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Darmspiegelung ist »Goldstandard« in der Krebsvorsorge

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Untersuchungen mittels Endoskopie sind im Magen-Darm-Bereich heute medizinischer Standard.

Frau W. ist 56 Jahre alt. Heute hat sie einen Termin bei ihrer Hausärztin. In letzter Zeit ist Frau W. immer müde, fühlt sich schlapp und weniger belastbar als sonst. Die Hausärztin nimmt ihr Blut ab. In der Blutbildanalyse zeigt sich eine Verminderung des roten Blutfarbstoffs, eine Blutarmut. Die Hausärztin befragt Frau W., ob ihr aufgefallen sei, dass sie Blut verliert. Doch Frau W. hat weder im Stuhl noch im Urin Blut festgestellt. Die Ärztin empfiehlt Frau W. eine Untersuchung beim Frauenarzt sowie eine Magen- und Darmspiegelung.


Beim Frauenarzt meldet sich Frau W. an, die Magen- und Darmspiegelung aber sind ihr aber unheimlich. Sie bespricht sich mit der Hausärztin. Es wird nun zunächst ein Stuhltest auf nicht sichtbares Blut im Stuhlgang durchgeführt. Frau W. gibt den Test ab. Nach der Analyse im Labor wird sie von der Ärztin über das Ergebnis informiert. Leider hat der Test unsichtbares Blut im Stuhl nachgewiesen. Die Ärztin bespricht erneut die Notwendigkeit einer Darmspiegelung mit ihrer Patientin. Frau W. meldet sich beim Gastroenterologen zur Magen- und Darmspiegelung an.

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Oft Polypen im Darm

Am Untersuchungstag ist Frau W. aufgeregt. Die Arzthelferin und der Gastroenterologe erklären ihr nochmal den Ablauf der Untersuchung. Das Gespräch beruhigt Frau W.. Sie bekommt für die Untersuchungen eine Kurznarkose. In der Darmspiegelung entdeckt der Gastroenterologe einen großen Polypen, dieser ist an der Oberfläche blutig belegt. Der Polyp wird mit einer Schlinge von der Darmschleimhaut abgetragen und zur feingeweblichen Untersuchung in die Pathologie geschickt.

Der Arzt erklärt Frau W., dass die Ursache für das nachgewiesene Blut im Stuhl gefunden und entfernt werden konnte. Jetzt muss noch das Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung abgewartet werden. Nach wenigen Tagen erhält der Gastroenterologe den Bericht der Pathologie. Zum Glück sind in dem Polypen noch keine höhergradigen Veränderungen festgestellt worden. Der Arzt informiert Frau W. über das Ergebnis und bespricht mit ihr, dass sie in fünf Jahren erneut eine Darmspiegelung durchführen lassen sollte. Frau W. ist erleichtert und merkt sich einen Termin in fünf Jahren vor.

Blut im Stuhl sollte immer zu einer weiteren Abklärung führen, um keine ernsthafte Krankheit zu übersehen, beziehungsweise deren Diagnose zu verzögern. Blut im Stuhlgang kann in verschiedenen Formen auftreten. Häufig finden sich nur einzelne Blutspritzer in der Toilettenschüssel oder Blutspuren am Toilettenpapier. Es kann aber auch heftige Blutungen geben.

Besonders tückisch ist aber, dass es auch, wie im Beispiel von Frau W., zu einem unsichtbaren Blutverlust über den Stuhlgang kommen kann. Es gibt in solchen Fällen zwar eine Blutungsquelle im Magen-Darmtrakt, der tägliche Blutverlust ist aber so gering, dass es nicht zu einer Färbung des Stuhlgangs kommt. Trotzdem macht sich der Blutverlust nach einiger Zeit über eine Blutarmut bemerkbar. Dieser nicht sichtbare Blutverlust kann mittels Stuhltest nachgewiesen werden.

Dies spielt auch in der Darmkrebsvorsorge eine Rolle. Von den Krankenkassen wird ab dem 50. Lebensjahr jährlich ein Stuhltest auf nicht sichtbares Blut im Stuhl bezahlt. Wenn in diesem Stuhltest Blut nachgewiesen wird, wird eine Darmspiegelung bezahlt. Die Stuhltests sollen also dazu beitragen, dass Risikopersonen frühzeitig eine Darmspiegelung erhalten, um so Polypen oder Darmkrebs frühzeitig zu entdecken.

Sterblichkeitsrate sinkt

Seit etwa zwei Jahren werden für die Darmkrebsvorsorge sogenannte immunologische Stuhltests verwendet, diese sind noch genauer und nicht so fehleranfällig. Goldstandard in der Darmkrebsvorsorge ist aber die Darmspiegelung, die im Zweifel immer durchgeführt werden sollte und ab dem 55. Lebensjahr auch als Vorsorgeuntersuchung von den Krankenkassen bezahlt wird. Die Darmkrebsvorsorge ist effektiv. Im Jahr 2002 wurde die Vorsorgedarmspiegelung in das gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm aufgenommen. Seither treten weniger Darmkrebsfälle auf und die Sterblichkeit an Darmkrebs sinkt. Dies liegt auch daran, dass ein früh erkannter Darmkrebs gut behandelt und in vielen Fällen geheilt werden kann. Die Entwicklung könnte aller Wahrscheinlichkeit nach noch besser sein, wenn mehr Menschen an der Krebsvorsorge teilnehmen würden. Denn deutschlandweit gingen seit 2002 nur 20 bis 30 Prozent der Anspruchsberechtigten zur Vorsorgedarmspiegelung.

Wenn nun im Stuhltest nicht sichtbares Blut nachgewiesen wurde, sollte eine Darmspiegelung zur weiteren Abklärung erfolgen. Wenn auch dort keine Ursache gefunden wird, kann eine Magenspiegelung angeschlossen werden, um eine Blutungsquelle in der Speiseröhre, dem Magen und dem Zwölffingerdarm auszuschließen. Blutungsquellen könnten zum Beispiel Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre, aber auch eine Reihe anderer Erkrankungen sein.

Wenn auch hier kein Hinweis auf eine Blutungsquelle gefunden wird und keine Blutarmut vorliegt, das Blutbild in der Laboranalyse also normal ist, kann auf eine weitere Untersuchung verzichtet werden. Die Stuhltests sind so empfindlich auf Blutspuren, dass sie auch bei kleinen Schleimhautverletzungen positiv werden. Eher selten ist eine schwere Erkrankung die Ursache für einen positiven Test.

Videokapsel filmt Darm

Wenn jedoch in der Blutbildanalyse eine Blutarmut (Anämie) diagnostiziert wird, so sollte nach Darm- und Magenspiegelung weitere Diagnostik erfolgen, sofern die Blutungsquelle nach diesen Untersuchungen noch nicht klar ist. Hier spielen die Computertomographie und die Kapselendoskopie eine Rolle. Bei der Kapselendoskopie wird eine Videokapsel geschluckt, die auf ihrem Weg durch den Dünndarm einen Film an einen Recorder sendet. Ein Gastroenterologe wertet diesen Film aus und sucht nach einer Blutungsquelle. Wenn eine solche, z.B. eine Gefäßanomalie, im Dünndarm gefunden wird, kann auch der Dünndarm mit extralangen Endoskopen in einer speziellen Technik untersucht werden. Dies ist jedoch keine Routinediagnostik mehr.

Wenn immer wieder nach dem Stuhlgang Blutspritzer in der Toilette sind oder Blutspuren am Toilettenpapier, so besteht der Verdacht auf das Vorliegen von Hämorrhoiden. Eine Untersuchung des Afters und des Analkanals, eine sogenannte Proktoskopie, kann diese Diagnose bestätigen. Auch solche nur geringfügigen Blutungen sollten immer abgeklärt werden, da sich auch hinter diesen schwere Erkrankungen verbergen können. Beispielsweise können auch Tumore des Afters, des Analkanals oder des Mastdarms solche Blutspuren verursachen. Aus diesem Grund ist auch in solchen Fällen eine Darmspiegelung zur weiteren Diagnostik empfehlenswert.

Was tun bei Bauchweh?

Viele Menschen kennen immer wiederkehrende Bauchbeschwerden mit Verstopfungen, Durchfällen oder Schmerzen. Häufig geht man von einem sogenannten Reizdarm aus. Bevor diese Diagnose gestellt wird, sollte jedoch eine ärztliche Abklärung der Beschwerden erfolgen. Treten plötzlich Blutbeimengungen im Stuhlgang auf, müssen alle Alarmglocken klingeln, denn in solchen Fällen liegt meist eine behandlungsbedürftige Erkrankung vor. Wie in allen Fällen sollte dann zunächst eine Darm- und Magenspiegelung erfolgen.

Sollte eine Tumorerkrankung vorliegen, ist es wichtig, diese so früh wie möglich zu diagnostizieren. Häufiger liegen entzündliche Darmerkrankungen vor. Es kann sich dabei um akute infektiöse Erkrankungen, zum Beispiel eine Salmonelleninfektion, oder aber um eine chronisch entzündliche Darmerkrankung handeln. Die Ursache für die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, ist bisher nicht geklärt. Beide können aber zu schweren Entzündungen und eben unter anderem auch zu Blutungen führen. Die Colitis ulcerosa betrifft dabei fast ausschließlich den Dickdarm, während der Morbus Crohn von der Mundhöhle bis zum After im gesamten Verdauungstrakt zu Entzündungen führen kann.

Starke Blutungen aus dem Verdauungstrakt stellen eine absolute Notfallsituation dar und führen meist zu einer stationären Aufnahme der Betroffenen. Je nach Blutungsort im Verdauungstrakt kommt es entweder zu massiven Blutungen aus dem Darm oder zum Abgang von pechschwarzen, übelriechenden Durchfällen, dem sogenannten Teerstuhl. Teerstuhl tritt auf, wenn die Blutungsquelle eher im oberen Teil des Verdauungstrakts, also im Magen oder Dünndarm lokalisiert ist. Zu der Schwarzfärbung des Stuhls kommt es durch den Kontakt des Blutes mit der Magensäure. In solchen Fällen muss immer versucht werden, die Blutung so rasch wie möglich zu stillen.

Nicht selten kann, speziell bei Blutungen im Dickdarm, die Blutungsquelle auch nicht gleich gefunden werden. Wegen der starken Verschmutzung des Darms und der damit eingeschränkten Sicht für den Untersucher muss dann häufig, wie bei einer geplanten Darmspiegelung auch, eine Vorreinigung des Darms mittels Abführmitteln durchgeführt werden. In seltenen Fällen, insbesondere bei schweren Blutungen im Magen oder der Speiseröhre, ist eine intensivmedizinische Behandlung mit vorübergehender Beatmung nötig. Die Ursachen für solch schwere Blutungen sind vielfältig. So können zum Beispiel Krampfadern in der Speiseröhre, Magengeschwüre, Tumore, aber auch lokale Durchblutungsstörungen und lokale Entzündungen zu solch schweren Blutungen führen. Auch die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten aufgrund anderer Erkrankungen (z.B. Herzerkrankungen), begünstigt das Auftreten von schweren Blutungen.

Blutungen im Verdauungstrakt sind ein Warnsignal für ernsthafte Erkrankungen und sollten immer ärztlich abgeklärt werden.