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»Das ist weltweit einmalig«

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Bock auf Eisbock: Hofbrauhaus-Chef Josef Stangassinger präsentiert den »Anzeiger«-Lesern exklusiv das neue Craft Beer. (Foto: Fischer)

Berchtesgaden – In seinem Büro schaut es derzeit aus wie in einem Fan-Shop. Eisbock überall. Postkarten, Gläser, Einladungskarten, Anstecker und per Hand ausgefüllte Zertifikate. »Sud-Nummer 1/11,61 % vol«, trägt Brauhaus-Chef Josef Stangassinger gerade ein. Und setzt schwungvoll ausladend sein Servus daneben. Bald ist es soweit, am 13. Juli wird der Eisbock, das neue Craft Beer des Hofbrauhauses offiziell im Gasthaus »Neuhaus« vorgestellt. Dem »Berchtesgadener Anzeiger« hat Stangassinger vorab exklusiv das Geheimnis des Nobelbieres verraten.


Herr Stangassinger, das Hofbrauhaus Berchtesgaden hat jetzt ein Craft Beer, also ein aufwendig handgemachtes Bier im Angebot. Diese Biere sind derzeit unglaublich gefragt.

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Josef Stangassinger (lacht): Ja, der Trend ist in aller Munde. Er kommt aus Amerika. Dazu muss man wissen, dass dort etwa 90 Prozent der Brauereien zu Konzernen gehören. Aber Bier ist nach wie vor ein emotionales Produkt. Deshalb haben sich Bierfreunde Gedanken darüber gemacht, wie man gegen diese Konzernsuppe ankommen könnte. Und sie haben es einfach selbst gebraut.

Einfach so? Wie geht denn das?

Stangassinger: Vor zehn bis 15 Jahren haben die Pioniere in den USA angefangen. Viele von denen haben vom Brauen keine Ahnung, aber sie fühlten sich zum Brauen berufen. Tätowierte Hipster, die noch nie etwas vom Reinheitsgebot gehört und bewusst Regeln gebrochen haben. Zum Beispiel, indem sie Peperoni oder Kakao ins Bier getan haben. Das war etwas Besonderes, das bei vielen Biertrinkern gut ankam.

Wie ging es dann weiter?

Stangassinger: Ganz klar, die Konzerne haben die Kleinen aufgekauft, um keine Marktanteile zu verlieren. Und versuchen, durch Automation Personal einzusparen. Da braut dann eine Software das Bier (lacht laut auf). PC-crafted statt handgemacht.

Wie ist der Trend des Craft Beers nach Deutschland gekommen?

Stangassinger: Deutschland hinkt da hinterher. Bei uns gibt es den Trend erst seit etwa drei Jahren. Aber er tut dem Produkt Bier gut und ist für die Verbraucher interessant.

Auch das Hofbrauhaus Berchtesgaden hat ab 13. Juli ein Craft Beer im Angebot. Den »Eisbock«. Was ist das Besondere an diesem Bier?

Stangassinger (stolz): Das ist ein heller Eisbock. Das ist weltweit einmalig. Einen dunklen Eisbock haben mehrere Brauereien im Angebot. Die Röstaromen des dunklen Malzes verdecken den Geschmack. Um aber einen hellen Eisbock zu brauen, muss man viel können und sehr präzise arbeiten.

Wie wird denn Ihr Eisbock hergestellt?

Stangassinger (schaut verschwörerisch): Das ist ein Betriebsgeheimnis.

Zumindest so ungefähr.

Stangassinger: Das Bier kommt in einen doppelwandigen Tank. Mit einem Kältemittel wird es auf -25 Grad abgekühlt. Dadurch kondensiert ein Wasser-Alkoholgemisch an der Wand. Dieser Vorgang heißt Reduktion. Ihn wiederholen wir viermal. Dabei werden aus 100 Litern Bockbier 10 Liter Eisbock. Logischerweise ist der Alkoholgehalt dann höher.

Klingt nach viel Arbeit.

Stangassinger: Ja, die Herstellung dauert fünfmal so lange wie bei anderen Bieren. 13 Wochen pro Charge. Von der übrigens jede einen anderen Alkoholgehalt hat.

Wie sind Sie denn auf so etwas gekommen?

Stangassinger: Den Eisbock habe ich gemeinsam mit unserem Braumeister Klaus Hesselbach entwickelt. Das hat sechs Monate gedauert.

Aber Bier einzufrieren und wieder aufzutauen. Wie ist Ihnen das eingefallen?

Stangassinger: Das Bier-Einfrieren ist vor 100 Jahren durch Zufall in Einbeck erfunden worden. Aber bis jetzt hat es eben nur dunkle Eisböcke gegeben. Ich wollte einen hellen.

Ist, abgesehen vom Produktionsverfahren, noch etwas besonders am Eisbock?

Stangassinger: Ja, die Zutaten. Das Beste, das es gibt. Alles handverlesen. Hallertauer Aromahopfen, ausgezeichnetes bayerisches Braumalz. Und natürlich das kristallklare Bergquellwasser aus dem Watzmannkar.

Wird der Eisbock ein Erfolg?

Stangassinger: Davon gehe ich aus. Der wird garantiert kein Flop. Der Vorverkauf an Getränkemärkte und die Gastronomie im Landkreis läuft bereits. Wir haben auch viele Anfragen von Feinkosthändlern.

Ist ihr Herstellungsverfahren patentiert? Haben Sie keine Angst, dass andere Brauereien ihre Idee klauen?

Stangassinger: Ein Patent gibt es nicht. Sollten sich andere auch an einen hellen Eisbock wagen, dann heißt es mal wieder: Oft kopiert, nie erreicht. Aber ich bin überzeugt davon, dass das eine Großbrauerei niemals machen kann. Das geht nur in Handarbeit.

Ist Craft Beer die Zukunft kleiner Brauereien?

Stangassinger: Nein. Wenn wir nur handgemachtes Bier im Sortiment hätten, wären wir verloren. Erstens ist die Kalkulation zu schmal. Und zweitens: Wer soll das alles trinken?

Ist Bier heutzutage ein Lebens- oder ein Genussmittel?

Stangassinger: Bier ist ein erschwingliches Genussmittel. Seine gesunden Eigenschaften sind wissenschaftlich belegt. Früher war das anders. Da war das Bier sprichwörtliches flüssiges Brot, ein Lebensmittel. Zu der Zeit, als man in einer Brauerei noch hart körperlich arbeiten musste, gab es das Deputatbier, also Gratisbier für Arbeiter. Früher war der Bierkonsum Teil des Alltags. Da muss ich nur an meine Oma denken?

An Ihre Oma?

Stangassinger (lacht): Ja, der hat eine Kaisersemmel und ein Seitl Bier gereicht (stutzt, lacht laut auf). Natürlich hat sie sich nicht nur davon ernährt.

Von einem Alltagsprodukt ist der Eisbock weit entfernt. Er wird per Hand in Maurerflaschen gefüllt, in Papier eingewickelt und mit einer zweiten Flasche sowie einem gravierten Kristallglaskelch in eine strohbefüllte Pappkiste gelegt.

Stangassinger: Der Eisbock ist ein Genussprodukt. Der Champagner der Biere. Er leuchtet honigfarben und hat einen weichen, cremefarbenen Schaum. Unser heller Eisbock sensibilisiert alle Geschmacksnerven vor einer besonderen Mahlzeit.

Und jetzt trinken wir einen Schluck, oder?

Stangassinger: Nein. Aber ab 13. Juli gerne. Christian Fischer