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Das 69. Filmfestival Venedig startet

Venedig (dpa) - Auf dem Festivalgelände klafft eine riesige Baugrube, notdürftig bedeckt mit Plastikplanen.

69. Filmfestival in Venedig
In Venedig werden jetzt wieder Goldene Löwen vergeben. Foto: Claudio Onorati Foto: dpa

Kein wirklich schöner Anblick. Gerade wenn am kommenden Mittwoch (29.8.) das 69. Internationale Filmfestival Venedig eröffnet wird und ein paar Meter weiter zahlreiche Stars über den roten Teppich schreiten werden. Doch das hat Alberto Barbera nicht abgeschreckt. Der Italiener ist in diesem Jahr als Leiter der venezianischen Filmfestspiele zurückgekehrt - und will zahlreiche Veränderungen durchsetzen. Die Baugrube ist dabei nur eine seiner Baustellen. Erste Neuerungen werden schon in diesem Festivaljahr deutlich, bei dem 18 Filme - darunter zwei deutsche Koproduktionen - im Wettbewerb um den Goldenen Löwen konkurrieren.

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Die Filmfestspiele in Venedig rühmen sich, das älteste Festival der Welt zu sein. 2012 feiern sie, trotz einiger Unterbrechungen in den Anfangsjahren, ihr 80-jähriges Bestehen. Doch die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. Die Gebäude sind alt und die Kinos ächzen unter den Anforderungen. «Venedig, das sich bis jetzt im Vergleich mit anderen Festivals am wenigsten entwickelt hat, stehen grundlegende Erneuerungen bevor», kündigte Barbera daher an, der das Festival von 1998 an schon einmal für gut drei Jahre geleitet hat. Neben baulichen Veränderungen rief er schon für dieses Jahr einen Filmmarkt ins Leben. Ein Novum auf dem Lido, aber wichtig für die Geschäfte der finanzstarken Branche. «Ich glaube, ein Markt ist unverzichtbar, um Venedig wieder in eine Liga mit den großen Festivals der Welt zu bringen», sagte Barbera im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Auch der Wettbewerb, in dem das europäische Kino zahlenmäßig dominiert, lässt Barberas Reformvorhaben erahnen. Der ist nicht nur verschlankt. Die Mehrheit der Filme, die bis zum 8. September um die Gunst der Jury konkurrieren, kommt außerdem von Regisseuren, die zum ersten Mal im venezianischen Wettbewerb vertreten sind. Wie Ramin Bahrani, den der bekannte US-Kritiker Roger Ebert bereits als «den neuen großen amerikanischen Regisseur» bezeichnete.

Der 37-jährige Bahrani zeigt nach Filmen um gesellschaftliche Außenseiter nun «At Any Price», ein Drama um einen Farmer und dessen Konflikte mit seiner Familie. Dafür konnte er so prominente Schauspieler wie Jungstar Zac Efron, Dennis Quaid und Heather Graham engagieren. Ähnlich wie der Kalifornier Harmony Korine, der sich in der Independent-Szene als Drehbuchschreiber von «Kids» einen Namen machte und mit «Spring Breakers» - mit James Franco, Selena Gomez und Vanessa Hudgens - erstmals im Venedig-Wettbewerb zu sehen ist.

Nach der heftigen Kritik am Filmfest Cannes, wo nur männliche Regisseure in der Konkurrenz um den Hauptpreis waren, hat Barbera außerdem vier Regisseurinnen in den Wettbewerb eingeladen - bislang ebenfalls ungewohnt. Darüber hinaus eröffnet die Inderin Mira Nair das Festival mit ihrem Politdrama «The Reluctant Fundamentalist» mit Kate Hudson und Kiefer Sutherland - allerdings außer Konkurrenz.

Im Vorfeld sind es aber erneut vor allem ältere Männer, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Außer Konkurrenz läuft zum Beispiel der neue Film des 103-jährigen Manoel de Oliveira mit Claudia Cardinale sowie Robert Redfords Thriller um einen Umweltaktivisten, für den der 76-Jährige Susan Sarandon und Nick Nolte gewann.

Auch im Rennen um den Goldenen Löwen stechen ältere Regisseure hervor: Der 71-jährige Brian De Palma («Mission: Impossible», «Scarface») vereint in seiner französisch-deutschen Produktion «Passion» Karoline Herfurth mit «Millennium»-Star Noomi Rapace und Rachel McAdams. Der Österreicher Ulrich Seidl (59) wiederum stellt in dem aus Deutschland mitfinanzierten «Paradies: Glaube» ebenfalls eine Frau ins Zentrum, die religiös-missionarisch getrieben ist.

Mit Spannung erwartet werden zudem Paul Thomas Andersons «The Master» um einen selbsternannten Guru (mit Philip Seymour Hoffman) sowie Terrence Malicks «To the Wonder» mit Javier Bardem und Ben Affleck. Das Werk erscheint zwar schon ein Jahr nach dem in Cannes mit dem Hauptpreis ausgezeichneten «The Tree of Life», ist aber der erst sechste Spielfilm seiner fast 40-jährigen Karriere. Der US-Amerikaner gilt als äußerst scheu und taucht fast nie in der Öffentlichkeit auf. Wahrscheinlich lässt sich das Regiephantom auch in Venedig nicht blicken - es sei denn, es stehen auch bei ihm mit 68 Jahren tiefgreifende Veränderungen an.

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