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Der Münchner Kabarettist Stephan Zinner im Traunsteiner NUTS

Das Leben ist kein Hexenwerk

Unter den vielen bayerischen Kabarettisten ist er einer der vielseitigsten, der 1974 in Trostberg geborene und aufgewachsene Stephan Zinner.

Nicht nur als Kabarettist, sondern auch als Musiker begeisterte Stephan Zinner das Traunsteiner Publikum, musikalisch begleitet von dem Schweizer Jazz-Schlagzeuger Andreas Kaufmann. (Foto: Heel)

So war er nach einer Ausbildung zum Schauspieler Ensemblemitglied am Salzburger Landestheater und bei den Münchner Kammerspielen und spielte in zahlreichen Fernseh- und Filmproduktionen mit, wie zuletzt in der »Grießnockerlaffäre.« Parallel dazu macht er seit bald 20 Jahren erfolgreich (Musik)Kabarett, wobei er sowohl solo als auch zusammen mit seiner Band auftritt, und verkörpert seit 2004 Markus Söder beim alljährlichen Singspiel anlässlich des Starkbieranstichs auf dem Nockherberg.

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Jetzt war er mit seinem vierten Soloprogramm »Relativ simpel« in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS zu Gast, wo er sich erneut als Unterhaltungskünstler ersten Ranges präsentierte, mit eigenen Liedern und lustigen Geschichten aus seinem Alltag als Ehemann, Vater dreier Kinder und Einwohner der Stadt München. Wobei der Titel seines Programms durchaus wörtlich zu nehmen sei, wie er eingangs anmerkte. Denn das Leben sei nun mal relativ simpel und kein Hexenwerk. Begleitet wurde er dabei von dem Schweizer Jazz-Schlagzeuger Andreas Kaufmann, der Zinner nicht nur musikalisch unterstützte, sondern immer wieder auch Teil der Geschichten Zinners wurde.

Begebenheiten, die wohl fast jeder schon mal erlebt hat, seien es schnöselige SUV-Fahrer, die Radfahrer als Freiwild betrachten, oder aufdringliche Paketboten, die ihr Zeug unbedingt loswerden möchten, von Zinner locker und charmant ans geneigte Publikum gebracht, das sich seiner kraftvollen Bühnenpräsenz kaum entziehen konnte. Zwischendrin schwärmte er vom »echten Fußball«, nämlich dem Alte-Herren-Fußball, machte sich über die Photoshop-gezuckerte Welt des Online-Dating lustig, oder outete sich als Anti-Heimwerker.

Aber auch als Sänger und Instrumentalist begeisterte der Kabarettist die Zuschauer, nicht umsonst hatte er gleich drei Gitarren mitgebracht. Da reichte sein Repertoire vom Blues eines John Lee Hooker (»Boom Boom«) bis zur selbst geschriebenen Ballade (»Ja, so schaut’s aus«), erzählte er von den Tücken des Dolomiti-Eises und spottete über Deutsch-Rap. Mit einer spontanen Tanzeinlage und Geschichten aus dem »Kosmos-Fitnessstudio« beendete er seinen so temporeichen wie kurzweiligen Auftritt. Wolfgang Schweiger