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Darmstadts Aufstieg in den »Olymp der Verrückten«

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Darmstadt (dpa) - Auf einer feucht-fröhlichen Busfahrt schunkelten sich die Aufstiegs-Helden des SV Darmstadt 98 bis in die frühen Morgenstunden bei reichlich Bier und Schampus für ihren Party-Marathon ein.


»Wir machen jetzt drei Tage durch und feiern«, verkündete Torjäger Dominik Stroh-Engel nach dem Wahnsinnsfinale einer unglaublichen Saison des künftigen Fußball-Zweitligisten.

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Hunderte Fans empfingen ihre Lieblinge im Morgengrauen mit Feuerwerk und Pyrotechnik in der Heimat. Dort hatten in der Nacht rund 10 000 Anhänger die Rückkehr der Südhessen in die 2. Liga nach 21 Jahren ausgelassen gefeiert. In der Innenstadt steht eine große Sause an, ehe die Mannschaft zum Ballermann düst. »Es geht nach Mallorca, da ist einiges vorbereitet. Das wusste der Trainer nicht, denn das hätte ihm bestimmt nicht gefallen«, verriet der zum Mitaufsteiger 1. FC Heidenheim wechselnde Torhüter Jan Zimmermann.

Schon auf der Alm waren nach dem irren 4:2-Sieg bei Arminia Bielefeld alle Dämme gebrochen. Als Joker Elton da Costa mit seinem Traumtor in der Nachspielzeit der Verlängerung den Aufstieg perfekt gemacht hatte, gab es für Trainer Dirk Schuster und die komplette Ersatzbank kein Halten mehr. »Da ist der Gaul mit uns durchgegangen. Das war ein kleiner Platzsturm«, meinte Schuster schmunzelnd.

»Jetzt ist das fußballerische Weltwunder definitiv eingetreten«, frohlockte der von Bierduschen durchnässte Vereinspräsident Rüdiger Fritsch. Die Bielefelder Profis, deren Verantwortliche und die Arminia-Fans unter den 26 000 Zuschauern in der ausverkauften SchücoArena waren geschockt, die »Lilien« obenauf: 2013 war Darmstadt als sportlicher Absteiger nur deshalb in der 3. Liga geblieben, weil Kickers Offenbach die Lizenz entzogen worden war.

Dann folgte eine Traumsaison mit dem dritten Platz und das Fußball-Märchen in der Relegation. »Mir sind vor Freude die Tränen gekommen. Ich wusste, dass wir ein verrückter Haufen sind. Heute sind wir in den Olymp der Verrückten aufgestiegen«, stammelte Stürmer Marco Sailer. Und Schuster frohlockte: »Es gibt einen Fußballgott, der uns belohnt hat für den Aufwand, den wir betrieben haben.«

Schuster war es, der trotz des 1:3 im Hinspiel immer an eine Chance seines Teams geglaubt hatte. Und seine Profis traten in diesem Geist an. Zudem trugen sie Armbänder mit dem Spruch »Du musst kämpfen, es ist noch nichts verloren«, um den gegen Krebs kämpfenden Tennisspieler Jonathan Heimes zu unterstützen.

Drittliga-Torschützenkönig Stroh-Engel (23. Minute), Hanno Behrens (51.) und Jerome Gondorf (79.) nach dem Bielefelder 1:2 durch Felix Burmeister (53.) hatten Darmstadt in die Verlängerung gebracht. Dort schien der Aufstiegstraum durch das 2:3 von Kacper Przybylko (112.) zunächst geplatzt, ehe der zehn Minuten zuvor eingewechselte da Costa den dramatischen Schlusspunkt setzte.

Vom 21. Mai an steht für das Management nun wieder der Alltag an. Denn die Darmstädter müssen die Auflagen der Deutschen Fußball Liga (DFL) für die 2. Liga erfüllen. Größtes Problem ist das Stadion am Böllenfalltor, das nicht mehr zeitgemäß ist. Unter anderem geht es laut Fritsch um die Installation einer Rasenheizung.

An den Kosten soll es nicht scheitern, schließlich kommen durch den Aufstieg etwa fünf Millionen Euro Mehreinnahmen dazu. »Es ist eine Frage der Zeit. Alles ist vorbereitet, nun sind die Bauexperten gefragt«, sagte Fritsch. Die Lizenz sieht der Wirtschaftsjurist aber nicht in Gefahr. »Wir haben sicherheitshalber ein Ausweichstadion mit dem FSV Frankfurt benannt«, sagte er.