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Das große deutsche Schwimm-Rätsel - und keine Lösung

Barcelona (dpa) - Keine Medaille, keine positive Überraschung und vor allem keine Erklärung. Der WM-Auftritt der deutschen Beckenschwimmer in Barcelona erinnert bislang frappierend an das Olympia-Debakel ohne Edelmetall.

Rätselraten
Cheftrainer Henning Lambertz hat keine Erklärung für die fehlenden Leistungen der deutschen Schwimmer. Foto: Friso Gentsch Foto: dpa

«Die Parallelen kann man nicht von der Hand weisen und man muss überlegen, warum ist das immer so?», fragte Chefbundestrainer Henning Lambertz. Wie vor zwölf Monaten in London trumpft Schmetterling-Ass Steffen Deibler stark auf, wie damals ist Britta Steffen dagegen keine Hoffnungsträgerin mehr. Und wie bei den Spielen fehlt auch ein mitreißender Auftritt aus der zweiten Reihe. «Es ist nicht so, dass die Ergebnisse, die an den ersten drei Tagen auf dem Tablett liegen, dass die uns große Freude machen», bekannte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow.

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70 Prozent der Schwimmer sollten ihre Zeit von den deutschen Meisterschaften Ende April in Berlin verbessern - geschafft haben es nach drei Wettkampftagen nur zwei von mehr als einem Dutzend Startern. Deibler, der mit 23,02 Sekunden gar zum deutschen Rekord schwamm, und Hendrik Feldwehr, der über 100 Meter Brust die Anforderung erfüllte; über 50 Meter blieb der Essener in 27,59 Sekunden hinter dem Ziel zurück und verfehlte um eine Hundertstelsekunde das Halbfinale. «Keine Ahnung, woran es gelegen hat», erklärte der WM-Vierte von 2011. So oder ähnlich klingen die meisten im Team.

Zwar mögen manche individuelle Erklärungen, von Nervosität über Trainingsmängel bis hin zu kleineren Erkrankungen, bei gutem Willen nachvollziehbar sein. Aber dass es gleich reihenweise Rückschläge gibt, spricht stark für einen grundlegenden Fehler im System. «Irgendwo ist da irgendwas, was wir noch nicht wissen, was wir nicht finden. Ich glaube nicht, dass das Trainingsmethodik ist. Es machen nicht auf einmal 25 Trainer, die beteiligt sind, alles verkehrt», rätselte Lambertz. Besonders bedenklich ist, dass selbst die im Vergleich zu den Vorjahren entschärften WM-Normen in Barcelona nicht erreicht wurden.

Dass man als deutscher Schwimmer auch schnell sein kann, beweist allerdings Steffen Deibler. Stark über die 50 Meter Schmetterling, Weltjahresbester über 100 Meter Schmetterling. «Er zeigt, dass er auf dem richtigen Weg ist», sagte Paul Biedermann. Der pausierende Weltrekordler schaute auf der ARD-Plattform vorbei und fühlte dort das WM-«Kribbeln».

«Steffen hat sich im letzten und im vorletzten Jahr das Vertrauen geholt», lobte auch Lambertz seine einzige «wahrscheinliche Medaillenoption». Die von Verbandspräsidentin Christa Thiel genannte Zielvereinbarung mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) von drei bis vier Medaillen der Beckenschwimmer und zehn Endlaufteilnahmen ist eigentlich nicht zu erreichen.

Es sieht mager aus, selbst in Sachen Achtungserfolge. Auch am Dienstag kletterten Feldwehr & Co. unzufrieden aus dem Becken. Einen Grund für das Verpassen der DM-Zeit hatte keiner parat. «Da müssen wir uns wirklich was einfallen lassen, warum ist das so, was sind die Gründe. Darüber denkt man viel nach», erklärte Lambertz, der erst ein gutes halbes Jahr im Amt und um seine Mission nicht zu beneiden ist. «Die ganze Individualität, die wir zugelassen haben, egal ob Norden, Süden, Osten, Westen, egal ob alte Trainer, junge Trainer, Frauen, Männer, ganz erfahrene Kollegen, ganz frische Newcomer - das kann ja nicht sein, dass alle auf einmal alles falsch machen.»

Ein paar Prozente kann vielleicht eine andere Mentalität herauskitzeln, wie sie etwa Freiwasser-Rekordweltmeister Thomas Lurz in der Teamsitzung hervorhob. «Er hat gesagt, ich gehe da rein und habe das Gefühl, entweder ich gewinne oder ich sterbe. Bevor ich nicht gewinne, muss man mich fast umbringen», verriet Lambertz aus der Ansprache. «Das ist die Einstellung, die wir brauchen. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Newcomer in diesem Becken das wieder lernen, dass es nicht dieses sich ergeben ist, sondern fighten, fighten, fighten. Bis zum letzten Moment.» Und der ist in Barcelona erst am Sonntag.

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