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«Costa»-Kapitän bezeichnet Havarie als «banalen Unfall»

Rom (dpa) - Vor knapp einem halben Jahr sank die «Costa Concordia». Pünktlich dazu meldet sich Kapitän Francesco Schettino wieder zu Wort - und stellt sich als Opfer der Katastrophe dar. Den Schiffbruch bezeichnet er als «banalen Unfall». Im Internet hagelt es Kritik.

Costa Concordia
Das gekenterte Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" vor der Küste von Giglio. Foto: Luca Zennaro/Archiv Foto: dpa

Er glaube nicht, dass er ein Verbrechen begangen habe, sagte Schettino am Dienstagabend in einem Interview der italienischen TV-Sendereihe «Quinta Colonna» von Canale 5. Gleichzeitig bat er um Vergebung. Seine Aussagen lösten im Internet große Empörung aus.

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Bei dem Unglück des Kreuzfahrtschiffes der Reederei Costa Crociere vor der toskanischen Insel Giglio waren am 13. Januar 30 Menschen umgekommen, darunter 12 Deutsche. Zwei Menschen werden immer noch vermisst.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Kapitän unter anderem mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie und Verlassen seines Schiffes während der nächtlichen Evakuierung vor. Sollte ihn eine Schuld treffen, dann bestehe diese darin, unkonzentriert gewesen zu sein, ansonsten habe er sich nicht viel anderes vorzuwerfen, sagte Schettino. «Am Ende ist es mir gelungen, einen frontalen Aufprall (auf den Felsen) zu verhindern.» Während der Evakuierung an Land angekommen, sei es ihm dann auch unmöglich gewesen, zum Schiff zurückzukehren, wie es der Offizier der Küstenwache, Gregorio De Falco, wiederholt vom ihm telefonisch verlangt hatte.

Der Kapitän bittet aber auch um Vergebung: «Meine Trauer, meine aufrichtigsten Gefühle gelten den Personen, die leider nicht mehr sind», sagte Schettino. «Bei einem Unfall werden nicht nur das Schiff oder die Gesellschaft damit identifiziert, sondern auch der Kapitän», erläuterte er dem privaten TV-Sender. «Es ist also normal, dass ich mich als ein Repräsentant dieses Systems entschuldigen sollte.»

«Ich habe nie gedacht, dass so etwas passieren könnte», sagte der Kapitän, der sich selbst ein «Opfer dieses ganzen Systems» nannte. «Es ist, als hätte es in allen Köpfen und auch in den Instrumenten einen Black-out gegeben». Er habe die manuelle Navigation angeordnet und nicht mehr das Kommando gehabt, denn die Richtung sei offiziell vorgegeben gewesen. Dass er die Evakuierung noch hinausgezögert habe, verhinderte nach Schettinos Ansicht ein noch größeres Desaster, weil das 290 Meter lange Kreuzfahrtschiff noch vor dem Erreichen niedrigerer Gewässer durch die Gewichtsverlagerung gekentert wäre. «Weil wir uns über niedrigerem Grund befanden, hat es weniger Opfer gegeben», bekräftigte er seine Ansicht, Leben gerettet zu haben.

Das Schettino-Interview löste im Internet eine Welle der Kritik aus. So habe es die Aufforderung empörter Blogger gegeben, die Sendung zu boykottieren. In Blogs sei auch von einem Honorar von mindestens 50 000 Euro für Schettino die Rede gewesen, der seit ein paar Tagen nicht mehr unter Hausarrest steht. Die Verantwortlichen der Sendereihe haben diese Angaben allerdings sofort dementiert.

Das Kreuzfahrtschiff war in der Unglücksnacht vor knapp sechs Monaten zu nahe an die Insel herangefahren, hatte einen Felsen gerammt und war mit mehr als 4200 Menschen an Bord gekentert.