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Das Helle und das Dunkle im Menschen

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Maximilian Berger, alias Dr. Jekyll (rechts), bekommt Besuch von seinem Freund, gespielt von Patrick Brenner, und muss sich dessen unbequemen Fragen stellen. (Foto: B. Heigl)

Begeistert aufgenommen wurde die Premiere des Theaterstücks »Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde« Kulturhaus Chiemgau in Traunstein.


Er ist bekannt als ein großer Wohltäter in der Stadt. Seine Spenden für soziale Einrichtungen verschaffen ihm großes Ansehen und Respekt. Sein Freundeskreis ist erlesen und sehr kultiviert. Dr. Henry Jekyll könnte zufrieden sein, und sich mit den kleinen Ausschweifungen seines Standes zufrieden geben. Doch dann erliegt Dr. Jekyll der Versuchung, mit den Mitteln, die ihm in seinem Labor zur Verfügung stehen, nach einer Substanz zu forschen, die sein Bewusstsein verändert.

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Mit der von ihm erfundenen Droge verwandelt er sich nun immer häufiger in ein gewalttätiges Monster, das er von sich abspaltet, indem er ihm den Namen Edward Hyde gibt. Seine sinnlosen, wutentbrannten und tödlichen Gewaltausbrüche schiebt er einem ominösen »Hyde« in die Schuhe, der angeblich sein Freund ist und bei ihm wohnt. Seine Freunde, die er immer mehr vernachlässigt, machen sich alsbald Sorgen um Dr. Jekyll, weil sie seine Veränderung, seine Nervosität bemerken, und raten ihm eindringlich, sich von Hyde zu trennen. Jekyll/Hyde kann trotz Hilfe seiner Freunde das Monster nur mit seinem, selbst eingeleiteten, Tod besiegen.

So ist der Inhalt des Krimidramas aus dem düsteren London des 19. Jahrhunderts, das Robert Louis Stevenson 1886 geschrieben und das sich zum allseits bekannten Klassiker der Literaturgeschichte entwickelt hat. Das hochdramatische und sehr gruselig inszenierte Stück, das mit den Schauspielern Maximilian Berger in der Rolle des Dr. Jekyll und Mr. Hyde und Patrick Brenner in einer Dreifach-Rolle als Erzähler, Kollege Studienfreund und Anwalt besetzt ist, begeisterte das Premieren-Publikum in Traunstein von der ersten bis zur letzten Minute. Maximilian Berger, der als Regisseur das Stück neu entwickelt hat, faszinierte mit seiner Darstellung der Verwandlung vom Guten zum Wahnsinn des Bösen so sehr, dass einem der Schreck ordentlich in die Glieder fuhr, und man sich manchmal fast wünschte, nicht in der ersten Reihe zu sitzen. Noch dazu fanden die Gewaltausbrüche unsichtbar hinter einer Mauer statt. Man konnte also nicht sehen, was passiert, die Geräuschkulisse gab der Fantasie jedoch genügend Nahrung. Patrick Brenners Kunststück in gleich drei Personen-Rollen zu schlüpfen, angedeutet nur mit wenigen Requisiten und subtilen Stilmitteln, war faszinierend anzusehen. Sein sorgenvoller, freundschaftlicher Blick, wenn er mit seinem Freund Jekyll sprach, brachte die tiefe Freundschaft – auch in schwierigen Zeiten – ganz lebendig zum Ausdruck. Mit Video- und Tonkonserven-Einspielungen aus dem Off machte die Regie noch eine zusätzliche Ebene für die Zuschauer erlebbar.

Der Text des Stückes ist hochphilosophisch und natürlich auch in der heutigen Zeit immer noch hochaktuell. Er fordert den Zuschauer heraus, sich mit seinen eigenen Schattenseiten zu beschäftigen. Wertmaßstäbe und Moral, gesellschaftliche Übereinkünfte für das Miteinander, das Verdrängen der dunklen Seite, die Befreiung des Geistes aus der Realität durch den Rausch, Akzeptanz oder Ablehnung, all dass wird auch heute immer noch widersprüchlich diskutiert.

Enthusiastischer Applaus belohnte die beiden Darsteller für diese schauspielerische Meisterleistung, die vor allem Berger in den beiden Hauptrollen als Jekyll/Hyde zum Besten gab. Ohne sich zu schonen, mit manchmal brachialer Urgewalt, zeigte er, was das blaue Drogenserum in ihm anrichtete.

Für die stimmige und ideal bespielbare Bühne war Maja Rummswinkel zuständig, die sie nach den Ideen von Maximilian Berger entworfen hat, welche der Schauspieler, dann selbst gebaut hat. Die neue Tribüne des Theatersaals, ebenfalls von Berger gemeinsam mit Andreas Schwankl angefertigt, ermöglicht nun auf allen Plätzen freie Sicht.

Weitere Spieltermine sind am heutigen Freitag sowie am 24., 28., 29. und 30. April sowie am 6., 7., 28. und 29. Mai. Barbara Heigl