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»Das Chiemgau-Gymnasium ist mir ans Herz gewachsen«

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Traunstein: Nach 19 Jahren geht Klaus Kiesl aus dem Amt des CHG-Schulleiters in den Ruhestand
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Klaus Kiesl hat künftig viel Zeit, sich zu entspannen. Bei einer der Abschiedsfeiern, die er in den vergangenen Tagen anlässlich seines Ausscheidens aus dem Amt des Schulleiters gab, durfte er, freundlich aufgefordert, schon einmal das Entspannen ausprobieren und auf einem Liegestuhl Platz nehmen. (Foto: Chiemgau-Gymnasium/Stefan Schuch)

Traunstein – Es war ein Mittwoch. Direktor Klaus Kiesl konnte seinen Augen kaum trauen, als er am 20. April 2005 wie gewohnt seine Arbeit im Chiemgau-Gymnasium (CHG) aufnahm. Er sah sich, wie er erzählt, einer »riesigen Menge unbekannter Menschen« gegenüber: 20, vielleicht sogar 30 Journalisten aus dem In- und Ausland gaben ihr Stelldichein an den Toren des CHG.


Alle wollten von ihm etwas über einen ehemaligen Schüler wissen: über Joseph Ratzinger, den die Kardinäle am Vortag in Rom zum neuen Papst gewählt hatten. Weißer Rauch war aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle aufgestiegen. Und Klaus Kiesl gab bereitwillig Auskunft über den neuen Papst aus deutschen Landen. »Er war ein Einser-Schüler.«

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Im Februar 2001 hat Kiesl die Schulleitung im CHG übernommen. Nach über 19 Jahren an der Spitze legt er nun das Zepter aus seiner Hand. Altersteilzeit macht er – und der 62-Jährige aus Übersee verlässt die Schule jetzt am 31. Juli in Richtung Ruhestand.

In Kiesls Fußstapfen tritt Markus Gnad, der in den vergangenen Jahren bereits als Stellvertreter an seiner Seite gestanden war. Weil die Corona-Pandemie keine große Feier erlaubte, verabschiedete sich Klaus Kiesl an mehreren Tagen im Rahmen kleiner Zusammenkünfte. Die geladenen Gäste würdigten die Leistungen des Schulleiters.

»Ich glaube, es ist Zeit für einen Wechsel«, sagt Kiesl, der so viele Jahre das so große Schiff Chiemgau-Gymnasium als Kapitän auf Kurs hielt. Hier und jetzt macht er Platz für einen neuen, jüngeren Direktor – was, wie der 62-Jährige meint, »für die Schule gut ist«. Alle Herausforderungen, die er in den zurückliegenden Jahren zu meistern hatte, bereiteten ihm nicht nur viel Arbeit, sondern auch jede Menge Freude. »Ich hab's sehr gern gemacht.« Zu keiner Zeit habe er einen Wechsel in Betracht gezogen. »Das Chiemgau-Gymnasium ist mir ans Herz gewachsen.«

Seine Wurzeln liegen in der Oberpfalz. Geboren in Roding besuchte Kiesl das Gymnasium in Cham, dann studierte er in Regensburg Lehramt, seine Fächer waren Deutsch und Geschichte. In Eichstätt bekam er seine erste Stelle als Lehrer, fünf Jahre arbeitete er dann im Kultusministerium, 1998 kam er nach Traunstein und übernahm den Posten des stellvertretenden Schulleiters am Annette-Kolb-Gymnasium – und im Schuljahr 2000/2001 wechselte er schließlich zum CHG.

»Es war immer was los«, blickt er auf viele ereignisreiche Jahre im Amt des Schulleiters zurück. Allein schon die Einführung des achtjährigen Gymnasiums erforderte sein organisatorisches Talent auf besondere Weise, ebenso der Rückbau der Strukturen zum alten und neuen Modell der neunjährigen Schulzeit. Vieles durfte und musste er anfassen, etwa auch den, wie er sagt, »Komplex Digitalisierung«. Und zuletzt, als er schon zum Endspurt auf seiner persönlichen Zielgerade ansetzte, ergab sich für ihn dann auch noch eine Herausforderung ungeahnten Ausmaßes: Das Corona-Virus traf auch das CHG bis ins Mark – im Unterricht mussten neue Wege eingeschlagen werden.

Ein Höhepunkt in seiner langen Amtszeit als Schulleiter fiel ins Jahr 2007. Damals erhielt das Gymnasium eine neue, große Aula. Kiesl hatte das Projekt Anbau auf den Weg gebracht, das CHG machte er zur Ganztagsschule – und damit kam er an einen Fördertopf des Bundes. Zuschüsse flossen nach Traunstein, der kleinere Teil der Kosten war finanziert, den größeren übernahm der Landkreis, der Sachaufwandsträger für die Schule. Und schließlich erhielt das CHG die lang ersehnte, große Aula, die bis auf den heutigen Tag der, wie Kiesl sagt, »Dreh- und Angelpunkt« der kulturellen Veranstaltungen in der Schule sei.

»Das Ringen um Finanzmittel, die die Schule benötigt, ist oft schon sehr anstrengend«, meint der langjährige Schulleiter im Rückblick. Während in der EU die Milliarden mal eben so über den Tisch gehen, müsse eine Schule wie das CHG mitunter schon auch mal gehörig kämpfen, um 5000 Euro zu bekommen.

Das CHG hat sich unter der Leitung von Klaus Kiesl in den vergangenen zwei Jahrzehnten verändert – und zwar beträchtlich. So sagt der aus seinem Amt scheidende Direktor, dass die Schule 2001 einer Behörde geglichen habe, die Bildungschancen und Berechtigungen für das Berufsleben ausgegeben habe. Jetzt im Jahr 2020 sei das Gymnasium ein »Dienstleistungsbetrieb«. Kiesl: »Der Kunde bestellt – wir müssen liefern.«

Auf seiner Abschiedstour hatte Klaus Kiesl vielfach Grund, sich zu freuen – über Menschen, die ihm alles Gute für den Ruhestand wünschten. »Sehr bewegend« war für ihn, wie er sagt, ein Schreiben, das aus Italien kam. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. schickte ihm einen Brief. Einige Male hat Klaus Kiesl ihn treffen und kennenlernen dürfen, jetzt hält der 62-Jährige fünf Seiten des früheren Oberhaupts der römisch-katholischen Kirche in seiner Hand.