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Das Publikum im Wunderland

Eroberten das Publikum im NUTS mit ihrer unwiderstehlichen Mischung aus musikalischer Klasse, Witz und Charme: die Bayerischen Löwen. (Foto: Barbara Heigl)

Eigentlich fast schon unbeschreiblich, auf alle Fälle unvergleichlich, das waren die fünf Bayerischen Löwen mit ihrem Programm »Alois im Wunderland« in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. Noch Tage später, wenn man sich an die Burschen mit ihren formidabel gespielten Blasinstrumenten, ihrem mehrstimmigen, sehr ausgefeilten Gesang und der skurrilen Bühnenshow erinnert, fragt man sich, ob man das alles vielleicht nur geträumt hat.


Ein Traum, in dem Freddy Mercury gemeinsam mit der Biermösl Blosn auf der Bühne steht, die sich auf wundersame Weise dann in die Comedien Harmonists verwandelt. Ein Traum, in dem fünf Niederbayerische Blechmusiker mir nichts dir nichts mehrstimmig einen afrikanischen Stammesgesang raushauen und dann mit dem Song »The Lions sleeps tonight« das Publikum so richtig wach brüllen, natürlich auf höchst musikalische Weise! Gut gebrüllt, Löwe!

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Der musikalische Auftritt, den die Musiker im Laufe des Abends hinlegten, wurde mit kleinen Schauspielszenen komödiantisch-trocken unterfüttert und hatte eigentlich schon Musical-Niveau. Wenn etwa eine mütterlich-strenge Stimme aus dem Off die Kapelle regelmäßig zum Schlafen aufforderte und aus den gestandenen großen Buben Kleinkinder mit Schnuller und Schmusedecke wurden, die dann in eine Art unschuldig-diabolischen Schlaf versanken. Wie drückte es schon Tom Waits in einem seiner Songs aus: »You are innocent when you dream.« Deshalb ist im Wunderland alles möglich, ohne dass man sich dafür verantworten muss: Da kann man die Schwiegermutter und auch den Vater nebst Ehefrau mit Rattengift in der Fliegenschwammerlbriah beseitigen, um an das Häusel zu kommen, homoerotische Fantasien ausleben oder gar den König Ludwig in das Traumensemble einspinnen. Da ist man Dampflokomotivführer oder Krabbenkutterkapitän, Pornodialog-Autor, und zum Schluss, erfüllt sich gar der Traum »Profimusiker«. Aber auch das Leben an sich, wenn man dem Traumland vorübergehend ade sagt, teilt nicht nur Schönes, sondern auch manche Watschn aus.

Gut, wenn man da einen Freund an seiner Seite weiß. Mit der traumhaft schönen bayerischen Coverversion von Joe Cockers »With a little Help from my Friends«, auf bayerisch dann »As Leb'n waar doch nix ohne Freind«, berührten sie das Publikum auf ganz zarte Weise. Ja, der Alois scheint ganz schön breitgefächerte musikalische Vorlieben zu haben. Neben Big-Band-Jazz hört er es auch ganz gerne, wenn ihm die Kühe auf der Weide in seinem Traum »Hell's Bells« von AC/DC mit ihren Glocken um seine Ohren hauen.

Kein Wunder also, dass das Publikum darauf bestand, diesen traumhaften Abend noch so lange wie möglich weiter zu mitzuträumen. Zum Schluss, nach der dritten oder vierten Zugabe, quetschte das enthusiasmisierte Publikum mit einem unwiderstehlichen Mittel, den Standing Ovations, noch ein Lied aus den sympathischen Musikern heraus. Mit dem Stück »Schmusen« entließen sie das Publikum in das Foyer, wo manch einer dann noch gemeinsam mit ihnen ganz gesellig das eine oder andere Bier trinken durfte. Das gibt es halt bloß im NUTS. Barbara Heigl