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»Damit hat sich einer meiner Kindheitsträume erfüllt«

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Markus Eisenbichler holte in der vergangenen Saison bei der Weltmeisterschaft gleich dreimal Gold. (Foto: Winkler)
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Skispringer Markus Eisenbichler vom TSV Siegsdorf hat sich auch für die neue Saison viel vorgenommen. Der 28-Jährige, der im vergangenen Winter unter anderem Dreifach-Weltmeister geworden ist, will erneut ganz vorne mitmischen. Foto: Angelika Warmuth/dpa

Spätestens seit der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft ist Markus Eisenbichler der neue deutsche Überflieger. Binnen 24 Stunden gewann der 28-jährige Skispringer auf der legendären Bergiselschanze von Innsbruck den Einzel- und Teamwettbewerb sowie eine Woche darauf den Mixed-Team-Wettbewerb und darf sich seitdem Dreifach-Weltmeister nennen. Im Interview mit unserer Sportredaktion verrät der sympathische Siegsdorfer, der mit 248 Metern ja auch den deutschen Rekord im Skifliegen hält, was sich seit seiner erfolgreichen Saison alles für ihn geändert hat, welche Ziele er sich für die neue Saison gesteckt hat und was ihn so richtig grantig macht!


Hallo Herr Eisenbichler, wie lebt es sich plötzlich im Rampenlicht?

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Ich würde sagen, es ist nicht anders! Aber ehrlich: Ich mag es nicht immer so gern, wenn ich im Rampenlicht stehe. Ich mag es oftmals lieber ruhig und entspannt. Es freut mich aber sehr, wenn ich die Leute begeistern kann.

Ihre drei WM-Titel und ihre starke Saison haben Ihnen viel Ruhm und Ehre eingebracht. In Ihrem Heimatort Siegsdorf heißt bald die Turnhalle nach Ihnen...

Das ehrt mich natürlich sehr, ich bin dort schließlich auch zur Grundschule gegangen. Das ist eine tolle Anerkennung! Aber es fühlt sich auch ein wenig komisch an. Ich mache ja schließlich mein Hobby.

Können Sie noch in Ruhe einkaufen gehen?

Ja, natürlich! Mich reden jetzt zwar ein paar Leute mehr an, aber das ist meistens ganz entspannt. Die meisten finden es super, dass einer von ihnen hier ganz vorn mitspringt auf der großen Weltbühne der Skispringer.

In Planica gelang Ihnen auch endlich Ihr erster Weltcupsieg. Sind Sie erleichtert, dass Sie den Ruf des ewigen Zweiten ad acta legen konnten?

Ich bin in erster Linie froh darüber, dass sich einer meiner Kindheitsträume damit erfüllt hat! Ich wollte schon immer einen Weltcupsieg landen, dass der dann auch noch beim Skifliegen gelingt, war umso schöner für mich! Besser hätte ich es mir nicht vorstellen können. Und wenn ich daran denke, kommen immer noch die Emotionen hoch!

Aber natürlich stimmt es, dass ich zuvor reihenweise zweite Plätze gemacht habe, aber auch damit war ich sehr zufrieden! Meine Konkurrenten sind ja auch sehr stark. Für mich ist wichtig, dass ich immer mein Bestes gebe und eine gute Leistung abrufe. Gelingt mir das, bin ich am Ende des Tages auch mit einem fünften, sechsten, siebten oder achten Platz zufrieden. Dann war eben an diesem Tag nicht mehr drin!

Würden Sie sagen, dass die vergangene Saison unter dem Strich perfekt für Sie war?

Die Saison war extrem gut, aber perfekt war sie sicher nicht! Den Gesamtweltcup habe ich ja nicht geholt – und das ist mein allergrößtes Ziel, was ich habe. Aber ich bin jetzt auch nicht so verbissen, dass ich sage, ich springe so lange weiter, bis das klappt. Ich werde mich aber sicherlich nicht auf meinen bisherigen Erfolgen ausruhen. Auf jeden Fall habe ich in der vergangenen Saison wieder viel dazu gelernt. Und es geht immer noch mehr. Man hat es ja gesehen, der Japaner Ryoyu Kobayashi war noch eine Liga höher.

Kobayashi hat ja unter anderem auch die Vierschanzentournee dominiert. Sie wurden Gesamtzweiter. Wäre mehr drin gewesen, wenn Sie in Innsbruck besser gesprungen wären?

Im Nachhinein kann man immer sagen, wenn es so gewesen wäre, dann wäre es so gekommen. Aber das weiß man ja nie. Es war halt damals so. Die Vierschanzentournee steht für mich aber auch gar nicht so sehr im Vordergrund. Ich bin deshalb wohl auch nicht so verbissen reingegangen, zählte nicht zu den Favoriten – und dann lief es. Das war natürlich schon eine angenehme Situation für mich. Aber meine Ziele liegen klar woanders. Wie gesagt: Schon als Kind habe ich immer davon geträumt, einen Weltcupsieg zu feiern, Skiflug-Weltmeister zu werden und den Gesamtweltcup zu gewinnen. Den Weltcupsieg habe ich jetzt ja schon.

Das deutsche Team startet ja mit einem neuen Bundestrainer in die Saison. Wie läuft aus Ihrer Sicht bisher die Zusammenarbeit mit Stefan Horngacher?

Extrem gut – auch wenn man es bei den Sommerspringen von den Ergebnissen her jetzt vielleicht noch nicht so gemerkt hat. Wir haben einen ständigen Austausch zwischen Trainer und Athlet. Das ist für mich wirklich wichtig. Er hat auch eine harte und strenge Linie. Aber das finde ich sehr gut. Ich springe auf jeden Fall schon stabiler als im letzten Sommer. Das fühlt sich gut an. Die Stimmung in der Mannschaft ist auch sehr gut. Das sind beste Grundvoraussetzungen, dass es im Winter laufen wird.

Andreas Wellinger ist verletzt. Wie schwer wiegt sein Ausfall fürs deutsche Team?

Das war natürlich schon ein Schock für uns. Aber es hilft nichts, wir können den Kopf jetzt ja auch nicht in den Sand stecken. Wir müssen jetzt das Bestmögliche aus dieser Situation machen und sind dabei auf einem guten Weg – auch mit den jungen Springern. Ich kann es aber gut nachempfinden, wie es Andi jetzt geht. Aber er hat bei mir oder auch bei Severin Freund schon gesehen, dass man nach Verletzungen zurückkommen kann und dass es danach sogar weiter bergauf gehen kann.

Aktuell findet ja der Sommer Grand Prix statt. Sie sind in Wisla mit Platz vier als bester Deutscher gestartet, zuletzt gab's in Hinterzarten Platz 21 und in Courchevel Platz 17. Sind Sie damit zufrieden?

Nein, vor allem sprungtechnisch war ich nicht zufrieden. Für mich steht im Sommer aber ganz klar der Trainingsprozess im Vordergrund. Ich sehe den Grand Prix deshalb auch als Training auf einem hohen Niveau an, wo eben auch andere Springer dabei sind.

Zuletzt haben Sie ein Springen wegen Ihres Urlaubs ausgelassen. Sehen wir Sie nochmals beim diesjährigen Sommer Grand Prix?

Ja, in Hinzenbach und in Klingenthal bin ich auf alle Fälle wieder am Start. Diese Springen sind auch sehr wichtig, da muss man vorn bei der Musik dabei sein. Da wird das Paket für den Winter geschnürt.

Und daheim bei der Familie tanken Sie die Kraft für den anstrengenden Winter, oder?

Ja! Ich bin viel unterwegs – übrigens auch im Sommer – und das ist anstrengend. Daheim kann ich gut entspannen. Am liebsten mache ich dann im Winter einfach eine Skitour oder treffe mich mit Freunden – das ist extrem wichtig für mich.

Bleiben wir in Ihrer Heimat. Die Schanzen in Ruhpolding und Hammer fristen seit Jahren ein Schattendasein. Blutet Ihnen da das Herz, schließlich haben Sie auf diesen Schanzen einst Ihre Karriere begonnen?

Da blutet mir nicht nur das Herz, da werde ich richtig grantig – gerade wenn ich an die Anlage in Ruhpolding denke! Ich verstehe, dass das alles nicht einfach ist. Aber ein bisschen mehr mit Nachdruck könnte man da schon dahinter sein. Es wäre wünschenswert, wenn die Jugend wieder die Chance haben könnte, hier bei uns diesen schönen Sport, den ich machen darf, trainieren zu können. Speziell bei uns im Nachwuchs stelle ich auch fest, dass die Leistungsdichte nicht mehr da ist. Ich habe deshalb die Sorge, dass es diesbezüglich nach unten geht. Die Politiker und Funktionäre sind da jetzt mal gefordert.

Blicken wir noch kurz auf die bevorstehende Wintersaison. Der Druck wird auf Sie diesmal noch größer sein. Wie gehen Sie damit um?

Ich gehe damit ziemlich entspannt um. Was andere von mir erwarten, ist mir egal. Wichtig ist für mich, was meine Familie und meine Freunde denken – und ich selbst möchte natürlich zufrieden sein.

Welche Ziele stecken Sie sich für die neue Wintersaison?

In dieser Saison steht ja eine Skiflug-WM (in Planica, 19. bis 22. März 2020, Anm. d. Red.) an. Das ist natürlich ein extrem großes Ziel von mir, da möchte ich vorn dabei sein! Und im Gesamtweltcup will ich so weit nach vorne kommen, wie es eben möglich ist. Ich hoffe, dass sich meine Ziele erfüllen lassen. Aber wenn es nicht passieren sollte, dann bin ich auch nicht traurig darüber! Das Wichtigste ist, dass ich gesund bleibe!

Stephanie Brenninger