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CSU schickt Thomas Weber ins Rennen

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Thomas Weber, Ortsvorsitzender der Bischofswieser CSU, ist aus vollster Überzeugung bereit für das Bürgermeisteramt. Am 16. März ist der 47-jährige Großkundenmanager als Wahlhelfer in der Gemeinde anzutreffen: »Das lenkt mich ein bisschen ab, ich kann mir vorstellen, dass ich sehr nervös sein werde.« Foto: Anzeiger/Irlinger

Bischofswiesen – Nach zwölf Jahren Freie-Wähler-Herrschaft möchte die CSU zum 1. Mai dieses Jahres wieder das Regiment in Bischofswiesen übernehmen – mit Thomas Weber auf dem Bürgermeisterstuhl. Mit seinem offenen, transparenten Politikstil will der 47-jährige Diplomingenieur bis zur Kommunalwahl am 16. März die Wähler für sich gewinnen. Fern liegt dem Ortsvorsitzenden, seine drei Mitbewerber um das Bischofswieser Bürgermeisteramt in einem schmutzigen Wahlkampf schlechtzumachen.


Präsent ist Thomas Weber in der Bischofswieser Kommunalpolitik seit sechs Jahren. 2008 trat er in den CSU-Ortsverein ein, innerhalb kürzester Zeit stieg er zum stellvertretenden Ortsvorsitzenden auf, seit 2011 leitet er den Ortsverein. So gut, dass ihn seine Parteikollegen als Gemeindeoberhaupt sehen möchten. Nachdem eine mögliche Kandidatur ausführlich mit Ehefrau Michaela und Onkel Sepp Fendt, dem Präsidenten des Internationalen Rodelsportverbandes FIL, abgesprochen wurde, steht für den »Alte-Herren-Fußballer« und »Genussradler« seit knapp einem Jahr fest: Er möchte als neuer Bürgermeister von Bischofswiesen einiges verändern.

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Sollte er sich gegen seine Mitbewerber Thomas Resch (Freie Wähler), Sepp Stangassinger (UBB) und Sepp Angerer (SPD) durchsetzen, wäre einer seiner ersten Taten, die Zusammenarbeit im Bischofswieser Gemeinderat zu verändern. »Im Rat muss endlich wieder ein wertschätzender Umgang miteinander herrschen«, erklärt Weber, »man kann und darf sich um Sachen streiten und jeder hat das Recht, seine Sicht dazustellen, aber man sollte auch parteiübergreifend eine Lösung finden, sich nicht persönlich verletzen und danach noch in die Augen schauen können.«

Nicht nur ein wertschätzender Umgang im Ratsgremium steht im Falle einer Wahl auf der Prioritätenliste von Thomas Weber, auch die aktive Bürgerbeteiligung liegt dem 47-Jährigen am Herzen. »Ich möchte viel unter die Bischofswieser Bürger gehen und die Bevölkerung in die Arbeit der Gemeinde einbinden, nur so erfährt man von ihren Sorgen, Nöten und Problemen.« Mit öffentlichen Bürgerveranstaltungen hat der CSU-Ortsvorsitzende bereits gute Erfahrungen gemacht. In Anlehnung an die »Jetzt-reds-Ihr«-Stammtische des vergangenen Jahres möchte Weber regelmäßige »Kaminabende« mit Gewerbetreibenden, Landwirten und Touristikern aus Bischofswiesen einführen. »Die Offenheit gegenüber den Bürgern sollte ein Dauerzustand werden. Ich mag nicht darauf warten, dass die Betroffenen erst zu mir kommen, wenn sie ein Problem haben, sondern schon zuvor agieren. Und dies geht nur, wenn man permanent mit seinen Bürgern in Kontakt ist«, ist sich Weber sicher.

Gesellig ist der CSU-Kandidat allemal: Als Bischofswieser Weihnachtsschütze ist das traditionelle Schießen an Heiligabend und Silvester eine Ehrensache, als Sportschütze ist der Freitagabend im Winter fest für die »Rauhen Köpf« reserviert und als leidenschaftlicher Feuerwehrler ist er seit 27 Jahren aktiv dabei, wenn es in Bischofswiesen »brennt«. Tradition und Brauchtum sind für Weber sehr wichtig: »Es sind Werte, die geschützt werden müssen«, fordert der Bischofswieser. Dass er aufgrund seiner schulischen und beruflichen Ausbildung in Traunstein und später in Berlin nicht in eine Buttnmandlbass oder einen Trachtenverein eintreten konnte, bedauert der 47-Jährige auch etliche Jahre danach noch etwas.

Aus seiner Zeit als Pressesprecher bei der Telekom in Traunstein weiß er, dass die meisten Probleme entstehen, weil zu wenig kommuniziert wird. »Ich bin ein offener und ehrlicher Mensch, manchmal verbrenne ich mir auch den Mund, aber mein Beruf hat mir gezeigt, das ist der erfolgreichste Weg.« Für Weber steht als Großkundenmanager bei T-Systems in München Durchsetzungsvermögen auf der Tagesordnung. Bundesweit ist er als Kundenvertreter für die Sana-Kliniken AG tätig und weiß aus seiner langjährigen Karriere bei der Telekom, dass Entscheidungen manchmal wehtun können, aber trotzdem nötig sind. »Viele Bischofswieser kennen mich als den netten Nachbarn, doch ich kann auch anders«, verrät Thomas Weber. »In den letzten Jahren habe ich gelernt, Entscheidungen zum Wohle einer Sache zu treffen.« Und genau dieses Erlernte möchte er nun in Bischofswiesen umsetzen – Entscheidungen zum Wohle der Bischofswieser Bürger treffen. Nur im Privathaus am Egglerpoint überlässt er die Entschlüsse gerne mal Gattin Michaela und den beiden Töchtern Stephanie und Johanna.

Dass das Erbe von Toni Altkofer in Bischofswiesen nicht leicht anzutreten ist, davon ist der Diplomingenieur überzeugt. Derzeit klagt die Gemeinde in zwei Fällen gegen den Freistaat – eine Klage davon bezieht sich auf die Unterbringung der Asylbewerber im ehemaligen Hotel »Almrausch« am Panorama Park. »Keiner kann sich dem Thema Asylbewerber mehr verschließen, wir haben auch die Pflicht, uns um die Asylbewerber zu kümmern«, betont Weber. Trotzdem hätte er das Ganze anders angepackt. Laut dem Bürgermeisterkandidaten hätte im Vorfeld gemeinsam mit dem Landrat nach geeigneten Unterkünften gesucht werden müssen, um einer Situation wie jetzt vorzubeugen. »Sollte ich Bürgermeister werden, steht auch die Asylbewerberthematik ganz oben auf meiner Prioritätenliste.« Schließlich lassen die Schicksalsschläge, die sich hinter jedem einzelnen Asylbewerber verbergen, Thomas Weber nicht kalt. »Es ist unglaublich, welches Leid die Asylbewerber ertragen mussten, aus diesem Grund haben wir auch beschlossen, diese persönlichen Schicksale nicht zum Wahlkampfthema zu machen.«

Strukturelles, parteiübergreifendes Handeln innerhalb der Gemeinde und gleichzeitig gemeinsames Handeln mit den restlichen vier Talkesselgemeinden hat sich der Familienvater auf die Agenda geschrieben. »Wir müssen lernen, über den Tellerrand zu blicken und Synergieeffekte nutzen, ohne Angst zu haben, etwas zu verlieren.« Seien es ortsinterne Probleme wie das Thema Bahnhof, Wanderwege oder bezahlbarer Wohnraum oder gemeindeübergreifende Projekte wie Tourismus, Stützpunkt Sport, Jugendarbeit oder der Ausbau von Radwegen – unvoreingenommen und unbelastet möchte Thomas Weber als Gemeindeoberhaupt diese Aufgaben angehen. Caroline Irlinger