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Corona-Teststraße in Bayerisch Gmain eröffnet

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Sind sich sicher, dass die Corona-Teststraße gut angenommen wird: Ministerin Michaela Kaniber und Landrat Bernhard Kern. (Fotos: Kilian Pfeiffer)
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Tiefe Einblicke gibt Bayerisch Gmains Bürgermeister Armin Wierer, während er sich testen lässt.

Bayerisch Gmain – Staatsministerin Michaela Kaniber und Landrat Bernhard Kern haben am Freitag eine Corona-Teststraße auf dem Gelände des ehemaligen Unternehmens Baustoffe Birkel an der Theo-Birkel-Straße 5 eröffnet. Im Vorfeld hatte die Bayerische Staatsregierung beschlossen, das Testangebot für eine Untersuchung auf SARS-CoV-2 erheblich auszuweiten, wie es in einer Mitteilung des Landratsamtes Berchtesgadener Land heißt. Ab Montag um 12 Uhr können sich nun in Bayerisch Gmain alle Landkreisbürger kostenlos testen lassen.


Bayerisch Gmains Bürgermeister Armin Wierer reißt den Mund weit auf, dann streckt er die Zunge raus. Der Mann im weißen Ganzkörperanzug schiebt ihm vorsichtig das Wattestäbchen in den Rachen, um einen Abstrich zu nehmen. Wierer ist der erste offizielle Besucher des neuen kommunalen Testzentrums. In den vergangenen Tagen hatte es an selber Stelle eine Reihentestung von Lehrkräften, Schulpersonal und Mitarbeitern in Kindertageseinrichtungen gegeben. »Corona spielt ein eigenes Spiel«, sagt Michaela Kaniber, für die die Eröffnung ein Heimspiel ist. »Die Ferien gehen zu Ende, die Testkapazitäten müssen ausgeweitet werden.« Die Bayerisch Gmainerin hofft auf einen guten Start ins Schuljahr.

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Dass das Testzentrum so schnell umgesetzt werden konnte, sei das Zusammenspiel vieler, bekräftigt Landrat Bernhard Kern: In den vergangenen Wochen waren im Landkreis Flächen und Räumlichkeiten ausgelotet worden, die für eine Corona-Teststraße infrage kommen. Das Areal, für das sich die Verwaltung des Landkreises letztlich entschieden hat, eigne sich »ideal«, so der Landrat. Es biete ausreichend Platz für Fahrzeuge sowie eine Überdachung, um Abstriche auch bei Regen nehmen zu können.

Den Landkreis bei der Umsetzung unterstützen das Bayerische Rote Kreuz und die Bundeswehr. »Wir sehen eine Notwendigkeit, das Testzentrum umzusetzen – für die Bürger, aber auch für die rund 500 BRK-Beschäftigten im Landkreis«, sagt Tobias Kurz, Kreisgeschäftsführer des BRK im BGL. »Wenn wir gefordert sind, stehen wir zur Verfügung«, so Maik Keller, Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23. Bis zu sieben Bundeswehr-Soldaten kann er bis Mitte Oktober für das Testzentrum in Bayerisch Gmain entbehren. Derzeit sei die Brigade 23, die für Oberbayern und Schwaben zuständig ist, in Sachen Corona-Pandemie stark gefordert, so Keller. Zwölf Amtshilfeanträge seien bereits abgeschlossen, in acht weiteren sei man mit etwa 100 Männern und Frauen aktiv: etwa in Dillingen, Freising oder an der Autobahn-Teststation Hochfelln.

Mit im Boot ist auch das Analyselabor Eurofins, das die Abstriche auf Viren hin untersucht.

14 Tage habe die Vorbereitung der Corona-Teststraße in Anspruch genommen, berichtet Landrat Kern. Anfangs hatte es Probleme mit der Technik zur Übermittlung von Ergebnissen gegeben, die mittlerweile aber gelöst sind. Bis zu 300 Tests können dort werktags von 12 bis 16 Uhr durchgeführt werden. Voraussetzung sei, dass man Landkreisbürger ist oder seine Arbeitsstelle im Berchtesgadener Land hat, zudem symptomfrei ist, informiert Wolfgang Krämer vom Gesundheitsamt.

Aus Hygienegründen sollen Bürger mit dem Auto kommen. Für den Test muss man nicht aussteigen. Mitgebracht werden soll der Ausweis, wenn möglich ein internetfähiges Smartphone sowie die eigene E-Mail-Adresse. Mittels QR-Code wird die Registrierung durchgeführt. Die Zustellung der Testergebnisse erfolgt per E-Mail.

Ein Abstrich ohne Smartphone sei möglich, ergänzt Wolfgang Krämer, beanspruche aber mehr Zeit, da alle Daten manuell aufgenommen werden müssten. Er informiert, dass die Corona-Lage im Landkreis derzeit gut sei, die 7-Tage-Inzidenz schwanke zwischen acht und 14. Dieser Wert sagt aus, wie viele Menschen in der jeweiligen Region in sieben Tagen neu erkrankt sind – nicht in absoluten Zahlen, sondern bezogen auf jeweils 100 000 Einwohner der Region.

Der Landrat kündigt zudem an, »eine Ampel« zu veröffentlichen. Auf der Webseite www.testzentrum-bgl.de soll diese Auskunft darüber geben, wie groß der Andrang an der Corona-Teststraße derzeit ist. Ist die Ampel grün, gibt es kaum Wartezeiten, ist sie rot, »schließen sich weitere Tests an diesem Tag aus«.

Armin Wierer, Bayerisch Gmains Bürgermeister, der gerade noch das Wattestäbchen im Mund hatte, ist übrigens guter Dinge, virenfrei zu sein. Das endgültige Ergebnis soll es in 24 bis 48 Stunden geben, so der Leiter des Gesundheitsamtes.

Kilian Pfeiffer