Corona-Test am Frühstückstisch bei Familie Zaar – Kitakinder müssen drei Nachweise pro Woche vorlegen

Bildtext einblenden
Stefanie Zaars Buben machen am Frühstückstisch einen Corona-Test. (Foto: privat)

Berchtesgadener Land – Seit Montag müssen Kitakinder dreimal pro Woche einen negativen Corona-Test vorlegen, bevor sie die Einrichtung betreten. Das Bayerische Familienministerium lässt den Kitas die Wahl: die Testkassette mit dem negativen Ergebnis am Eingang vorzeigen lassen oder ein Bestätigungsformular von den Eltern einfordern. Die Redaktion des »Berchtesgadener Anzeigers« hat die Kitas im Talkessel gefragt, wie sie auf die Testpflicht reagieren. Im Haus für Kinder in Bischofswiesen, in der Kindertageseinrichtung in Schönau am Königssee und im Kindergarten in Ramsau bringen die Kinder am Montag, am Mittwoch und am Freitag die Testkassette mit.


»Das funktioniert wunderbar«, sagt die Leiterin des Hauses für Kinder in Bischofswiesen, Sabine Krieger. Sie habe die Eltern der Kinder schon vor der Testnachweispflicht darum gebeten, ihre Sprösslinge von Zeit zu Zeit zu testen. Und siehe da: »In unserem Haus hat es – toi, toi, toi – nur eine Quarantäne-Zeit kurz vor den Sommerferien gegeben«, berichtet die Pädagogin. Sie habe sich an die Eltern gewandt, ihren erklärt, dass ein regelmäßiges Testen die Einrichtung vor einem Infektionsgeschehen schützt und sie so geöffnet bleiben kann.

»Dass alle gesund bleiben, ist ganz im Sinne der Eltern«, weiß Sabine Krieger und so hätten die Eltern schon vor der Testnachweispflicht die Berechtigungsscheine des Freistaates Bayern, mit denen die Eltern in Apotheken Test-Kits abholen können, nachgefragt. »Wir verteilen die Gutscheine schon seit September«, sagt Sabine Krieger. Drei Gutscheine für zehn Tests habe es im Vorjahr gegeben. »Jetzt bekommen die Familien vier weitere Scheine«, berichtet die Pädagogin.

Sie begrüßt die Testnachweispflicht. Sie sei ein Schritt in die richtige Richtung. Noch lieber hätte Sabine Krieger PCR-Pooltests in Kitas gesehen. »Ein PCR-Test liefert ein verlässliches Ergebnis«, begründet sie. Es gebe die Möglichkeit einer Pool-Testung in den Kitas, sie sei aber mit einem großen Aufwand verbunden, bedauert Sabine Krieger.

Sie vertraut darauf, dass die Eltern ihre Sprösslinge gewissenhaft testen. Stefanie Zaar, die Mutter eines fünfjährigen Buben, ist froh, dass es nun eine Testnachweispflicht auch für die Kleinsten gibt. Auch sie betont, dass eine regelmäßige Testung nötig sei, um um ein Infektionsgeschehen in der Einrichtung herumzukommen.

Sie teste ihre beiden Söhne – der Ältere geht schon in die Schule – rasch am Frühstückstisch. Ihre Buben steckten den »Lolli« in den Mund und wenn das Brot gegessen, das Müsli gelöffelt, der Tee und die Milch getrunken seien, liege das Ergebnis vor. Die Testkassette packe sie dann ein und zeige sie im Kindergarten vor. »So einfach ist das«, erklärt Stefanie Zaar. Sie habe ihre Buben auch in den Weihnachtsferien regelmäßig getestet, fügt die zweifache Mutter hinzu.

Auch auf die Eltern der Kinder in der Kindertageseinrichtung Schönau am Königssee sei Verlass, zeigt sich die Leiterin Irmgard Wucher erfreut. »Das funktioniert wunderbar«, sagt sie. Die Kitaleiterin habe gemeinsam mit dem Elternbeirat beschlossen, dass die Kinder die Testkassetten in der Früh vorzeigen. Irmgard Wucher habe bereits alle vier Gutscheine für die Test-Kits verteilt. Einige engagierte Mütter und Väter hätten sich eigens an die örtliche »Grünstein-Apotheke« gewandt, das Personal gebeten, genügend Lollitests und »normale« Corona-Schnelltests zu beschaffen. »Oft ist ja von Engpässen die Rede«, erklärt Irmgard Wucher. Sie hebt eigens hervor, dass die Schönauer Eltern, die Gutscheine nicht zwingend in der »Grünstein-Apotheke« einlösen müssen. »Sie können die Tests in jeder Apotheke abholen.«

Am Montag haben zwei Betreuerinnen die Mädchen und Buben in Empfang genommen. »Die Kinder selbst oder die Mamas oder Papas haben die Kassette vorgezeigt und sie dann in den dafür vorgesehen Mülleimer geworfen«, beschreibt die Pädagogin das Vorgehen in der Schönauer Einrichtung. Dann hätten die Kinder die die Schuhe gewechselt, die Jacken abgelegt und die Hände gewaschen – wie jeden Tag. »Alles problemlos«, sagt Irmgard Wucher. Sie lobt die Mädchen und Buben, die alle Regeln und Vorsichtsmaßnahmen, die die Pandemie mit sich bringt, »super umsetzen«. Für die Kleinen gehörten Hygieneregeln und Corona-Tests mittlerweile zum Alltag. Die Mütter und Väter hält sie dazu an, »möglichst unaufgeregt an die Sache heranzugehen«. Dann sei das Testen auch für die Kinder »kein Ding«, begründet sie.

Irmgard Wucher erachtet die neu auferlegte Testnachweispflicht als sinnvoll, gibt allerdings zu bedenken, dass die Kitas wohl trotzdem nicht um Quarantänezeiten herum kommen werden. »Ist ein Kind am Mittwochfrüh positiv, müssen wir davon ausgehen, dass es am Dienstag andere Kinder oder uns Betreuerinnen angesteckt hat«, sagt sie. Freilich sei dann eine Quarantänezeit nötig, um das Infektionsgeschehen in der Einrichtung zu unterbinden.

Im Kindergarten in Ramsau, zu dem auch eine Kinderkrippe gehört, ist am ersten Tag der Testpflicht alles sehr gut gelaufen, wie die Leiterin Manuela Reiner-Possehl mitteilt. Wie in den Kitas in den Nachbargemeinden zeigen die Kinder oder die Eltern die Testkassetten am Eingang vor. Beschwerden von Eltern, die ihren Sprösslingen die Strapazen des Testens nicht zumuten wollen, seien Manuela Reiner-Possehl bislang nicht zu Ohren gekommen.

Wieso auch? Die Pädagogin ist der Meinung, dass selbst den Kleinen zumindest ein Lolli-Test zuzumuten ist. Für die Kinder sei das Testen mittlerweile normal. »Sie machen brav mit«, sagt die Krippen- und Kindergartenleiterin.

Lisa Schuhegger