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Das pralle Leben in Noten

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Riesenapplaus gab es für das Trio Con Brio Copenhagen beim sechsten der Traunsteiner Sommerkonzerte im Kulturforum Klosterkirche. (Foto: Benekam)

Spätsommerregen, hie und da durchbricht ein lichter Sonnenstrahl die regenverhangenen Wolken über dem Himmel des Traunsteiner Kulturforums Klosterkirche: Die Stimmung dieser wechselhaften Wetterlage sollte im sechsten Konzert der Traunsteiner Sommerkonzerte eine passende, musikalische Illustration finden.


Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt bewegten sich die Emotionen, zu denen drei ganz unterschiedliche Werke die begeisterten Zuhörer hinführten: Das pralle Leben in Noten gefasst, Vermächtnisse genialer Komponisten, welche ihnen zur Unsterblichkeit verhalfen: Beethoven, Frank Martin und Felix Mendelssohn Bartholdy.

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Beethoven widmete das Trio Con Brio Copenhagen das eröffnende Werk und eine in ihrem musikalischen Thema Hoffnung verheißende Zugabe. Wenzel Müllers Singspiel »Die Schwestern von Prag«, damals ein volksmusikalischer Ohrwurm, im Thema schwankend zwischen Ernst und Heiterkeit, war Beethoven um 1800 Inspiration für eine ganze Serie: Die Kakadu-Variationen für Klavier, Violine und Violoncello G-Dur op. 121a. Das Trio Con Brio interpretierte das eingängige Werk mit komödiantisch gefärbter Verve, schickte Beethoven herzliche Grüße aus dem 21. Jahrhundert und zugleich die sichtlich positiv gestimmten Zuhörer in die Welt ausgereifter, fantasievoller Variationskunst.

Ebenso von volksmusikalischer Lebenslust durchdrungen, diesmal allerdings irischen Volksweisen entliehen, war das zweite Werk des Abends: Ein Klaviertrio über irische Volksweisen aus dem Jahr 1925 aus der Feder des bedeutenden schweizerischen Komponisten Frank Martin. Ein Auftragswerk, wie Jens Elvekjær eingangs zu erzählen wusste, das sich aus nostalgischem Beweggrund heraus ein Amerikaner mit irischen Wurzeln gewünscht hatte. Martin bildete das dreisätzige Stück ausschließlich aus irischer Folklore, reihte Volkslied an Volkslied in klanglich-harmonischer, vor allem aber rhythmischer Verarbeitung.

Die Vielfalt der Rhythmen belebte das Sommerkonzert-Publikum und ließ bei dem ein oder anderen das Tanzbein zucken. Drittes und somit letztes im Programm stehende Werk war das Klaviertrio Nr. 2 in c-Moll, op. 66 von Felix Mendelssohn Bartholdy aus dem Jahr 1845. Düster-gespannte Stimmungen durchziehen den ersten Satz, das Allegro energico e fuoco. Beschwörende Eindringlichkeit verstärken die Spannung im Andante espressivo weiter, getrieben und angstvoll kommt das Allegro molto quasi Presto daher und schließlich findet das Werk in einer Art sich frenetisch steigerndem Jubellied sein glückliches Ende.

Das Trio entstand in einer für Mendelssohn Bartholdy belastenden Lebenssituation: Eine schwere Krankheit des Sohns Felix ließ ihn um dessen Leben bangen. Mit dem Klaviertrio op. 66 zelebriert er die Errettung seines Kinds.

Grund zu ausgelassener Freude und frenetischem Applaus hatten auch die Gäste des 6. Sommerkonzerts, denn die beiden koreanischen Schwestern Soo-Kyung Hong (Violoncello) und Soo-Jin Hong (Violine) und der dänische Pianist Jens Elvekjær stellten bei ihrem Konzert klar heraus, was der fachkundige Musikliebhaber weiß: Nicht der Ton, sondern die »empathisch gewürzte Nuance« der Töne macht die Musik – die nachempfundene »Tiefe« der Noten also krönt ein Werk zum superlativen Klangerlebnis.

Bemerkenswert ist, dass das Trio im Zusammenspiel bei spieltechnischer Brillanz in keinem Moment »routiniert« agierte, sodass es in jedem Moment den spannungsgeladenen Geist des »Neuen« pflegte. Die Zugabe, das Finale von Beethovens Klaviertrio G-Dur, op. 1,2 aus dem Jahre 1795, rundete das Konzert mit hoffnungsfroher Heiterkeit ab, der sich wiederum ein erneut einsetzender Regen beim Verlassen der Klosterkirche trotzig entgegensetzte. Kirsten Benekam