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»Das kinderlose Ehepaar«: Lesung mit Texten von Karl Valentin im Traunreuter k1

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Barbara de Koy und Johannes Silberschneider diskutierten nicht nur, ob die Suppe zu heiß gekocht wurde oder nicht. (Foto: Heel)

Karl Valentin war ein Genie des Humors, dessen Werke bis heute nichts an Wirkung verloren haben. Das zeigte sich wieder einmal bei der szenischen Lesung im Studiotheater des Traunreuter k1, wo die Schauspieler Barbara de Koy und Johannes Silberschneider Auszüge aus seinem Drehbuchentwurf »Das kinderlose Ehepaar« vortrugen. Ein zunächst etwas irreführender Titel, denn die Zwei haben Kinder, sogar fünf an der Zahl. Doch als der Vater nach allerlei Unbill eine Stelle als Hausmeister findet, bei der Kinder nicht erwünscht sind, müssen sie die Kleinen verstecken. Bis an Weihnachten der Schwindel auffliegt, sich aber dennoch alles in Wohlgefallen auflöst.


Diese Geschichte war jedoch nur der rote Faden, den Barbara de Koy und Johannes Silberschneider bei jeder Gelegenheit mit weiteren Dialogen und Monologen, Szenen und Liedern aus der Feder Valentins ergänzten. Auch dazu schlüpften sie meist in die Rolle eines alten Ehepaars, das sich am Tisch gegenübersitzt und gleich zu Beginn darüber streitet, wie heiß eine Suppe auf den Tisch kommen soll. Jedenfalls nicht so, »zu heiß gekocht«, wie der Mann meint und weiter nörgelt, bis die Frau wütend ausruft: »Ich lauf noch auf und davon!« Er: »Auf brauchst gar nicht laufen, nur davon! – Genügt mir vollständig.« Ärger gibt es auch bei der korrekten Pluralbildung für Semmelknödel. Da besteht der Mann hartnäckig darauf, dass es »Semmelnknödeln« heißen muss.

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Weitere absurd-verrückte Szenen spielten auf dem Arbeitsamt, und beim »Mord in der Eisdiele« war man verblüfft über das »eiskalte« Vorgehen des Täters. Dazwischen trat Barbara de Koy auch als Sängerin hervor, zuerst mit dem Lied »Parodie auf Still ruht der See«, später dann mit einem »Chinesischen Couplet«.

Die beiden Schauspieler, die auch im richtigen Leben ein Paar sind, ergänzten sich dabei perfekt und füllten ihre Charaktere mit Leben und sicherem Gespür für die Sprache und Denkweise Karl Valentins, von dem zu Recht gesagt wird, dass er als erster Künstler Münchens die volkstümliche Unterhaltung an die Bereiche der zeitgenössischen Kunst und Literatur heranführte. Kurzum, ein ungemein amüsanter Abend und eine wunderbare, absolut stimmige Hommage an einen einzigartigen Künstler. Wolfgang Schweiger