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Das Leben - eine einzige Maskerade

Wenn Totgeglaubte plötzlich wieder auftauchen, liegt häufig Spannung in der Luft. Denn bekanntlich bleibt die Zeit nicht stehen, es sei denn, man sitzt nach einem Flugzeugabsturz fünf Jahre lang auf einer unbewohnten Insel mitten im Pazifik fest. Genau dies ist dem Geschäftsmann Michel (Gerhard Brusche) in der neuen Produktion des Salztheaters Traunstein e. V. passiert. Aber jetzt ist er zurück, zurück auf der Bühne des Lebens sozusagen, und die Verwicklungen nehmen ihren Lauf.

Hans Brandl als Pierre und Silke Brandl als Lizzie bei der Salztheater-Premiere im Studio 16 an der Bahnhofstraße in Traunstein. (Foto: M. Heel)

Nicht dass sich Michels Ex-Frau Jacqueline (Michaela Lucke) und die langjährige Haushälterin Suzanne (Susanne Hansen) über das Wiedersehen nicht freuen würden, aber irgendwie kommt er doch ungelegen. Jacqueline steht nämlich kurz davor, wieder zu heiraten, und zwar ausgerechnet den Direktor der Fluggesellschaft (Hans Brandl), der Michel seinen fünfjährigen Zwangsurlaub verdankt. Außerdem ist Jacqueline noch immer sauer auf ihren Ex-Gatten, der sie während ihrer Ehe nach Strich und Faden betrogen hat.

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Michel gibt seine Fehltritte auch zu, beteuert aber, sich geändert zu haben und wirbt erneut um Jacqueline. Doch Jacqueline zeigt ihm die kalte Schulter, und dass Michel seinen Rivalen kennenlernen möchte, passt ihr auch nicht. Da greift Michel zu einem Trick: Er gibt sich als sein Zwillingsbruder Pascal aus, nicht ahnend, was er damit für ein Durcheinander heraufbeschwört. Zumal unversehens auch noch eine junge Frau (Silke Brandl) auftaucht und Behauptungen aufstellt, die Michels Inselaufenthalt in ein völlig neues Licht rücken.

Es geht also wieder einmal recht turbulent zu, in der klassischen Verwechslungskomödie »Ankomme Dienstag – stop – Fall nicht in Ohnmacht« von Jean Stuart, mit der das Salztheater Traunstein e. V. im sehr gut besuchten Traunsteiner Studio 16 Premiere feierte. Wobei man Gerhard Brusche nur bewundern konnte, wie souverän er seine Doppelrolle Michel/Pascal bewältigte, wie er trotz aller Leichtigkeit der Handlung die Facetten und Zweideutigkeiten seiner Figuren präzise herauszuarbeiten verstand. Noch mehr gefordert war allerdings Michaela Lucke als Jacqueline, die sich in einem Wechselbad der Gefühle wiederfand, hatte sie nach dem Erscheinen des echten Pascal doch gleich drei Männer zu bändigen. Es war einfach klasse, wie sie mit ausdrucksstarker Mimik blitzschnell von einem Extrem ins andere fallen konnte.

Etwas leichter hatte es Hans Brandl als Verlobter in der Warteschleife, der die naive Geradlinigkeit seiner Figur gut rüberbrachte, und auch Silke Brandl füllte ihre Rolle als wohlgeformte Blondine mit Heiratsabsichten bestens aus. Und nicht zu vergessen natürlich Susanne Hansen, die das Chaos ringsum mit trockenem Witz kommentierte, bis sie angesichts des ständigen Männertauschs an Halluzinationen glaubte.

Präzise und temporeich war auch die Inszenierung von Gerhard Brusche, Unterstützt wurde er dabei von Brigitte Baumgartner, und für den flotten Bühnenumbau sorgten Ala Plaul-Weingärtner und Horst Kammel. Kurzum, ein so amüsantes wie leichtfüßiges Stück, das einen Besuch lohnt.

Weitere Vorstellungen finden am 12., 13., 14., 19., 20., 26., 27. und 28. Oktober jeweils um 20 Uhr statt. Wolfgang Schweiger