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Das Leben und Schlimmeres

Wer schreibt heute eigentlich kein Buch (über sich), fragt man sich häufig angesichts der Flut von Autobiografien, Ratgebern aller Art und Geschichten, die angeblich das Leben schrieb. Erstaunlich also, dass der 1948 in Bad Reichenhall geborene, ehemalige kardiologische Oberarzt und heutige Musiker, Kabarettist und Autor Georg Ringsgwandl erst letztes Jahr, nach weit über dreißig Jahren auf der Bühne, mit »Das Leben und Schlimmeres – Hilfreiche Geschichten« sein erstes Buch herausbrachte. So skurrile wie amüsante Geschichten, die davon handeln, dass gerade Menschen, die sich bemühen, etwas Beeindruckendes zu erreichen, am Ende doch eine lächerliche Figur machen.

Über das Leben und Schlimmeres räsonierte Georg Ringsgwandl, begleitet von Daniel Stelter (Gitarre) und Christian Diener (Kontrabass) in der Schule Schloss Stein. (Foto: Heel)

Ein paar dieser Geschichten und eine Auswahl von Songs, die er zwischen 1976 und 2011 geschrieben hat, präsentierte Ringsgwandl jetzt bei seinem grandiosen Auftritt zum Abschluss der diesjährigen Steiner Literatur- und Medienwoche, begleitet von zwei »wahnsinnig begabten Mitspielern«, nämlich von Christian Diener am Kontrabass und Daniel Stelter an der Gitarre.

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Herrlich makaber und höchstens für verbissene Tierfreunde schockierend war etwa seine ungemein anschauliche Erzählung, wie er von seiner Frau zu einem Sonntagsspaziergang im Murnauer Moor überredet wurde und dabei einer Kampfhundattacke zum Opfer fiel. Hatte sich die Bestie doch an seiner Hüfte festgebissen und war infolge einer Kiefersperre ums Verrecken nicht wieder loszukriegen. Auch der aufgesuchte Tierarzt konnte ihm nicht helfen, weil der Hund schließlich gesund sei, so der Veterinär. Also holte er eine zweite Meinung ein, und hier fand sich die Lösung: Die beherzte Kollegin griff zu ihrer Safariflinte und schoss den Hund (und dazu ein Pfund Fleisch und Muskeln des unfreiwilligen Trägers) einfach weg.

Und köstlich auch die Geschichte von der Hautärztin (und Zitherspielerin), die sich auf Haarentfernung spezialisiert hatte und damit ein Vermögen verdiente, bis das Geschäft einbrach und sie notgedrungen umsattelte: Jetzt macht sie genau das Gegenteil, nämlich Haartransplantationen, vornehmlich bei reichen Arabern, die dann, eingeklemmt zwischen ihren Oberschenkeln, auch noch in den Genuss einer sehr speziellen Aussicht kommen. Was die gute Frau aber nicht daran hindert, sich über die Oberflächlichkeit ihres Berufs zu beklagen. Apropos Zither. Hier hatte Ringsgwandl für das männliche Publikum noch eine wichtige Information parat: Es sei statistisch erwiesen, dass Zither spielende Männer so gut wie nie von ihren Frauen verlassen werden!

Überraschend auch, dass er bei seinem begeistert aufgenommen Auftritt ohne die Kaspereien und schrillen Verkleidungen auskam, die früher sein Markenzeichen waren. Dass er, von ein paar Verrenkungen abgesehen, fast schon »seriös« wirkte, insbesondere bei seinen aussagekräftigen, bluesrockig gehaltenen Songs, mit denen er nicht nur als erstklassiger Komponist und Texter überzeugte, sondern auch als charismatischer Sänger. So etwa in der Obdachlosen-Ballade »Auf der Straß« oder in dem heimatkritischen Lied »Dahoam is net dahoam«, in dem er die Schattenseiten des modernen Lebens anprangert. Aber auch Leichtes geht ihm locker von der Hand, wie »Beim Bäcker Meier«, bei dem eine neue, ausgesprochen hübsche Verkäuferin unversehens für Umsatzrekorde sorgt. Und dass wir »Nix mitnehma« können (nach Bob Dylans »Gotta serve somebody«), war als Zugabe noch eine Erinnerung daran, dass alles im Leben vergänglich ist. Kurzum ein phantastischer Auftritt, bei dem Georg Ringsgwandl sowohl als Erzähler als auch als Musiker brillierte. Wolfgang Schweiger