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»Das Geld spricht mit dir«

Berchtesgaden - Martin Leitl ist Elektroinstallateur mit Leib und Seele. Ein aufrichtiger, ehrlicher Handwerker mit einem Zwei-Mann-Betrieb. Als er am Sonntagabend sein Büro an der Salzburger Straße verließ und noch einmal durchschnaufte, nahm eine der seltsamsten Geschichten, die sich seit Langem im Talkessel ereignet hat, ihren Lauf. Martin Leitl fand 51 000 Euro auf einer Wiese.

Der ehrliche Finder: Hier auf der Wiese unterhalb der Salzburger Straße hat Martin Leitl die Tasche mit dem Geld gefunden. Foto: Anzeiger/Fischer

Sonntag, 17.45 Uhr. Martin Leitl verließ sein Büro. Der Handwerker ist jeden Sonntagabend da. Um die kommende Woche vorzubereiten. Es war kalt, als der Handwerker vor die Tür trat. Martin Leitl schlenderte über die Straße, stützte sich mit beiden Händen auf das Holzgeländer auf der Steinmauer, die entlang des Bürgersteigs an der Salzburger Straße verläuft. Er stand da und schaute. Zu den gegenüberliegenden Bergen, zu den Häusern am Hang unter ihm. Und auf die Wiese. »Ich stehe da gerne und schaue. Um durchzuschnaufen und den Kopf auszulüften. Andere rauchen eine Zigarette, ich stehe da und schaue«, erzählt der 52-Jährige.

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Und als er so schaute, entdeckte er etwas Merkwürdiges. Da, direkt unter ihm an der Mauer lag etwas. Eine Ledertasche. Martin Leitl war neugierig. Er kraxelte hinunter und schnappte sich das Teil. Als er die Tasche aufmachte, staunte er nicht schlecht. »Geldscheine, lauter Geldscheine waren da drin«, erinnert sich der Handwerker. Zig 500-Euro-Packerl.

Wie in Trance nahm Leitl die Tasche, setzte sich ins Auto und fuhr erst mal heim. Mit seiner Frau Susi zählte er dann das Geld. »Bei 20 000 Euro hat meine Frau Schüttelfrost bekommen«, berichtet Leitl. Er selbst hat nur ein »Wah!« herausgebracht. Geschätzter Puls: 160.

Der Geldhaufen auf dem Tisch wurde immer höher. 51 000 Euro waren es insgesamt. Leitl wurde mulmig zumute. Staunen, Ratlosigkeit. »Das Geld spricht mit dir«, sagt der Finder. Fragen drängten sich auf: Wer verliert so viel Geld? Wem gehört das Geld? Sollen wir es behalten? »Ich bin ein ehrlicher Mensch. Mir war klar, dass wir mit dem Geld nicht glücklich werden können«, betont Leitl. Deshalb haben seine Frau und er nicht sehr lange gezögert. Eine Stunde später sind die Beiden zur Polizei gefahren. »Die Beamten konnten erst gar nicht glauben, dass wir die Geldtasche, die ja bereits am Samstag als vermisst gemeldet worden war, gefunden haben«, erzählt Leitl.

Kurze Zeit später tauchte das Paar, das die Geldtasche auf dem Autodach vergessen und bei der Fahrt verloren hatte, in der Inspektion auf. »Die Beiden waren heilfroh, konnten ihr Glück kaum glauben«, sagt Martin Leitl. Zum Dank hat er 5 000 Euro erhalten. Als gesetzlich festgelegten Finderlohn hätte er nur 1 500 Euro bekommen müssen. Von dem Geld möchte sich Leitl etwas kaufen, das ihm Freude macht. »Wahrscheinlich eine Spiegelreflexkamera.« Für den redlichen Berchtesgadener Handwerker hat sich mal wieder bestätigt: »Ehrlichkeit zahlt sich aus.« Christian Fischer