzkreisen genannten Verkaufspreises zwischen 6,30 und knapp 7 Euro könnte die Maßnahme erst einmal weiter belasten. Dagegen rechnet LBBW-Analyst Ingo Frommen damit, dass nach den zuletzt starken Bewegungen wieder etwas Ruhe einkehren dürfte.

Der Staat wirft Papiere für insgesamt 625 Millionen Euro auf den Markt. Die Transaktion soll nach Angaben des Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin am Mittwoch abgeschlossen werden. Um das Geld einzunehmen, müsste der Staat also zwischen 90 und 99 Millionen Commerzbank-Aktien verkaufen. Das sind zwischen 15 und 17 Prozent des aktuellen Kapitals der Bank. Die Einnahmen werden für die Rückzahlung von stillen Einlagen des Bundes verwendet. Im Gegenzug nimmt der Soffin 625 Millionen Euro aus den stillen Einlagen in die Hand, um bei der am Mittwoch startenden Kapitalerhöhung der Commerzbank teilzunehmen.

Mit dem Geld kann der Bund knapp 139 Millionen neue Aktien kaufen. Am Ende aller Maßnahmen dürfte der Bund dann zwischen 16 und 17 Prozent an der Bank halten. Der Staat hatte bei der Bekanntgabe der Kapitalerhöhung im März angekündigt, dabei auch mit dem Abbau der direkten Beteiligung zu beginnen. Zuletzt hielt der Bund rund 25 Prozent und eine Aktie und hatte damit bei allen wichtigen Entscheidungen ein Einspruchsrecht. Das fällt in Zukunft weg - allerdings bleibt der Einfluss des Staates groß, da er auch mit dem geringeren Anteil bei den Hauptversammlungen ein gewichtiges Wort mitreden kann.

Insgesamt gibt die Commerzbank gut 555 Millionen neue Aktien aus. Der Abschlag auf den derzeitigen Börsenkurs abzüglich des Preises für die Bezugsrechte beträgt etwas mehr als 38 Prozent. Altaktionäre können die neue Papiere von diesem Mittwoch an bis zum 28. Mai zeichnen. Für 21 bestehende Anteilsscheine können sie 20 neue ordern. Wer keine neuen Aktien haben möchte, kann sich sein Bezugsrecht bis 24. Mai von neuen Investoren abkaufen lassen.

Die Commerzbank hatte die Ausgabe neuer Papiere im März angekündigt. Die Hauptversammlung hatte dem Schritt Mitte April trotz harter Kritik von Kleinaktionären zugestimmt. Um die Transaktion durchziehen zu können, musste das Institut kurz danach den Kurs aufhübschen: Es legte zehn alte Aktien zu einer neuen zusammen. Dadurch verzehnfachte sich der Aktienkurs an der Börse. Das sollte verhindern, dass der Kurswert unter einen Euro sinkt. Dann wäre eine Kapitalerhöhung unmöglich gewesen, da keine neue Aktie unter einem Nennwert von einem Euro ausgegeben werden darf.

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