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Die Eheleute Sabine und Dr. Bartl Wimmer ziehen gemeinsam in Gemeinderat und Kreistag ein

»Da bewegt sich etwas«

Berchtesgaden – Sabine und Bartl Wimmer sind als Grüne seit Jahrzehnten politisch aktiv. In der am 1. Mai beginnenden Legislaturperiode sitzen sie das erste Mal gemeinsam im Berchtesgadener Gemeinderat – und im Kreistag. Dort gab es die Wimmers im Doppelpack aber schon einmal.

Seit Jahrzehnten kommunalpolitisch aktiv; Sabine und Bartl Wimmer im heimischen Wintergarten am Doktorberg. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Ja, die Politik, das ist so eine Sache. Für die Wimmers aber eine immens wichtige. Das betont Bartl Wimmer mehrfach. Klar, der Mann ist viel beschäftigt, die Woche über ist er unterwegs, er ist Geschäftsführer von »synlab«, einem Unternehmen mit mehreren Tausend Angestellten, vertreten in 20 Ländern. Zeit ist somit knapp. Das Wochenende? »Das gehört der Familie«, sagt Bartl Wimmer. Ehefrau Sabine und den Kindern. Vier Kinder haben die Wimmers, 17, 20, 22 und 24 Jahre alt. Aus dem Gröbsten sind sie also raus, mittlerweile gibt es schon Enkelkinder.

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Geerdeter Chef

»Wir führen seit jeher eine Wochenend-Ehe«, sagt Sabine Wimmer. Die beiden wissen wohl am besten, wie das geht. Sie ist daheim, macht das, was zuhause anfällt, engagiert sich ehrenamtlich, sie ist gewissermaßen die Mutter des »Werk 34«, des Mehrgenerationenhauses in der Bergwerkstraße.

Und Bartl Wimmer? Der ist seit über 20 Jahren Chef des Unternehmens, auf der ganzen Welt unterwegs, 60, 70, 80 Wochenstunden sind keine Seltenheit. »Ich bin ein relativ politischer Mensch«, sagt er über sich. Die Kommunalpolitik bietet ihm Erdung. Früher war er im Bischofswieser Gemeinderat, heute agiert er in Berchtesgaden für die Grünen. »Das brauche ich«, sagt er. »Ein guter Kontrapunkt.«

Wenn Bartl Wimmer zurückblickt, nimmt die Politik für ihn seit jeher einen besonderen Stellenwert ein. Trotzdem stand es für ihn nie zur Debatte, »große Politik« zu betreiben. »Ich hab mich für die Großfamilie entschieden«, sagt er. In die Landespolitik gehen? Wimmer hatte sich zwar für den Landtag aufstellen lassen, einen Versuch war es wert. Aber eigentlich war es immer die Kommunalpolitik, die ihn verfolgte, die er verfolgte. Und das macht er mittlerweile seit über 30 Jahren. »Da kann man eine Entwicklung sehen, es bewegt sich etwas«, sagt er.

Der, der auffällt, der kein stilles Wasser ist, einer mit Meinung, ein Vertreter des persönlichen Standpunkts. Deutliche Worte findet er dabei immer. Von seinen politischen Kollegen wird er geachtet. Als Rhetoriker, der selbst Unangenehmes charmant-nachdrücklich in Worte verpackt.

Kreistagskinder

Der gebürtige Berchtesgadener kam 1984 in den Bischofswieser Gemeinderat, 30 Jahre ist das her. Sabine Wimmer, die aus Baden-Württemberg kommt, kandidierte schon zuvor für Peter Kargers Bürgergruppe.

1990 bis 1996 saßen Sabine und Bartl Wimmer gemeinsam im Kreistag. »Meine Kinder hatte ich dann immer mit dabei«, sagt die Wahl-Berchtesgadenerin, die die Jugend AG in Berchtesgaden ins Leben gerufen hat, mit einem Grinsen. Drei Kinder waren schon da, die wurden dann in einem »Körberl« mit in die Sitzungen genommen. »Einigen altgedienten Kreisräten hat das damals überhaupt nicht gefallen.«

Sabine Wimmer engagierte sich politisch, sie gründete in den 80er Jahren den Verein »Mütter gegen Atomkraft«, es folgte die Besetzung der Insel »Christlieger« im Königssee, »die erste erfolgreiche Inselbesetzung«, scherzt Sabine Wimmer. Bei Friedensmärschen waren die Wimmers immer vorne mit dabei.

Bartl Wimmer war der Sprecher der Bürgerinitiative, die sich anlässlich Berchtesgadens Bewerbung für die Olympischen Spiele 1992 formiert hatte. Über 300 Mitglieder zählte die Bewegung damals. »Der Umgangston war rau«, erinnern sich die Wimmers. Mehrfach vor Gericht stand der heutige Geschäftsmann, Morddrohungen landeten im Briefkasten, das Thema »Olympia« war ein heiß umkämpftes.

Der besondere Ton

Bartl Wimmer, der in Berchtesgaden zur Schule gegangen ist, sagt, dass sich in den letzten 30 Jahren in der Kommunalpolitik viel getan habe. »In Bischofswiesen haben wir gestritten, dann sind wir alle zum Schafkopfen gegangen.« Sein Wechsel nach Berchtesgaden, in den Gemeinderat, kam einem »Kulturschock« gleich. »Da gingen die Fraktionen plötzlich nur noch untereinander auf ein Bier.« Gegenüber den Grünen habe sich aber viel getan: »Die Stimmung ist gut.« Kritik, als Partei dazustehen, die immer gegen alles ist, lässt Wimmer nicht gelten. Gegenbeispiele gibt es. Das Hotel »Edelweiß« etwa.

Bei der Zusammenarbeit unter den Gemeinden – da gebe es für die Zukunft noch viel zu tun. »Das kommt auf den Bürgermeister drauf an«, sagt Bartl Wimmer. Wenn die untereinander nicht können, herrscht gemeindeübergreifender Stillstand. Für Wimmer eine Horrorvorstellung. »Kooperationen sind notwendig.« Der in so mancher Talkesselgemeinde anstehende »Generationswechsel« sei gut, frischer Wind, Wimmers Erwartungen sind groß.

Ein klares Leitbild für die Region soll her. Stärken, auf die man sich konzentrieren müsse. »Bislang fehlt ein Konzept«, sagt der Berchtesgadener, der erst kürzlich einen Achtungserfolg bei der Landratswahl einfuhr. Eine Richtschnur sei vonnöten, eine Kräftebündelung im Landkreis, auf diesem Weg sichere man sich auch die gesellschaftliche Akzeptanz.

Berchtesgaden, als Ort genommen, attestiert er im Übrigen eine gute Entwicklung in den letzten Jahren. Das Hotel »Edelweiß« habe dazu in vielerlei Hinsicht beigetragen.

Grüne mal drei, SPD mal zwei

Dass es für die Eheleute nun gemeinsam in den Gemeinderat und den Kreistag geht, sei natürlich eine schöne Sache, eine einmalige Angelegenheit obendrein. Das war es dann aber auch. Eine Überbewertung ist nicht die Sache der Wimmers. Die Grünen in Berchtesgaden haben nun einen Sitz mehr, insgesamt drei, die SPD musste einen Platz räumen, auf nunmehr zwei Sitze. Eine gute Ausgangsposition also. In Berchtesgaden wird es viel zu tun geben, prognostiziert Wimmer, die Ortsentwicklung ist so ein Thema, die Überversorgung mit Lebensmittelmärkten, mittelständische Existenzen, die im Ortskern darunter leiden. Sechs Jahre Kommunalpolitik warten auf die beiden. Für Bartl Wimmer ist es die sechste Legislaturperiode. Kilian Pfeiffer