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Die Theaterwerkstatt Traunstein spielt »Dantons Tod« noch morgen und übermorgen in der »Festung«

Das Leben des Revolutionärs ...

Da stehen sie, wie Puppen einer Revolution, allein im klaustrophobischen Raum der Höhle. Sie werden ihm nicht entkommen. Eine gefühlte Ewigkeit, ohne ein Wort, nur zischende Laute sind zu hören. Robespierre (Jakob von Kotzebue) bewegt dazu seine Hände auf und ab, als wären sie das Fallbeil, die Guillotine. Ein Bild dafür, dass ohnehin schon alles verloren und Dantons Tod längst ein abgekartetes Spiel der jakobinischen Tugendmafia ist.

Unser Bild zeigt das Ensemble der Theaterwerkstatt Traunstein auf der »Bühne« in der Traunsteiner Festung.

Jürgen Oestreich als Danton spricht ganz gewollt gegen den Strich: als depressive Jammergestalt mit Realitätsverlust und einer bis zum Ende anhaltender Motivitationsblockade. Bei seinem Verteidigungsauftritt vor dem Revolutionstribunal ist nicht einmal der Schatten des rhetorischen Charismatikers zu erahnen, stattdessen nur zwei Sätze, ruhig gesprochen jetzt auf dem Weg zur Guillotine: »Übrigens, was liegt mir an euch und eurem Urteil? Ich habe es euch schon gesagt: das Nichts wird bald mein Asyl sein.«

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Reinhold Lay, der mit der Theaterwerkstatt Traunstein schon seit Jahren mit seinen Inszenierungen für Aufsehen sorgt, erliegt erwartungsgemäß nicht der Versuchung vordergründiger Aktualisierung, auch wenn die Kostüme (Claudia Jung) zeitgemäß erscheinen, sondern nähert sich mit einer radikalen Strichfassung dem Text mit reflektierender Distanz und Fragen, die sich in letzter Konsequenz erst aus den Entwicklungen der letzten Zeit ergeben und doch bei Büchner teilweise im Ansatz schon vorweggenommen scheinen.

Es wäre falsch, hier alle Szenen, in denen am Premierenabend in der Traunsteiner »Festung« alle Darsteller mit einer Präsenz bestechen, die im Amateurtheater selten zu sehen ist, beschreiben zu wollen. Denn die Inszenierung nimmt nach der Anfangsszene ungeheures Tempo auf und rauscht an einem vorbei. Nur zwei Szenen seien hier erwähnt. Der Monolog von St. Just, der über Band eingespielt wird, ist in völliger Ruhe und Teilnahmslosigkeit der Schauspieler zu vernehmen. Er spricht von der Legitimation des Tötens für die Sache der Revolution. Eine Rede so zeitlos wie grausam. Die andere Szene zeigt Revolutionäre und ihre Opfer beim letzten Aufbäumen, ein Saufgelage, in dem das Bier fließt und der Revolution auf schrecklich zynische Art gehuldigt wird. Vorgetragen von einem gut abgestimmt sprechenden Ensemble zwingt diese Szene zum Schmunzeln, auch wenn die bittere Realität unseres menschlichen Daseins widergespiegelt wird. Eines sei noch hinzugefügt: Reinhold Lay lässt die Zwischenszenen von einem Akkordeonspiel begleiten. Evelyn Helbig hat dazu einen herrlichen dissonanten Klangteppich gewebt, der das Zerstörende einer Revolution musikalisch umsetzt.

Ein schöner, aber auch ein bitterer Theaterabend. Weitere Vorstellungen sind am morgigen Donnerstag und am Freitag. Karten können unter Telefon 0861/5170 bei Anna Stephl reserviert werden. Rolf Rößl