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Corona-Situation bessert sich – »Die Inzidenz ist in den vergangenen Tagen stark gesunken«

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Traunstein: Corona-Situation bessert sich – Fragen & Sorgen der Bürger – »Inzidenz ist in den letzten Tagen stark gesunken«
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Laut Robert-Koch-Institut ist der Landkreis Traunstein einer der beiden von Corona meistbetroffenen Landkreise in ganz Deutschland. Doch die dafür angeführte Inzidenz – die Zahl der Infizierten pro 100.000 Einwohner – ist nach Angaben von Landratsamts- Pressesprecher Michael Reithmeier gerade in den letzten Tagen deutlich gesunken. (Foto: dpa)

Traunstein – Der Landkreis Traunstein ist einer von zwei Landkreisen in Deutschland, die eine besonders hohe Inzidenz aufweisen. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Professor Dr. Lothar Wieler, erklärte am Dienstag bei einer Pressekonferenz, dass die Inzidenz in den Landkreisen Traunstein und Greiz (Thüringen) mit mehr als 50 Infizierten pro 100.000 Einwohner besonders hoch liege.


Allerdings, so Landratsamts-Pressesprecher Michael Reithmeier auf Nachfrage, sei diese Zahl, die im Landkreis die innerhalb von sieben Tagen registrierten Neuinfektionen bezogen auf 100.000 Einwohner wiedergibt, in den vergangenen Tagen sogar stark gesunken. Lag sie am 30. April noch bei 89,22, so sank sie bereits am 1. Mai auf 88,09 (–1,13 zum Vortag), am 2. Mai auf 71,15 (–16,94), am 3 Mai auf 65,50 (–5,65), am 4. Mai auf 54,77 (–10,73).

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Zeit zwischen Test und Quarantäne verkürzen

Dennoch hatten angesichts der inzwischen 71 Toten die Redaktion in den vergangenen Tagen immer wieder Nachfragen von Lesern erreicht. »Warum wird in Litzlwalchen nur an drei Tagen pro Woche getestet und nicht, wie andernorts jeden Tag?«

Damit verschwende man wertvolle Zeit, so ein Leser, der vorrechnete: »Ein Patient mit Symptomen geht zum Arzt (Tag 1), wird an Tag 3 in Litzlwalchen getestet, nach weiteren zwei bis drei Tagen liegt das Ergebnis beim Gesundheitsamt vor. An den Tagen 7 und 8 verhängt das Gesundheitsamt die häusliche Quarantäne. Dann könnte der Patient, der ja schon zwei Tage, bevor er Symptome zeigt, 9 bis 10 Tage lang andere Menschen infizieren könnte. »Was tut das Gesundheitsamt, um diese Zeit zu verkürzen?«

In Litzlwalchen werde derzeit am Dienstag, Donnerstag und Samstag getestet, also auch am Wochenende, so Reithmeier dazu. Da jedoch mittlerweile viele Hausärzte genug Schutzausrüstung hätten und somit selbst testen könnten, sei derzeit kein erweiterter Betrieb angezeigt. »Hier wäre der Landkreis flexibel und passt sich den Anmeldungen entsprechend an. Eine Ausweitung der Betriebszeiten wäre kurzfristig jederzeit möglich.«

Wie schnell die Ergebnisse beim Gesundheitsamt ankämen, liege im Arbeitsaufkommen des jeweiligen Labors begründet, »was tatsächlich einige Tage dauern kann«. Bezüglich der Quarantäne sei es aber für diejenigen, die einen Arzt wegen entsprechender Symptomatik kontaktieren unerheblich, da der Arzt bereits mit der Krankschreibung eine Isolierung gegenüber dem Patienten ausspreche. Die Bestätigung des Gesundheitsamts erfolge, sobald das Testergebnis vorliegt. Und das sei »in der Regel nach 24 bis 48 Stunden«.

Um einen besseren Überblick über die Zahl der täglich vorgenommenen Tests zu erhalten, regte der gleiche Leser an, Ärzte und die Kassenärztliche Vereinigung um Mithilfe bei der Erfassung zu bitten. Dazu Reithmeier: Auch die KVB könne nur von »ihren« untersuchten Patienten sprechen, also den Zahlen, die sie in Auftrag gegeben habe. Das gelte auch für die Klinik und jede Arztpraxis. Auf Daten der negativ getesteten Personen hätten die Gesundheitsämter keinen Anspruch, da es eine gesetzliche Meldepflicht nur für positive Befunde gebe. »Abfragen wären auch nicht vollständig, da Landkreis-Bürger auch in anderen Landkreisen behandelt oder getestet werden könnten«, so Reithmeier.

Rund 14 Prozent der Fallzahlen ließen sich auf Gemeinschaftseinrichtungen und Seniorenheime zurückführen. »Ein großer Teil der positiven Fälle ist jedoch auf Ansteckungen innerhalb von Familien zurückzuführen. Die Folgefälle hatten aufgrund der Quarantäne schon wenig weitere Folgefälle.« Durch Reihentestungen würden bisher unentdeckte Virenträger positiv getestet, die bislang keine Symptome gezeigt haben und vermutlich auch nie zum Arzt gegangen wären. »Das hilft uns, bislang unentdeckte Infektionsketten zu erfassen und zu unterbrechen. Deshalb werden wir an anlassbezogenen Reihentestungen festhalten. Gerade in Alten- und Pflegeheimen ist das besonders wichtig, um die Gesundheit unserer alten Menschen bestmöglich zu schützen.«

Um die Zeitspanne vom Nachweis der Infektion bis zur Anordnung der häuslichen Quarantäne möglichst kurz zu halten – »das Gesundheitsamt kann erst tätig werden, wenn ein entsprechender Befund vorliegt« – werde der Betroffene noch am selben Tag vom Gesundheitsamt telefonisch kontaktiert. Die Kontaktpersonen würden umgehend abtelefoniert. »Die Kontaktaufnahme erfolgt an sieben Tagen in der Woche«, so Reithmeier. Hier helfen auch die Mitarbeiter der Gemeinden, um Zeit zu sparen. Auch eine schriftliche Bestätigung werde verschickt, liege jedoch im Bereich der Post.

Erst 13 Tage nach Kontakt informiert

Ein Leser berichtete, er sei erst 13 Tage nach der Zusammenkunft mit einem Bekannten (der wurde an Tag 3 positiv getestet) vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt worden – die er sich nach der Information des Bekannten an Tag 3 vorsichtshalber sofort selbst auferlegt hatte.

Das Gesundheitsamt sei bei der Ermittlung der Kontaktpersonen natürlich immer auf die Angaben des Betroffenen angewiesen, so Reithmeier dazu. Teilweise würden aber erst Tage später noch weitere Kontaktpersonen genannt. Natürlich sei es lobenswert, wenn Bürger eigenverantwortlich entsprechende Schritte umsetzten. »Die Zahl der Mitarbeiter im Gesundheitsamt wurde seit Beginn der Pandemie übrigens mehr als verdreifacht«, so Reithmeier auf die Frage, ob es möglicherweise zu wenige Kontaktverfolger gebe.

Zur Frage nach der erhöhten Sterblichkeitsrate im Landkreis Traunstein spricht Reithmeier von einer »Abweichung im statistischen Streubereich – die bayernweite Letalität liegt derzeit bei 4,9 Prozent, in Traunstein bei 5,9 Prozent (69 Stand Montag).« Es gebe sehr unterschiedliche Betroffenheiten der Landkreise in Bayern.

Zur Kritik an der vom Landratsamt geäußerten Nähe zu Österreich als Begründung für die vielen Fälle im Landkreis Traunstein – dort sei die Entwicklung ebenso wie in den Landkreisen Berchtesgadener Land, Miesbach, Bad Tölz, Garmisch-Partenkirchen, Ostallgäu und Lindau deutlich günstiger als im Landkreis Traunstein, hatte ein Leser angemerkt – antwortete Reithmeier: »Hier gibt es einfach eine enge Verflechtung etwa durch Pendlerströme, und vor allem zu Beginn der Pandemie im Februar/März habe es noch starken Kontakt gegeben.« Dadurch, so betont er erneut, sei die Basiszahl von Haus aus hoch gewesen – damit habe es auch ein größeres Potenzial für Weiterverbreitung gegeben.

Die Zahl der positiv getesteten Personen sage auch nur bedingt etwas über die tatsächliche Lage aus, so Reithmeier weiter. Entscheidend sei in erster Line die Zahl der behandlungsbedürftigen Patienten, vor allem in den Kliniken.

Kapazitätsgrenze der Klinikbetten nie erreicht

Der bisherige Höchststand an behandlungsbedürftigen Covid-19-Patienten in den Kliniken lag am 19. April bei 68 Patienten (11 Intensivstation, 57 Normalstation), erklärt er weiter. Die Kapazität liege bei 40 Intensivbetten und über 450 Normalpflegebetten. »Am heutigen 5. Mai liegt die Zahl der Covid-19-Patienten in den Kliniken im Landkreis Traunstein bei 40 Patienten (10 Intensivstation, 30 Normalstation). Das ist der niedrigste Wert seit dem 2. April«, gibt er weiter zu bedenken.

Angesichts der von Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag bekannt gegebenen weiteren Lockerungen und vor allem mit Blick auf die Besserung der Inzidenz gerade in den letzten Tagen sagte Reithmeier: »Es steht nicht im Raum, die Lockerungen im Landkreis Traunstein langsamer umzusetzen als im Rest von Bayern.« coho