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»Das hat mit Kirchturmdenken nichts zu tun«

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»Ein Nord-Süd-Gefälle im Tourismus gibt es in fast jedem oberbayerischen Landkreis«, sagt Stephan Köhl, ehemaliger Chef der BGLT. (Archivfoto: Hudelist)

Bad Reichenhall – Die Berchtesgadener-Land-Tourismus-Gesellschaft, kurz BGLT, wird auf neue Beine gestellt. Wie berichtet, soll unter anderem die Marke »Berchtesgadener Land« durch »Berchtesgaden« und »Bad Reichenhall« ersetzt werden. Kritik daran kommt unter anderem aus Freilassing. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit dem ehemaligen BGLT-Geschäftsführer und kürzlich entlassenen Chef der »Tegernseer Tal Tourismus«, Stephan Köhl, über die Neuausrichtung des Tourismusmarketings im Landkreis. Die Frage, ob er sich denn wieder für eine Führungsposition bei der BGLT bewerben will, hat Köhl übrigens nicht beantwortet.


Herr Köhl, die Lenkungsgruppe im Markenprozess hat das Ende der Tourismusmarke »Berchtesgadener Land« eingeläutet. Warum ist es denn Ihrer Meinung nach in zehn Jahren BGLT nicht gelungen, diese Marke durchzusetzen?

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Stephan Köhl: Die BGLT hat zehn Jahre lang die Marke »Berchtesgadener Land« erfolgreich vermarktet. Jetzt geht die Region einen Schritt weiter. Durch die beiden Tourismus-Produktmarken »Berchtesgaden« und »Bad Reichenhall« kann sich das Tourismusmarketing noch näher zum Gast positionieren. Die Marke »Berchtesgadener Land« soll für den gesamten Wirtschaftsraum Berchtesgadener Land weiter ausgebaut werden.

Wie oft haben Sie in Ihren sieben Jahren als Geschäftsführer in Gemeinderäten die Arbeit der BGLT erklären müssen? Und am Ende hat's doch nichts gebracht?

Köhl: Ich habe in über 30 Gemeinderatssitzungen immer gerne die Arbeit der BGLT erklärt. Dort ging es darum, zu informieren und die effektive und effiziente Mittelverwendung transparent darzustellen. Und das ist ein wichtiger und notwendiger Teil der Kommunikation nach innen.

Jetzt soll es für einen Landkreis also zwei Marken geben. Ist das nicht wieder das Kirchturmdenken, vor dem Tourismusexperten immer wieder warnen?

Köhl: Mit der Konkretisierung in zwei Produktmarken kann sich die Tourismuskommunikation effektiver auf die beiden unterschiedlichen Zielgruppen konzentrieren. Das hat nichts mit Kirchturmdenken zu tun.

Sind die beiden neuen Marken nicht auch ein Eingeständnis, dass nennenswerter Tourismus im Landkreis in den früheren Landkreisen Berchtesgaden und Bad Reichenhall stattfindet und im Rest des Landkreises nicht?

Köhl: Das ist aber keine neue Erkenntnis. Der Süden macht etwa 65 Prozent, die Mitte 25 Prozent und der Norden 10 Prozent der Übernachtungen aus. Ein vergleichbares Nord-Süd-Gefälle findet sich übrigens in fast jedem oberbayerischen Landkreis. Und die BGLT kämpft im Berchtesgadener Land von Beginn an für die touristische Weiterentwicklung jeder Teilregion und jedes Ortes.

Die BGLT-Neu soll neben einer neuen Geschäftsführung auch zwei Bereichsleiter mit jeweils einem eigenen Beirat haben, ist das nicht eine de facto Entmachtung der Geschäftsführung?

Köhl: Die Bereichsleiter sind eine logische Neuerung, die gut und notwendig ist, da jetzt zwei Produktmarken gemanagt werden. Beiräte mit Praxisvertretern unterstützen die Bereichsleiter beim Markenmanagement und helfen dabei, Transparenz, Vertrauen und eine Entpolitisierung der Tourismusarbeit zu erreichen.

Die Positionierung »mächtigstes Bergerlebnis« mag für den inneren Landkreis stimmen, aber für den Rupertiwinkel? Für Freilassing, Laufen?

Köhl: Gäste sehen das »Bergerlebnis« durchaus auch von Freilassing, Saaldorf-Surheim oder Laufen aus. Sie sehen dieses beeindruckende Bergpanorama aus ihrem Hotelfenster, von ihren Wanderungen oder auf ihren Radtouren. Vielen Gästen ist der Blick auf die Berge ebenso lieb wie der Blick vom Berg herunter.

Vor allem in Freilassing gibt es Kritik von verschiedenen Seiten, hier sei der Erlebnisraum für den Gast ein anderer, eher Salzburg orientierter. Wie sehen Sie das, und wäre es sinnvoll, wenn sich zum Beispiel Freilassing von der BGLT und von Salzburg vermarkten ließe?

Köhl: Salzburg spielt für das gesamte Berchtesgadener Land eine wichtige Rolle. In vielen Projekten arbeiten die BGLT und alle Landkreisorganisationen eng mit dem Salzburger Land zusammen. Ich persönlich glaube nicht, dass Salzburg dazu bereit wäre, mehr touristische Vermarktung für das Berchtesgadener Land oder für Freilassing zu machen. Michael Hudelist