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»Das Internet ist ja Neuland für uns alle«

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Scharfzüngig präsentierte sich der Kabarettist Django Asül bei seinem Auftritt im Traunreuter k1. (Foto: M. Heel)

»Willkommen im Peter-Ramsauer-Gedächtnis-Theater.« So begrüßte der Kabarettist Django Asül sein Publikum im ausverkauften Traunreuter k1, und ähnlich scharfzüngig ging es auch weiter, knapp zwei Stunden lang. Liege doch ein bombastisches Jahr hinter uns, speziell für Bayern, wo Horst Seehofer nach seinem Wahlsieg erklären konnte: »Die Zeiten der Koalition sind endgültig vorbei, die Demokratie ist wieder hergestellt«, und aus Freude darüber Ilse Aigner, vormals »Bundesbeauftragte für Pferdelasagne«, in sein Kabinett berufen hat.


Weniger Lob fand der Kabarettist dagegen für »Super«-Kultusminister Ludwig Spaenle, der im Wahlkampf ein G 8 in neun Jahren ins Spiel gebracht hatte, also »quasi ein freiwilliges soziales Jahr auf dem Gymnasium.« Ähnlich konfus hätten nach Ansicht von Django Asül auch Hubert Aiwanger und seine Freien Wähler agiert, »wie die Piraten, bloß ohne Internet!«, Fettnäpfchen-Champion Peer Steinbrück sowieso, und glücklos waren auch die Grünen, die immerhin herausgefunden hätten, dass an ihrer Wahlniederlage die Wähler schuld waren. Und von der FDP habe allein Spitzenkandidat Rainer Brüderle Standfestigkeit und Weitblick bewiesen, als er mit drei Promille noch das Fassungsvermögen eines Dirndldekolletés richtig einzuschätzen vermochte. Apropos Internet! Da hatte die Kanzlerin den bemerkenswerten Satz gesagt: »Das Internet ist ja Neuland für uns alle.« Nicht verwunderlich also, wie der Kabarettist spöttisch anmerkte, dass andere noch weniger Ahnung hätten. Etwa Ex-Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, der sich bei seinem USA-Besuch erstaunt darüber gezeigt habe, dass es bei der NSA auch Spione geben soll; die zwar Merkels Handy überwachten, aber nur deshalb, »damit es ihr nicht geklaut wird.«

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Aber nicht nur politische Blindgänger, denen »Unwissenheit als Basis für Fachkompetenz dient«, bekamen bei dieser Rückschau ihr Fett ab, gewitzt und treffsicher nahm Django Asül auch diverse Prominente und Ereignisse aufs Korn, die ihm vergangenes Jahr besonders aufgefallen sind. Etwa Buchautor und sprachlich verirrter Superpatriot Boris Becker (»Ich stolz, Deutscher zu bin«) oder Franz Beckenbauer, der in Katar vergeblich nach Sklaven Ausschau gehalten hat. Aber auch das seltsame Humorverständnis des Markus Lanz in »Wetten, dass …« missfiel dem Kabarettisten, ebenso das Gehabe von Bischof Tebartz van Elst, der angesichts der angeblich rund 500 Euro Kosten für eine Klobürste bei der Hamburger Elbphilharmonie »bereits nachfragen hat lassen, wo es die teuren Stücke gibt.« Und schwer zu verkraften sei natürlich auch »Waldis« Fußballaussetzer gewesen.

Auswärts sehe es allerdings nicht viel besser aus, wie Django Asül abschließend ausführte. So habe die spanische Regierung beschlossen, auf Teneriffa eine Transrapid-Strecke zu bauen (»damit die dortigen Arbeitslosen schon mal das Zugfahren zur späteren Arbeitsstelle üben können«), und im amerikanischen Bundesstaat Iowa dürften jetzt auch Sehbehinderte und Blinde in der Öffentlichkeit Schusswaffen tragen, weil alles andere diskriminierend sei! Verrückte Welt eben. Wolfgang Schweiger

Der Lyriker Steffen Popp erhält den Peter-Huchel-Preis 2014. Wie der Südwestrundfunk (SWR) mitteilte, bekommt der in Greifswald geborene Autor die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung für seinen Band »Dickicht mit Reden und Augen«. Die Jury würdigte ihn als »herausragende Neuerscheinung des Jahres 2013«. Die Gedichte Popps seien »in einem eminent poetischen Sinne politisch«, hieß es weiter. Der Preis wird am 3. April - dem Geburtstag Huchels - in Staufen im Breisgau überreicht.