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Das langsame Ende der großen TV-Shows

Berlin (dpa) - Adé, du große Show. Das Jahr 2014 steht im deutschen Fernsehen für das langsame Sterben einer großen Unterhaltungsform, deren Geburtsstunde irgendwann in den fünfziger und sechziger Jahren anzusiedeln ist.

Wetten, dass..?
Abschied von einem TV-Dino: Markus Lanz moderiert zum letzten Mal «Wetten, dass..?». Foto: David Ebener Foto: dpa

Allen voran steht für dieses Genre natürlich der mittlerweile fast 34 Jahre alte ZDF-Klassiker «Wetten, dass..?», dessen Zeit angesichts stark sinkenden Interesses abgelaufen ist. Doch auch Neuentwicklungen auf dem Showsektor mussten herbe Rückschläge kassieren. Andere TV-Sendungen litten ebenso unter Desinteresse, aber auch Rekorde fielen im Jahr 2014. Ein Überblick:

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WETTEN, DASS.. ?: Nur noch knapp 5,5 Millionen Zuschauer - im Vergleich zu anderen TV-Sendungen immer noch gut, aber angesichts von zweistelligen Zahlen noch zwei Jahre zuvor beschloss das ZDF, sich vom einstigen Unterhaltungsdampfer zu verabschieden.

RISING STAR: Die große RTL-Showhoffnung entpuppte sich als Bauchlandung. Das Publikum wollte nicht noch eine neue Castingshow, auch wenn sie innovativ mit App-Nutzung daher kam. RTL reduzierte von 10 auf 7 Ausgaben, 1,11 Millionen Zuschauer waren der Tiefpunkt.

MILLIONÄRSWAHL: ProSieben trommelte gleich zu Jahresbeginn eine Netz-Community zusammen, die unter sich einen Millionär ausmachen sollte. Die Verbindung von Internet und klassischem TV ging schief: Die Quote fiel rasch unter die Millionengrenze.

KEEP YOUR LIGHT SHINING: ProSieben legte nach: Nach dem Reinfall mit der «Millionärswahl» setzte es mit der App-gestützten Castingshow «Keep Your Light Shining» eine zweite Pleite mit weniger als einer Million Zuschauern beim Finale am 5. Juni.

SING WIE DEIN STAR: Mit dieser Show wollte Jörg Pilawa eigentlich ursprünglich bei der ARD neu starten. Doch die Produktion verzögerte sich. Die Idee, Prominente ihre Lieblingsmusik nachsingen zu lassen, wurde zur Enttäuschung: nur 2,43 Millionen Menschen schalteten ein.

DIE GROSSE ÜBERRASCHUNGSSHOW: 3,32 Millionen Zuschauer waren dem ZDF für die schöne Michelle Hunziker am 26. März zu wenig. Eine zunächst geplante zweite Ausgabe der recht bieder anmutenden Sendung wurde nicht mehr realisiert.

DEUTSCHLANDS BESTE: Der Zweiteiler im Sommer hatte sogar passable Einschaltquoten, doch die von Johannes B. Kerner moderierte ZDF-Show entpuppte sich als Betrug am Zuschauer, stellten sich doch die Rankinglisten der «besten» Deutschen als manipuliert heraus.

Doch nicht nur im Showsektor verbuchten die Sender Rückschläge, auch andere neue Formate unterboten die angepeilte Flughöhe.

DIE STAATSAFFÄRE: Der Name Veronica Ferres allein ist kein Erfolgsgarant. Die blonde Solingerin in der Rolle der Kanzlerin, die ein Techtelmechtel mit dem französischen Präsidenten hat, interessierte nur 2,65 Millionen Zuschauer auf Sat.1.

MISSION FREUNDLICHKEIT - MEIN 100 TAGE EXPERIMENT»: Der Start des frei empfangbaren Disney Channel im Januar verlief gut, die erste für den deutschen Markt produzierte Reihe mit Jan Köppen funktionierte aber nicht. Der Name Disney steht eben für Cartoon und Serienimport.

CHECK: Mit dem Abschied von den altgedienten «Ratgebern» am Sonntag wollte die ARD im Netzzeitalter ein Zeichen setzen. Der «Check» am Montag ersetzte den «Ratgeber», was auch generell ganz gut klappte. Der Rechts-Check mit Frank Bräutigam fiel jedoch deutlich ab.

FILME: ARD und ZDF setzten gute Marken, vor allem am Montag oder am Mittwoch. Zum Beispiel der Improvisationsfilm «Altersglühen» (ARD) in der ARD mit gut 6,5 Millionen Zuschauern oder die neuen ZDF-Krimireihen am Samstag wie «Helen Dorn» mit rund 8 Millionen.

TATORT ist kein Film, er ist Kult und erreichte mit seinem Gespann aus Münster mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers mit 13,13 Millionen Zuschauern einen Spitzenwert. Für die zwei ist möglicherweise immer noch Luft nach oben.

FUSSBALL-WM: Der populärste Sport der Welt ist keine Erfindung des TV oder für das TV, das Fernsehen aber profitiert davon: Die ARD verbuchte beim deutschen Finalsieg gegen Argentinien mit 34,65 Millionen Zuschauern die höchste je gemessene Quote.

QUIZDUELL: Ein Auf und Ab der Gefühle für Moderator Jörg Pilawa am ARD-Vorabend: Erst nach zehn Tagen funktionierte die App, Pilawa spielte mit den Studiokandidaten zunächst «offline». Die Quoten waren passabel, deswegen geht es im Februar in die Fortsetzung - mit App.

SCHLECKER: Doppelt hält besser. Sat.1 und das ZDF lieferten sich ein Wettrennen mit zwei Filmen um die Drogeriemarktpleite. «Die Schlikkerfrauen» auf Sat.1 schnitten mit 3,05 Millionen Zuschauern passabel ab, auch der ZDF-Zweiteiler «Alles muss raus».

RTL UNDERCOVER: Mit neuen Reportageformaten und mit dem guten alten Aufdecker Günter Wallraff fährt RTL gut. Zumindest das Image wird aufpoliert, der Sender bleibt im Gespräch, das Publikum interessiert sich fürs Aufklärungs-TV jedoch nicht immer über die Maßen.

MORD MIT AUSSICHT: Eine deutsche Serie mit regelmäßig mehr als sechs Millionen Zuschauern. Und das bei starker internationaler Konkurrenz - so etwas kann sich sehen lassen und gibt den TV-Machern vielleicht Mut, mit eigenen Stoffen, gerne aus der Provinz, am Ball zu bleiben.

DANNI LOWINSKI: Nach dem «letzten Bullen» machte auch die Anwältin für Arme bei Sat.1 die Lichter in ihrer Kanzlei aus. Ausgerechnet mitten in die Diskussion um die Qualität deutscher Serien beendete der Münchner Sender eines seiner guten Erfolgsformate.

GESCHICHTE IM TV: Die großen historischen Ereignisse im TV im Wohnzimmer? Schwer vereinbar. Ganz nüchtern nach Quoten gemessen haben fast alle Beiträge zum 100. Jahrestag des Ausbruchs vom Ersten Weltkrieg und der 25. Jahrestag des Mauerfalls nicht viel gebracht.

DANIELA KATZENBERGER: Ihr Sternchen verglüht, blonder geht es eh nicht mehr, die aktuelle Staffel hat Vox eine Folge früher beendet. Selbst RTL-II-Langläufer wie «Zuhause im Glück» haben bessere Karten beim Publikum als «Natürlich schön» mit der «Katze».

«ALLE AUF DEN KLEINEN»: Die üppig ausgestattete, überlange RTL-Show mit Oliver Pocher ist zu Ende. Wieder einmal hat sich erwiesen: Der kleine Komiker aus Hannover ist gut für kurze Einsätze, trägt aber kaum eine abendfüllende Show.