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»Da war nix mehr so wia vorher«

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Unser Bild zeigt die Siegsdorfer Bläser. (Foto: Bauregger)

Bereits zum 23. Mal veranstaltete der Siegsdorfer Trachtenverein das Adventssingen in die Pfarrkirche. Dankbar nutzten die Mitwirkenden und die Zuhörer in der abgedunkelten Pfarrkirche die Glockenklänge des Angelusläutens, um zur Ruhe zu kommen und sich der Stille hinzugeben, bevor die vier Bläser der Musikkapelle Vogling-Siegsdorf mit der feierlich vorgetragenen Weise »Auf der Winterstub‘n« das Adventssingen eröffneten.


Pfarrer Thomas Rechberg lud die Zuhörer ein, auf der Suche nach Stille, Licht und einer heileren Welt Jesus ins eigene Herz aufzunehmen. Auf den Weg dorthin könnte es hilfreich sein, den Medienkonsum einzuschränken, die Gemeinschaft zu pflegen und sich hellhörig und feinfühlig den schwachen und hilfsbedürftigen Menschen zu öffnen. Auch der Sprecher Franz Krammer ermunterte die Zuhörer, ihr Leben »Auf dem Weg zur Krippe« immer wieder neu zu ordnen, sich ein erreichbares Ziel zu stecken und, wenn es notwendig ist, auch neu anzufangen, so wie die Hirten dies getan haben. Denn, nach der Frohbotschaft des Engels auf dem Feld »war nix mehr so wia vorher«, so der Sprecher. Mit einem ganz besonders fein vorgetragenen Geigenjodler füllten die drei jungen Geigenspielerinnen der »Lohberg Geigenmusi« das barocke Kirchenschiff ein erstes Mal, an den sie mit ihren Freunden auf der Harfe, der Steirerziach und dem Kontrabaß den »Apfelbaam-Boarischen« nahtlos anfügten. Die jungen Musikantinnen und Musikanten aus Chieming, Grabenstätt und aus Siegsdorf überzeugten an diesem Abend insbesondere durch ihre feine, ausgeprägt harmonische, ruhige wie tänzerische Art zu musizieren, in der sie »An Christian seiner« den »Schwammerling Walzer« den 89-90er Walzer und immer wieder wunderbare Geigenjodler zum Klingen brachten.

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Vier weitum bekannte Musikantinnen und Musikanten haben sich in der »Quartl Musi«, besetzt mit Akkordeon, Zither, Gitarre und Kontrabass, vor Jahren zusammen gefunden. Sie kommen aus dem Achental und den Großraum Rosenheim. Im feinen, homogenen Zusammenspiel trugen sie selten gehörte Stücke wie »A bsundare Nocht«, »Weils nachad boid wieda soweit is«, »Menuett der Freundschaft« und die Hirtenpolka »Frisch auf« in einer außergewöhnlichen Klangfarbe und besonderer Ausdruckskraft vor. Die bläserische Note fügte das bereits gehörte Quartett der Musikkapelle, in der Besetzung mit zwei Trompeten und zwei Zugposaunen dem Programm hinzu. Mit dezent und feierlich vorgetragenen Weisen wie »O Jubel, o Freud – Der Heiland ist geboren« und »Das ist die stillste Zeit im Jahr« ergänzten sie das Advenssingen hörenswert.

Gesanglich brachten sich an diesem Abend die Geschwister Krammer aus Siegdorf mit einer klaren Frauenstimme und zwei dezent weichen Männerstimmen ein. Stimmlich ausgewogen intonierten sie ansprechende Lieder wie »Mitten im Winterschnee – Geh Hansl pack die Binkerl zamm« oder das mystisch und eindringlich vorgetragene Lied »A Liacht is aufkemma«.

Die zweite Gesangsgruppe kam aus Schleching, in der ein Vater mit seiner Tochter, der Enkelin und dem Schwiegersohn, gleichzeitig auch Zitherspieler der »Quartl Musi«, zusammen singen. Auch sie trugen die Lieder wie »In einer kalten Winternacht«, »Ein Engel war von Gott gesandt«, »Wos is denn do drunt aufm Land« oder »Hansl, Hausl« in einer angenehm unaufdringlichen, dezenten, stimmlich gut passenden Art und Weise vor und ließen als Schlusspunkt einen vierstimmigen Jodler erklingen. Zudem hatten sie, wie auch die Geschwister Krammer, weniger bekannte Lieder aus dem unerschöpflichen Fundus alpenländischer Volks- und Weihnachtslieder mitgebracht.

Schließlich erfreuten vier Hirterbuam des Trachtenvereins die Besucher mit einem kurzen Spiel zur Frohbotschaft des Engel an die Hirten, mit klaren Stimmen und passenden Gesten stimmig vorgetragen. Mit ruhiger Stimme fügte Franz Krammer dem Programmablauf immer wieder mit sinnigen, sinnlichen Gedanken, Gedichten und Geschichten Ruheinseln zum Zuhören hinzu. Er verstand es ausgezeichnet die Besucher zum Nachdenken zu bringen, ohne ständig den moralischen Zeigefinger zu heben. Vielmehr ließ er jedem den Freiraum, den er für seine Gedanken benötigte.

Diese wunderbare Mischung aus Volksliedern, vielfarbiger Volksmusik und ausgewählten Texten war es schließlich, die dieses Adventssingen zu etwas ganz Besonderem gedeihen ließ. Die Zuhörer spürten dies offenbar auch, als sie sich, nach dem gemeinsam gesungenen Andachtsjodler, mit lang anhaltenden Applaus bei den Mitwirkenden bedankten und ihr »Dankeschön« durch eine großzügige Spende zugunsten des »Helferkreises Besuchsdienst Altenheim Siegsdorf« ausdrückten. Werner Bauregger