weather-image
21°

Das Leiden und Sterben Jesu musikalisch ausgedrückt

Ein rechtlich denkender und tragisch zerrissener Pilatus, der verzweifelt versucht, einen Justizmord zu verhindern, ein überlegener Gottessohn, der die Passion siegreich durchleidet und schließlich die Juden, die unerbittlich Jesu Tod fordern und den Römer in die Enge treiben, bis er nachgibt und den »König der Juden« wider besseren Wissens kreuzigen lässt: Sie alle gehören zur Dramaturgie der Passionsgeschichte nach Johannes.

Das Passionssingen in der Pettinger Filialkirche St. Margarete in Kirchberg, das das Vokalensemble unter der Leitung von Stephan Hadulla (rechts) gestaltete, hatte die Kraft, die Herzen zu berühren.

Diese durfte man in dem kleinen gotischen Gotteshaus in Kirchberg bei Petting, das der Heiligen Margarethe geweiht ist, erleben. Dort bot ein elfköpfiges Vokalensemble in beeindruckender Weise die äußerst selten zu hörende Johannes-Passion von Francesco Soriano (Suriano). Soriano (1548 oder 1549 bis 1621) war einer der bedeutendsten und vielseitigsten Komponisten der Römischen Schule in der Nachfolge Palestrinas. Die kleine Kirche war ein gut gewählter Ort für diese Konzertstunde, weil dort das Leiden Christi allgegenwärtig ist.

Anzeige

Die Gesamtleitung des Konzertes, das auf instrumentale Begleitung völlig verzichtete, oblag Stephan Hadulla, der damit einen besonderen Akzent im Konzertleben Pettings setzte. Die gesungene Leidensgeschichte wurde ergänzt von Liedern, die die Evangelientexte von Gründonnerstag und Karfreitag musikalisch vertieften, sowie von Gedanken zur Bedeutung von Tod und Auferstehung, die Eberhard Zeh, Pfarrer der evangelischen Gemeinde Laufen, in nachdenklich stimmende Worte fasste. Zeh hinterließ Fragen, die jeder für sich selbst beantworten muss: »Ja, muss denn das alles so sein, was da so sein muss…« Vermeintliche Sachzwänge dienten oft als Begründung, warum Menschen gegen ihre Überzeugung handeln.

Auch das skandalöse Bild von Jesus am Kreuz rufe die Frage wach: »Muss das sein?« »Nein, das musste nicht sein, dass Jesus gefoltert und umgebracht wurde, ebenso wenig wie bei den vielen anderen, die da so umkommen.« Immer gehe es um die Frage, ob das sein müsse. »Muss es wirklich sein, dass es immer das neueste Handy, die neueste Computerkiste braucht und irgendwo geht ein Kind drauf in irgendeiner Koltan-Mine. Kinderhände sind so klein und so flink und so billig.« Die Sängerinnen und Sänger präsentierten eine musikalische Erzählung von grandioser Spannung.

Die vortrefflichen solistischen Partien boten Dr. Konrad Hecht, der im angenehmen Tenor den Text des Evangelisten sang; Hans Größ (Bass), der die Worte Christi wiedergab, und Rupert Übelherr (Bariton) als Pontius Pilatus. In die biblischen Rollen des Volkes schlüpften die Sopranistinnen Monika Koch, Margarethe Herder und Mechthild Mühlbacher, die Altistinnen Elisabeth Huber und Hedwig Übelherr, die Tenöre Josef Werker und Leopold Gnedel sowie Willi Setzer-Mühlbacher (Bass). Ehe das Vokalensemble die Leidensgeschichte hören ließ, stimmte es mit mehreren Liedern, die sich auch mit der Passion auseinandersetzen, wie »Sei heilges Kreuz gegrüßet« oder Anton Bruckners »In Monti Oliveti« und »Christus factus est« auf die österliche Zeit ein.

Die musikalische Stunde tiefer Eindrücke des Leidens und Sterbens Jesu honorierten die Zuhörer mit großem Applaus. Anna Caruso