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Das Rätsel um die »Dark Lady«

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Reichlich Applaus gab es für Senta Berger (vorne) im Festspielhaus in Salzburg. (Foto: Aumiller)

Senta Berger gastierte bei den Salzburger Kulturtagen mit ihrem poetischen Programm »With Shakespeare in Love«. Die Nürnberger Symphoniker unter ihrem Chefdirigenten Alexander Shelley umrahmten die Lesung mit Shakespeare-Vertonungen von William Walton, Antonin Dvorák, Hector Berlioz, Giuseppe Verdi, Peter I. Tschaikowski und Sergej Prokofiew.


Senta Berger hat aus den Sonetten Shakespeares die Liebeslyrik ausgewählt, die an eine rätselhafte Frau adressiert ist, eine glutäugige Schöne, die »Dark Lady« , um die sich zahlreiche Spekulationen ranken, deren Existenz aber ungeklärt bleibt und die Frage offen lässt, ob es sich um eine fiktive Gestalt oder Shakespeares Geliebte handelt. Für Senta Berger war sie eine reale Figur, an die sie glaubt, wie sie beteuerte.

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Die berühmte Schauspielerin verknüpfte die poetischen Texte mit historischen Assoziationen zu Shakespeare, die den Dichter zur lebensnahen Gestalt werden ließen und die Liebeslyrik als engen Bezug zwischen dem Dichter und der »Dark Lady« aufscheinen ließen. Senta Bergers natürlich wirkender Sprachfluss, mit dem sie gleichzeitig auf spannende und pointierte Weise reizvolle poetische Stimmungsbilder malte, gab Zeugnis von ihrer hohen Kunstfertigkeit, den Worten unpathetisch und lebensnah Empfindung und Aussagekraft zu verleihen.

Die musikalische Seite des Programms stellte den Bezug zu Shakespeare her mit William Waltons Filmmusik zu »As You Like it«, Antonin Dvoráks Othello-Konzertouvertüre fis-Moll op. 93, Auszügen aus Hector Berlioz´ »Romeo et Juliette – Dramatische Symphonie« op. 17, Giuseppe Verdis Ballettmusik aus der Oper »Macbeth«, Peter I. Tschaikowskis »Romeo und Julia«- Fantasie-Ouvertüre und als Zugabe einen kurzen Ausschnitt aus Sergej Prokofiews »Romeo und Julia«-Ballett.

Alle sind sie Vertonungen von Shakespeare-Dramen und musikalische Juwelen, aber hier wirkte die kompositorische Ausrichtung der Musiktheater-Dramatik etwas fehl am Platze als musikalische Entsprechung zur feinsinnigen Poesie der Sonette. Somit wirkte die Musik nicht als sinnige Ergänzung, sondern als Zweitprogramm, das sich wenig zur Lesung fügen wollte. Einzig Berlioz’ Feinsinnigkeit korrespondierte mit der Wortlyrik. Allerdings brachte die orchestrale Wiedergabe den romantischen Zauber flirrender Klangfarben dieser Musik nur andeutungsweise zum Ausdruck.

Die Nürnberger Symphoniker sind ein verdientes Orchester, das viele Filmmusiken einspielte und dafür auch als Spezialist gilt und Auszeichnungen einheimsen konnte. Die Musiker sind gut eingespielt mit ihrem Dirigenten Alexander Shelley. Er dirigierte auswendig, war auch umsichtig im Einsatz. Dennoch blieb an diesem Abend die Kontur des Orchesters etwas blass, konnte in der musikalischen Aussage nicht ganz der konzentrierten Dichte der Lesung entsprechen. Elisabeth Aumiller

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